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Thaddäus Kosciuszko.Bearbeiten

PortretThaddäusKosciuszko

Thaddäus Kosciuszko.

Kosciuszko, (Thaddäus) pohlnischer General, aus seiner adelichen, aber armen Familie, wurde in der Kadettenschule zu Warschau erzogen und machte daselbst schnelle Fortschritte in der Mathematik und Zeichenkunst. Deßhalb befand er sich unter der Zahl der 4 Zöglinge, welche das Institut auf seine Kosten zur Vervollkommnung ihrer Kenntnisse im Ausland reisen ließ; Kosciuszko verlebte auf diese Weise einige Jahre in Frankreich und widmete sich ununterbrochen den Studien, die mit der Kriegskunst in Verbindung stehen. Bey seiner Rückreise nach Pohlen erhielt er sogleich eine Kompagnie; eine unglückliche Liebe aber bestimmte ihn, sein Vaterland wieder zu verlassen und in amerikanische Dienste zu gehen, wo er Adjutant von Washington war, sich durch seine Tapferkeit und Talente die Achtung der Armee erwarb und das Cincinnatus-Kreuz erhielt. Nach Beendigung des Kriegs kam er in sein Vaterland zurück, und lebte bis 1789 in der äussersten Zurückgezogenheit. In diesem Jahre ernannte ihn der Reichstag, der von 1788 - 91 einige vergebliche Versuche, den Einfluß der fremden Mächte auf Pohlen zu beschränken, machte, zum Generalmajor. Indessen hatte er damals (1791) ausser seinem militärischen Ruf, den er sich in Amerika erworben, keinen Einfluß, und diente selbst noch 1792 in untergeordneten Verhältnissen. Der junge Poniatowski wurde damals den russischen Truppen, welche gegen Pohlen anrückten, die Konstitution vom 3. May 1791 umzustürzen, entgegengestellt; unter diesem diente Kosciuszko als Divisionsgeneral, legte während des ganzen Feldzuges viel Talent und Tapferkeit an Tag, erwarb sich die Achtung der Offiziere und das Zutrauen des Soldaten, und erweckte endlich durch sein Benehmen bey Dubianka eine Art von Enthusiasm in der Armee. König Stanislaus aber, der sich bald den Vorschlägen Rußlands unterwarf, machte seinen Eifer wirkungslos. Er war einer von den 17 Offizieren, die nach unterzeichnetem Friedensvertrage ihren Abschied nahmen, und sah sich bald darauf genöthigt, sein Vaterland zu verlassen; dieses half sein Ansehen unter den Patrioten nach vermehren. Er war nach Leipzig und dann nach Italien gegangen, und sah aller Augen auf sich gerichtet. Auf die dringenden Aufforderungen der Warschauer Insurgenten, die entdeckt zu werden fürchteten, so wie hauptsächlich der Offiziere, die einer gänzlichen Auflösung ihres Korps mit Schrecken entgegen sahen, näherte er sich im Februar 1794 seinem Vaterlande wieder, drang, da Madalinski, aufgefordert sein Regiment zu entlassen, zuerst die Fahne des Aufruhrs erheben hatte, alsbald in die Woywodschaft Krakau ein, und kam in dieser Hauptstadt an, eben als die pohlnische Garnison die russischen Truppen daraus vertrieben hatte. Den 24. März faßten die Bürger von Krakau die Aufruhrsacte ab und unterzeichneten sie; Kosciuszko war darin zum Obersten Anführer der Nationalmacht ernannt und leitete die politischen und die Civil-Angelegenheiten. Seiner Rechtschaffenheit hatte man eine unbeschränkte Vollmacht überlassen, und Kosciuszko, dessen Mässigung bekannt war, täuschte das Zutrauen seiner Landsleute nicht, und machte sich nicht Eines Vorwurfs von Mißbrauch seiner Gewalt schuldig. Zehn Tage darauf, da er erfuhr, daß 12000 Russen eiligst gegen ihn vorrückten, verließ er Krakau an der spitze von 4000 Mann, von denen der größte Theil nichts als mit Sensen und Piken bewaffnet war, und lieferte den Russen die Schlacht von Praclarice. Das Gefecht dauerte 4 Stunden; die Russen wurden geschlagen und verloren 3000 Mann und 12 Kanonen. Ein Korps Bauern mit Sensen bemächtigte sich einer Batterie. Nach diesem Monat verging ein Monat, ehe er mit vieler Mühe die übrige Provinz in Aufstand bringen konnte; endlich hatte er seine Armee auf 9000 Mann gebracht, setzte sich den 5. May in Bewegung, erfuhr den 10. die Empörung in Warschau, (was er nicht eher hatte erfahren können, da die Russen die Kommunikation abgeschnitten hatten) und setzte es in wenig Tagen durch, den Feind gänzlich aus dieser Woywodschaft zu verjagen. Nachdem er noch einige Rekruten aus der Woywodschaft Sandomir gezogen hatte, erwartete er, zur Fortsetzung seiner Operationen, den General Grochowski, der mit einem Truppenkorps zu ihm stieß. Auf dieser Art sah er seine Armee bis zu 15,000 Mann stark heranwachsen, verfolgte die Russen, detachirte einige Korps nach Wolhinien und beschäftigte sich mit der Organisation einer Regierung zu Warschau. Auf das Gerücht von dem pohlnischen Aufstande rückte Friedrich Wilhelm II., an der Spitze von 40,000 Mann an, ihn zu unterdrücken; Kosciuszko, nur mit 12,000 Mann, deren Bewaffnung nicht einmal vollständig war, hatte die Kühnheit, jene 40,000 den 8. Juny bey Szezekociny anzugreifen, wurde aber, nach einem hartnäckigen Widerstande, und nachdem er 2 Pferde unter dem Leibe verloren hatte, geschlagen und mußte sich in das verschanzte Lager, welches Warschau deckte, zurückziehen.
SectieWarschau1794

