Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Sund.[]

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Karte von dem Sunde.

Sund, eigentlich Oresund oder Oeresund, heißt die Meerenge, welche Dänemark von Schweden trennt, und gewöhnlich die Durchfahrt aus der Nordsee in die Ostsee ist; sie ist in der geringsten Breite bei Helsingoer ungefähr eine halbe Meile breit, und wird von der dänischen Festung Kronburg auf der Insel Seeland beherrscht. Seit den ältesten Zeiten hat der König von Dänemark sowohl über den Sund, als über die beiden andern aus der Nordsee in die Ostsee führenden Straßen, den großen und kleinen Belt, die Oberherrschaft, und läßt von allen durchgehenden Handelsschiffen ohne Unterschied einen Zoll erheben, welcher an dem Zollhause zu Helsingoer entrichtet werden muß. Dieses Recht der Könige von Dänemark ist durch Verträge mit den übrigen Seemächten anerkannt worden. Im Frieden zu Broemsebro im Jahr 1645 wurde zwar den schwedischen Schiffen die Zollfreiheit im Sunde und in den beiden Belten zugestanden, aber im Frieden zu Friedensburg im Jahre 1720 mußte Schweden diese Zollfreiheit wieder aufgeben. Als Dänemark im Jahre 1781 der bewaffneten Neutralität beigetreten war, ließ es, in Folge einer den übrigen Mächten mitgetheilten Declaration, keine Kriegsschiffe oder Kaper der kriegführenden Mächte durch den Sund passiren. Es ist durch Verträge festgestellt worden, wie viel die durchgehenden Schiffe zu entrichten haben; Franzosen, Engländer, Holländer und Schweden zahlen ein Procent von dem Werthe ihrer Waaren, die übrigen Nationen und selbst die dänischen Schiffe müssen 1 ¼ Procent entrichten. Die holländischen Schiffer haben den Vorzug, daß sie bloß ihre Certificate vorzeigen dürfen, die Schiffer anderer Nationen müssen sich eine Durchsuchung gefallen lassen. Da jährlich gegen 6000 Schiffe durch den Sund hin- und zurückgehen, so ist dieser Zoll, der in die königl. Chatoulle fließt, sehr beträchtlich. In den Jahren 1774 und 1775 waren über 8000 Schiffe in jedem Jahre durchpassirt.


Von Reisenden.[]

Carl Gottlob Küttner.

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Helsingöer den 8ten July 1798.

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Wir fanden eine ganze Englische Kauffahrteyflotte, die nächstens mit einer Bedeckung unter Segel gehen wird. -- Unter andern zeigt sich hier sehr schön, mit seinen Gärten, das Schloß Marienlust, ein neues, nicht großes Gebäude, das dem Kronprinz gehört. Es steht an einem kleinen schroffen Hügel, an dessen Seiten mehrere Wege, wie Terrassen, angebracht sind. Der Garten ist der sogenannte Hamletsgarten: und hier soll dieser humoristische Fürst seine Residenz gehabt haben. Aber seine ganze Geschichte ruht auf der Gewährschaft des Saxo Grammaticus, der sie, nach seiner Art, sehr wild erzählt.

Es ist bekannt, daß die Schiffe, die zwischen der Ost- und Nordsee gehen, nicht durch den großen, oder kleinen Belt, sondern durch den Oeresund segeln, und bey Cronborg einen Zoll entrichten. Der Englische Consul schätzte den Ertrag dieses Zolles, in den letzten Jahren, eins in das andere gerechnet, jährlich auf zwey hundert tausend Pfund Sterling, wofür aber der König von Dänemark alle Leuchtthürme an den Küsten unterhält, bis hinauf an den Skaw, oder Skagen, das nördlichste Vorgebirge von Jütland, und wieder hinab nach Kopenhagen zu, ja selbst einige auf der Schwedischen Küste. Zwar wird für diese Beleuchtung noch besonders bezahlt; allein das ist unbedeutend, und entschädiget die Regierung bey weitem nicht für die Kosten, so daß man den Zoll zum Theil mit dahin rechnen kann. -- Die Engländer, Franzosen, Holländer und Schweden bezahlen eins vom Hundert, alle andern Völker ein und ein Viertel. Diese Abgabe ist aber nicht so groß, als sie beym ersten Anblicke zu seyn scheint. Freylich wird sie von dem sogenannten Werthe der Güter entrichtet, aber nicht nach dem Kaufpreise, oder dem gegenwärtigen Werthe der Dinge, sondern nach einem Preise, den jeder Artikel vor Jahrhunderten hatte. Die Frage ist also nicht, was der Hauptmann, oder Kaufmann für die Tonne Flachs, Pech, Korn u. s. w. gegeben hat, sondern er bezahlt ein pro Cent des Werthes, für den eine Tonne dieser Güter seit undenklichen Zeiten angesetzt ist. Indessen gibt es doch einige Waaren, die den Zoll nach ihrem wirklichen Werthe bezahlen müssen.

In Büschings Erdbeschreibung finden Sie, unter dem Artikel Helsingöer, die Zahl der Schiffe die seit dem Jahre 1768 bis 1785 durch den Sund gegangen sind. Hier haben Sie die Fortsetzung davon bis zum gegenwärtigen Jahre, wie ich sie von einem der hiesigen Consuln erfahren habe:

Im Jahre 1786 -- -- 9,008 Schiffe.
-- 1787 -- -- 9,747 --
-- 1788 -- -- 9,224 --
-- 1789 -- -- 8,847 --
-- 1790 -- -- 9,738 --
-- 1791 -- -- 10,453 --
-- 1792 -- -- 12,114 --
-- 1793 -- -- 9,926 --
-- 1794 -- -- 10,510 --
-- 1795 -- -- 7,953 --
-- 1796 -- -- 12,113 --
-- 1797 -- -- 9,723 --

Wenn Sie diese zwölf Jahre mit den funfzehn Jahren, wovon Büsching die Liste gibt, vergleichen, so werden Sie finden, daß sich die Zahl der Schiffe, die durch den Oeresund gegangen sind, ansehnlich vermehrt hat, obschon der Canal zwischen Holstein und Schleswig eine beträchtliche Zahl von Schiffen wegnimmt, die aus der Nordsee in die Ostsee gehen, oder umgekehrt, und die entweder gar nicht, oder nur auf dem Rückwege, oder Hinwege durch den Sund segeln.

Wir wohnen hier bey Juel, in einem ziemlich guten Gasthause, wo mir die Deutsche Sprache noch immer durchhilft.


Quellen.[]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Reise durch Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen und einen Theil von Italien, in den Jahren 1797. 1798. 1799. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen, 1804.
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