Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Sultan,[1] ein arabisches Wort, heißt nach seiner Abstammung so viel als ein Mächtiger. Im eigentlichsten Verstande wird der türkischen Kaiser Sultan (auch Großsultan) genannt, obgleich der Titel Padischah für höher gehalten wird. Auch die Herren von der Familie des crimmischen Tartarchans heißen Sultane. Der Pascha von Aegypten wird gleichfalls von den Einwohnern dieses Landes, nicht aber am Hofe zu Constantinopel mit der Benennung Sultan beehrt. Im gemeinen Leben kann dies Wort mit einem Fürworte einer jeden Person aus Höflichkeit beigelegt werden, z. B. Sultanum, mein Heer. So wie die türkischen Sultane auch Großsultane heißen, so werden ihre Gemahlinnen von den Europäern gleichfalls Sultaninnen genannt. Die Türken nennen sie aber nur: die erste, die zweite, oder dritte Frau u. s. w. Die erste ist diejenige, welche dem Kaiser den ersten Prinzen geboren hat. Diese erste Frau wird auch von den Europäern Sultanin Favorite genannt. Sie behält vor den übrigen Damen des Serails den ersten Rang, wofern nicht ihr Sohn vor dem regierenden Sultan verstirbt, und diesem von einer andern Dame früher als von ihr ein Sohn wiedergeboren wird. Der Titel Sultanin kommt eigentlich nur einer wirklichen, dafür erklärten Gemahlin oder Kaiserin zu; allein solche gibt es nicht mehr, indem zur Ersparung einer eigenen Hofhaltung, welche eine wirkliche Sultanin haben müßte, die Vermählung unterbleibt. Die Frauen des Sultans, welche als Sclavinnen in das Serail gekauft, oder von Paschen geschenkt worden sind, leben daselbst unter der Aufsicht der Verschnittenen. Zu Constantinopel heißen nur die Töchter der Kaiser Sultaninnen, und behalten diesen Namen auch, wenn sie an Offiziere und Bediente des Kaisers verheirathet werden. Die Töchter aus einer solchen Ehe heißen Kanüm Sultaninnen, d. i. Frauen vom Geblüt. Ist die Mutter des regierenden Kaisers bei seinem Antritte noch am Leben, so heißt sie Walidet-Sultanin oder Sultanin Valide. Sie genießt dann eines vorzüglichen Ansehens. Ihr Sohn darf ohne ihre Zustimmung keine neue Gemahlin oder Beischläferin wählen, und auch auf die Staatsregierung hat sie einen wichtigen Einfluß. -- Sultane oder Sultana heißt eine Art türkischer Kriegsschiffe von ungefähr 66 Kanonen, 800 Seesoldaten und 50 griechischen Matrosen. -- Sultanin, eine Goldmünze, die zu Cairo geprägt wird, und ungefähr 2 Rthlr. oder 3 Conventionsgulden werth ist. Die zu Tunis geprägten Sultaninnen sind schwerer, von feinerm Golde und um ein Drittheil mehr werth.


Quellen.[]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1818.
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