Belagerung von Warschau.

Der König von Preußen hatte sich nunmehr mit den Russen vereinigt, und befehdete Warschau. Er wandte alle Mittel der Gewalt und List an, diese Stadt zu gewinnen. Er bedrohte die Einwohner mit einer gänzlichen Verwüstung, wenn sich Widerstand leisteten, und versprach den pohlnischen Offizieren denselben Grad in seiner Armee, wenn sie sich an ihn anschliessen wollten, aber alle schwuren, das Loos Kosciuszkos zu theilen, und mit ihm zu siegen oder zu sterben. Nach 2 Monaten blutiger immerwährender Gefechte und einem allgemeinen Sturm, wo die Standhaftigkeit der Insurgenten über die Tapferkeit der Russen und Preußen triumphirte, sah sich endlich der König von Preußen genöthigt, die Belagerung aufzuheben und sich nach Großpohlen zu wenden, wo eben ein furchtbarer Aufstand ausgebrochen war. Sogleich schickte Kosciuszko Verstärkungen dahin und nach Lithauen, und wollte sich selbst in Person in diese Provinz begeben; da er aber erfuhr, daß Sierakowski, der daselbst kommandirte, bey Brzesc von Suwarow geschlagen worden war, kehrte er nach Warschau zurück, um neue Verstärkungen zu detaschiren; und auf die Nachricht, daß der General Fersen dem General Suwarow eine neues zahlreiches Korps zuführe, verließ er den 29. September plötzlich Warschau wieder, entschlossen, gegen die Bitten einer grossen Anzahl seiner Freunde, eine Schlacht zu versuchen, um diese Vereinigung zu hindern. Allein Poninski, der den Uebergang über einen Fluß vertheidigen sollte, überließ ihn den Russen, anstatt seine Division, dem erhaltenen Befehle gemäß, mit der Armee zu vereinigen. Dieser Verstärkung beraubt, wurde Kosciuszko den 4. Oktober bey Maciejowice von dem Generale Fersen angegriffen. Ob die Russen gleich dreymal stärker als die Pohlen waren, so machten sich beyde Theile doch den ganzen Tag über mit der größten Erbitterung den Sieg streitig. Kosciuszko warf zweymal den Feind zurück, legte die Talente eines Generals und die persönliche Tapferkeit eines Soldaten an Tag, und hielt durch die Wunder seines Muthes die Wagschalen des Glücks lange unentschieden. Endlich fiel er unter seinen Wunden ohne Bewußtseyn in die Hände des Feindes. Die Kosaken wollten sein Leben enden, als sie durch die russischen Offizieren erfuhren, wer er wäre. Die Russen behandelten ihn mit Achtung und schickten ihn nach Petersburg, wo ihn die Kaiserinn, zu erzürnt, um großmüthig zu seyn, in ein Gefängniß in Verwahrung bringen ließ. Nach dem Tode dieser Fürstinn wurde er von Paul I. daraus entlassen und ging im May 1797 in die vereinigten Staaten, wo er auf eine ausgezeichnete Art von der Regierung und den Bürgern empfangen wurde. 1798 kam er nach Frankreich und erhielt eine nicht minder schmeichelhafte Aufnahme. Zu Bajonne wurden ihm die militärischen Ehrenbezeugungen zugestanden und zu Paris ehrten alle Partheyen den Vertheidiger Pohlens. Gegen Ende 1799 überreichten ihm seine Landsleute von der italienischen Armee den Säbel von Johann Sobieski, den sie zu Loretto gefunden hatten. Seitdem hat er Paris fortwährend seinen Aufenthaltsort seyn lassen.


