Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Thorn, an der Weichsel, im culmer Districte; jetzt wieder unter preußischer Hoheit; eine alte Stadt mit 1070 Häusern, und gegen 9000 Einwohnern, größtentheils lutherischer Religion. Das dasige lutherische Gymnasium stand immer in gutem Rufe. Der berühmte Mathematiker Copernicus (s. d. Art.) wurde im Jahr 1472 hier geboren. Die Stadt treibt einen starken Getraide- und Holzhandel, und ihre Pfefferkuchen sind hinlänglich bekannt. Im Jahr 1724 erregte ein tragischer Vorfall zu Thorn eine große Sensation. Geringe Streitigkeiten, welche die dasigen Jesuiterschüler mit Schülern des lutherischen Gymnasiums bei Gelegenheit einer Prozession anfingen, verursachten größere Unruhen unter den Einwohnern, wobei der lutherische Pöbel sich verschiedne Ausschweifungen erlaubte, die von der polnischen Regierung nach einem ganz ungesetzmäßigen Verfahren mit der größten Härte bestraft wurden. Der Präsident des Magistrats, Rösner, dem nichts als Saumseligkeit, den Tumult zu stillen, Schuld gegeben werden konnte, wurde nebst verschiedenen Rathspersonen und Bürgern hingerichtet. Zugleich wurden der Stadt viele ihrer Religions- und bürgerlichen Freiheiten entrissen. Die Garants des olivaischen Frieden, besonders der König von Preußen, verwendeten zwar ihre Vermittelung zum Besten der äußerst bedrückten Stadt, aber wichtigere Vorfälle, die gerade zu eben der Zeit sich im Norden ereigneten, waren Ursache, daß Thorn seinem Schicksal überlassen blieb.


Quellen und Literatur.[]

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
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