Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Reval.[]

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Reval, Revel, russisch Kolywan, Hauptstadt des Russischen Gouvernements Ehstland, am Finnischen Meerbusen, ist mit einer hohen und starken Mauer umgeben, in welcher sich hin und wieder Thürme befinden. Nebst dem hat sie einen mit 9 Bastionen versehenen guten Wall, einen breiten Graben und einige Aussenwerke; ferner verschiedene Batterien, theils auf dem festen Lande gegen den Hafen zu, theils auf den umherliegenden Inseln, welche feindlichen Schiffen den Zugang gefährlich machen. In dem sehr guten Hafen von Reval wurde 1790 ein Theil der Russischen Flotte von der Schwedischen tapfer, aber mit Verlust, angegriffen. Dieser Ort bestehet aus der eigentlichen Stadt und der dazu gehörigen weitläufigen Vorstadt, und dem Domberg, (insgemein Duhm genannt,) und der zu diesem gehörigen, auch nicht ganz kleinen Vorstadt. Mit dem Domberge wird die Stadt durch die Festungswerke zu einem Ganzen vereinigt. Der Stadtrath besteht aus 2 Bürgermeistern und 6 Rathmännern. Ausser den Truppen der Krone findet man zu Reval auch 1 Compagnie Stadtsoldaten, die zugleich zum Gebrauch der Polizey dienen. Der größte Theil der Einwohner (deren Zahl 10,653 ohne den Adel und das Militär ausmacht,) besteht aus deutschen Kaufleuten und Professionisten; doch giebt es auch viele Russen, ingleichem einige Schweden, Finnen und Esthen. Man zählt daselbst 13 Kirchen, nämlich 6 griechische und 7 lutherische; unter diesen leztern ist eine für die Schweden und Finnen, und eine für die Esthnische Gemeinde bestimmt. Bey der Hauptkirche in der Stadt, zu St. Olai genannt, befindet sich eine Bibliothek, die verschiedene alte Urkunden aufbewahrt. Mit Lehranstalten ist Reval reichlich versehen. Es ist allda eine Ritter- oder Adelsschule, (die von Güterbesitzern durch jährl. Beyträge unterhalten wird,) ein kaiserl. Gymnasium, eine Trivialschule, eine Jungfernschule, eine esthnische und eine schwedische Schule, und über diese noch eine Garnisons- und eine Waisenhausschule. Andere gute Anstalten sind ein See- und ein Landhospital, 3 Armenhäuser, ein Zucht- und ein Spinnhaus. Auch sich hier verschiedene Wittwencassen und andere wohlthätige Stiftungen Die Stadt ist meistens mit unfruchtbarem Sand umgeben; doch fehlt es nicht ganz an Orten zur Belustigung. Einer der angenehmsten in der Nähe ist der kleine kaiserl. Palast zu Katharinenthal, nebst dem dabey befindlichen Garten, wo sich jedermann vergnügen kann. Die Handlung der Stadt ist im blühenden Zustande, weil man in den geräumigen Hafen mit jedem Winde einlaufen kann. Vor dem alten Hafen wird izt noch ein neuer Kriegshafen angelegt, welcher in Zukunft den grössern Theil der russischen Seemacht enthalten soll. Es kommen jährlich über 200 fremde Schiffe hier an; die Einfuhr übersteigt aber die Ausfuhr sehr beträchtlich. An eignen Fabriken finden sich, eine Leder- eine Spiegelbeleg-Fabrik, eine Stück- und Glockengieserey


Reval..[]

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Reval, eine russische befestigte Seestadt am finnischen Meerbusen, unter 59 Gr. 26 Min. 29 Sec. der Breite und 42 Gr. 25 Min. 30 Sec. der Länge, mit einem trefflichen Hafen für die Marine und Handlung; sie hat 1703 Häuser, 11,800 Einwohner, 7 griechische und 8 lutherische Kirchen, eine Ritterakademie und ein Gymnasium. Im Hafen liegt ein Theil der russischen Flotte. Die Fabriken für Stärke, Puder, Fayence, Spiegel, Nadeln und Strümpfe sind ansehnlich. Der Handel mit Getreide, Hanf, Flachs, Branntwein, Bretern und Leder ist sehr beträchtlich; sie ist der Hauptort des Herzogthums Esthland, oder der 1783 eröffneten revalschen Statthalterschaft.


Zeitungsnachrichten.[]

[1806]

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Rußland.

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[Tallinna alumine tuletorn]

Der zweyte wird in der Stadt Reval bey den Matrosen-Casernen auf einem Berge erbauet, und so eingerichtet, daß das Feuer aus der auf demselben befindlichen waggerechten Röhre, welches durch die Reverberes zurückgeworfen wird, nicht anders gesehen werden kann, als wenn man, von Osten nach der Revalschen Rhede steuernd, den Leuchtthurm auf der Insel Wulf passirt ist, und Alai-Torn unter 5 1∫2° kommt; alsdann segelt man nach der Rhede, indem man gerade auf das Feuer zu steuert. Steuert man länger gegen Westen, so verbirgt sich das Feuer, sobald man sich den Leuchtthürmen auf der Insel Nargen nähert. Man kann deswegen sogar bey widrigem Winde des Nachts nach der Rhede segeln, indem man zwischen den Sandbänken den Leuchtthurm beständig in Augen habend, lavirt, und das Schiff gleich wendet, sobald man das Feuer auf demselben aus den Augen verliert. -- Auf beyden Leuchtthürmen wird vom 20. Sept. d. J. an Feuer unterhalten werden. --


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  3. Wiener Zeitung. Nro. 69. Mittewoche, den 27. August 1806.
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