Französische Miscellen.Bearbeiten

[1803]

Selten wohl genießt ein Sterblicher ein so schönes Loos als hier der General Kosciusko. Es ist ein Vergnügen, den berühmten tapfern General jetzt so einfach, so ruhig, mit dem blick der innigsten Zufriedenheit im Kreise seiner Freunde zu sehn. Er lebt größtentheils auf dem Lande, bey einer artigen interessanten Familie. Es muß sich recht schön auf Lorbeern ruhn, zumal wenn man sie, wie Kosciusko, nicht durch Blutdurst befleckt, sondern für die Sache der leidenden Menschheit errungen.

Lange zwar hat er mit sich gekämpft, eh diese innere Ruhe sich über sein ganzes Wesen ausgebreitet hat. Dies war zu der Zeit, als er über das Schicksal seines ihm so theuern Vaterlandes noch in Ungewißheit war. Sein ganzes Wesen hat sich seitdem geändert. Er, der ehedem, blaß, trübe, für keine der Freuden des Lebens, der Freundschaft empfänglich war, ist jetzt heiter, gesünder, stärker. Auch seine Dose mit dem gemalten zertrümmerten Schiffe im Gewitter und der Umschrift: Pauvre Patrie sieht man ihn nicht mehr tragen. Jedes Jahr wird von seinen zahlreichen Freunden und seinen hiesigen Landsleuten sein Geburtstag gefeyert. Im vorigen Jahre geschah dies in seinem Hause. Ein junger Franzose machte damals ein Gedicht, dessen Schluß ich hersetzen will:

Chez les vainqueurs, chez les vaincus ¹)
On l'aime, l'estime et l'admire
Partout où regnent les vertus
Son coeur retrouve so empire.

Dieses Jahr feyerte man den Geburtstag des großen Generals im Hameau de Chantilly. Das glänzende Mittagsmahl war von 100 Couverts. Unter den Gästen waren: der General Lafayette, Livingstone Commern, Minister der vereinten Staaten, der Senator Monge, der Staatsrath Berlier, der Konsul Spickwooth, Herr Joel Barlow mit seiner Frau.

