Sweaborg.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Sweaborg, Festung, etwas weniger als 1 deutsche Meile von Helsingfors, in Finnland. Sie besteht aus 7 Inseln von verschiedener Größe; die Befestigungswerke sind in Granit gehauen und meistens 48 Schuh hoch und 6 - 10 Schuh dick. Das Hauptfort befindet sich auf dem Eilande Wargöe. Durch diese Festung wird ein Hafen für 70 Linienschiffe, eine Galeerenflotte, und ein Theil von Finnland, nebst verschiedenen Magazinen, gedeckt. Die ganze Bevölkerung mit Einschluß der Besatzung beträgt gegen 5000 Seelen. General Ehrenschwerd hat den Plan entworfen, der auch dem größten Theile nach bereits ausgeführt ist. Im J. 1790 besiegte K. Gustav III. die Russen in der Nähe dieses Hafens in einem Seetreffen. Sweaborg war der gewöhnliche Hafen für den größten Theil der schwedischen Scheerenflotte. -- Im J. 1808. 3ten May, eroberten die Russen diese wichtige Wasserfestung, durch Kapitulation, so wie die 100 Galeeren, welche in dem Hafen lagen, und Stadt und Hafen gehört nun zu Rußland.


Einzelne historische Züge und Anekdoten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1811]

[2]
Zu Warg-Oen, einer der Inseln, aus welchen die berühmte Festung Sweaborg besteht, ereignete sich folgende tragische Begebenheit, die erst durch eine kürzlich erschienen Russische Reisebeschreibung bekannt geworden ist. Einige Monate nach der Einnahme von Sweaborg ließ ein Arbeiter eine Bombe fallen, die er von einer Stelle zur andern tragen sollte; der Fall der Kugel erzeugte einen Funken, und der Funken zündete Schießpulver, wovon 3000 Pud (120,000 Pfund) vorräthig lagen. Die Explosion war furchtbar und ihre Folgen noch schrecklicher. Das Meerwasser, welches die Werke bespühlt, zurückgedrängt, wälzte sich gebergt zu Wogen gegen eine Granatmauer und strömte über dieselber her. Die Schiffswerfte brannten; das Feuer fiel auf die Kanonen, welche geladen auf den Wällen standen, und diese schossen Kugeln und Kartätschen ab; die Pulverwagen, Bomben, Patronen, und die Kugeln, Steine, der Abgang von Eisen und Granit, große Balken u. s. w. pfiffen durch die Luft ringsumher, und in den Straßen, auf den Wällen, ja in den entferntesten Häusern der Garnison fielen Männer, Frauen und Kinder, dem Tode ein trauriges Opfer. Der Artillerie-General Woronoff befand sich gerade auf einer Batterie, als die Explosion ausbrach; er ward umgeworfen und bewußtlos vom Walle in einen Graben gestürzt. Nur die Todten retteten sein Leben; zwei Leichname nämlich bedeckten seinen Körper, und die Absprünge und Splitter von allen Seiten her, alles traf die Todten, und der General kam unbeschädigt davon. Mehr als hundert Menschen büßten ihr Leben ein; ein Schiffswerft brannte ab, ein ganzes Festungswerk ward unbrauchbar, und sehr viele Kriegsmunition gieng verloren. Ein andres Pulvermagazin brannte schon, wurde aber glücklich gerettet; hier lagen 13000 Pud Pulver. Die Reparatur kostete 72,000 Rubel und eine ganze Jahrszeit Arbeit.


Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1812]

Sweaborg, den 13ten Januar. [3]

Bey uns ist nun auch ein Klubb und ein Theater erschienen, in welchen die Versammlungen, unter Beobachtung einer vollkommenen Ordnung und aller Anständigkeit, sehr zahlreich zu seyn pflegen. Diesen angenehmen Zeitvertreib haben wir der besondern Aufmerksamkeit des hiesigen Kriegsgouverneurs, Herrn Admiral Sablin, zu verdanken. Im Klubb pflegt alle zwey Wochen, des Mittwochs, Ball gegeben zu werden, der mit einem Souper endigt. Jetzt wurden noch ausserdem, bey Gelegenheit des Weihnachtsfestes und den Neujahrs, zwey Bälle gegeben. Russische Schauspiele geben uns sie hier befindlichen jungen Theaterliebhaber, welche durch gute Auswahl der Stücke und durch ihr schönen Spiel unserm Publiko besonderes Vergnügen verschaffen. Der Saal, in welchem sie das Theater auf ihre eigene Kosten eingerichtet haben, faßt bis 300 Zuschauer, die für den Eintritt nichts zahlen. Am ersten Neujahrstage, Abends, ward in Helsingfors ein anderer Klubb eröffnet, der ebenfalls zahlreich besucht war; und am 3ten Januar gab der Herr Kriegsgouverneur einen Ball, auf welchem sich gegen 100 Gäste befanden.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
  2. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1810.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 39. Mittewoch, den 14. Februar 1812.
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