Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Sula.[]


Sula,[1] Stadt mit 945 Häusern und 5884 Einwohn., und Amt in der gefürsteten Grafschaft Henneberg, am thüringer Walde, dem König von Sachsen gehörig, hat gegen 136 Barchent- und Leinweber, und ist auch der eingelegten Stahlarbeit, der Feuergewehr- und Klingen-Fabrik wegen berühmt. Die Herrschaft enthält auf 3 QM. ausser dem Städtchen 14 Dörfer. Vom 15ten bis ins 17te Jahrh. war Sula der einzige Ort in Deutschland, wo Feuergewehre verfertigt wurden. Es ist daselbst eine Superintendentur. Im J. 1753 betraf die Stadt das Unglück, daß über 700 Häuser abbrannten, welche größtentheils wieder hergestellt sind. Das Amt, welches im thüringer Walde sich verbreitet, enthält ausser der Stadt einen Marktflecken und 3 Dörfer, im Ganzen mit 8577 Seelen. In dem Amte sind 6 Eisenhämmer.


Suhl.[]


Suhl, Suhla,[2] eine offene Stadt, in der preußischen Provinz Sachsen, im thüringischen Regierungsbezirke. Sie liegt in den Gebirgen des südwestlichen Abhangs des thüringer Waldes an dem Flüßchen Lauter. Es verdankt seine Entstehung wahrscheinlich den Serben, die sich hier wegen der Salzquellen mögen niedergelassen haben; später mag des Orts Flor aus den Bergwerken hervorgegangen seyn, die im 14ten Jahrhunderts entdeckt wurden. Graf Wilhelm VII. von Henneberg ertheilte ihm 1517 einige städtische Vorrechte, und 1527 völlige Stadtgerechtsame. Sie zählt mit 13 Häusern des Linsenhofs 1004 Häuser und 6100 Einwohner. Sie hat die Rechte einer Bergstadt, und als solche ein Bergamt, dem ein Justizamt, eine Superintendentur, ein Rentamt und eine Eisenhütten- und Fabrikinspection. Hauptnahrungszweige der Einwohner sind die Eisen- und Gewehrfabrikation und die Barchentmanufactur. Zur Fertigung des Eisens liefern die hiesigen Gruben, die aus dem Stahlberge bei Schmalkalden und die aus der Gegend von Großkansdorf trefflichen Eisenstein. Die Gewehrfabrik ist alt, und erhielt 1563 vom Grafen Ernst Georg von Henneberg die erste Innung. Es sind jetzt hier fünf Rohrhämmer, sechs Rohrschmieden, und zweiundzwanzig Bohr- und Schleifmühlen. Die Vorzüge der hiesigen Gewehre sind bekannt. Außer ihnen fertigt man noch eine Menge Eisenwaaren, die zum Theil unter dem Titel schmalkalder Waare verkauft werden, z. B. Pulverproben, Lademaße, Jagdhämmer, Flintenkrätzer, Kugelzieher, Fuchseisen und Marderfallen, Zuckerschneider, Zuckerhämmer, Federhacken, Caffee- und Gewürzmühlen, Feuerzeuge und verschiedener Art, Waagen, Schlösser, Leuchter, Schnallen, Bügeleisen, Degen- und Hirschfängergefäße, Petschafte, chirurgische Instrumente u. s. w. Das Eisen wird hier mittelst Blauöfen ausgeschmolzen, und im Frischfeuer verfrischt. Von dem hiesigen Stahl werden jährlich über 7000 Centner verarbeitet. Die Gewehre werden im Beschießhauße von zwei verpflichteten Personen erst mit zwei Schüssen probirt. Die Barchentweberei ward im 17ten Jahrhundert hieher gebracht. 1806 zählte man 380 Webermeister und 320 Gesellen, welche mit den hieher arbeitenden Dorfmeistern 64,000 Stück Barchente lieferten. Mehrere Kaufleute treiben damit ansehnlichen Handel. Die Stadt liegt in einer wildromantischen Gegend.


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
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