Einer der Gäste verdient Erwähnung; es ist Herr C., seine Bescheidenheit würde darunter leiden, wenn ich seinen Namen ausschriebe, aber seine Freunde in Deutschland, Curland, in der Schweiz und Italien werden ihn leicht erkennen. Er ist Kosciusco's vertrauter Freund, ein großer Verehrer unsrer deutschen Dichterinn Elise von der Necke und ihrer fürstlichen Schwester. Er spricht von beyden mit der Wärme des Enthusiasmus und der Freundschaft. Sein feiner Schönheitssinn, sein glänzender Verstand machen seine Bekanntschaft sehr interessant. Seine Kenntnisse sind besonders durch seine viele Reise sehr ausgebreitet. Man hört ihn gern erzählen, denn so lieblich beschreiben spricht selten ein junger Mann von dem, was er weis.

¹) Man liebt, schätzt und bewundert ihn bey den Siegern wie bey den Ueberwundnen, überall wo die Tugend regiert, findet sein Herz Unterthanen.


Das Andenken zweyer ruhmgekrönter Feldherren ehrt Polens Volk.Bearbeiten

[1820].

Thaddäus Kosciusko, der einstigen Republik Polen letzter Oberfeldherr, einer der edelsten und berühmtesten Männer seines Zeitalters starb den 15ten October 1817 -- 60 Jahre alt -- zu Solothurn in der Schweiz, wohin er sich (1816) aus dem Weltgetümmel in die stilleste Einsamkeit zurückgezogen hatte.

Seine irdische Hülle wurde im Jahr 1818 laut Befehl und auf Kosten des Kaisers Alexander (durch den Fürsten Jablonowsky begleitet), von Solothurn nach Krakau transportirt, woselbst deren feyerliche Beysetzung, auf die Bitte des Senats letzterer Stadt, von dem edlen Monarchen erlaubt worden ist.

Die zur Ausführung des für Kosciusko bestimmten patriotischen Denkmals niedergesetzte Commission, sagte in einer zu freywilligen Beyträgen auffordernden Bekanntmachung:

"Kosciuskos Hügel muß auch das Gepräge der Zeit, der Weihe und des Volksgeistes tragen. Darum soll dessen Spitze ein Porphyrblock krönen, in den vaterländischen Felsen an der Weichsel gebrochen.

Der einzige Name Kosciusko darauf, soll den Sagen des Volks der Gegend, für ewige Zeiten zur Beglaubigung dienen."

Im November 1820 ward der Grundstein zu Kosciuskos Denkmal auf dem Hügel Bronislawa (bis dahin genannt) bey Krakau gelegt.

Mehr als 12,000 Menschen jedes Standes und Alters waren gegenwärtig. General Paskowsky hielt eine feyerliche Rede und der Senator Stanislaus Wodisky sammelte die üblichen Documente vermittelst eines irdenen Gefässes, welches sodann von einer zinnernen Kapsel umschlossen, in dem dazu bestimmten Gewölbe einer steinernen Urne vertraut wurde.

Hoher Aufschwung des Gefühls ergriff in diesem Augenblicke alle Anwesende, jeder drängte sich herbey, um eine Hand voll Erde auf die Urne des Helden zu streuen. In manches Auge traten Tränenperlen. Nationallieder erschallten von Instrumentalmusik begleitet -- -- Kosciuskos Polonaise, und Dombrowskys Marsch.

Nachts loderten helle Feuer auf allen benachbarten Hügeln.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Französische Miscellen Erster Band. Tübingen in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung 1803.
  • Gemälde aus der Wirklichkeit alter und neuerer Zeiten, nebst verschiedenen Gedichten und einigen besondern Denkwürdigkeiten, von C. V. Sommerlatt gesammelt und zur Beförderung eines wohlthätigen Zweckes (worauf die Hälfte reinen Ertrags verwendet wird), herausgegeben. Mit drey lythographirten Bildern. Constanz, gedruckt bey J. M. Bannhard. 1821.
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