Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Tirailleurs sind Infanteristen, die nicht in geschlossenen Haufen, sondern zerstreut fechten.

Ihr Name zeigt schon, daß sie viel schießen. Schon in der Schlacht bei Pavia (1525) finden wir bei den Spaniern Haakenschützen und Musquetiers, die vor die Linie bald zerstreut, bald in kleinen Haufen fechtend durch ihr Feuer der französischen Cavallerie sehr lästig wurden.

Die Croaten der Oesterreicher sind in den drei schlesischen Kriegen immer als Tirailleurs gebraucht worden; nur ist zu bemerken, daß diese Tirailleurs gewöhnlich sehr gut schossen und deshalb zugleich den Dienst der Scharfschützen oder Jäger mit versahen.

Im Revolutionskriege ward die Zahl der Tirailleurs von den Franzosen eben so sehr vermehrt, als ihr Gebrauch geändert; ihre neuen Soldaten konnten in der kurzen Uebungszeit nicht die Manövrierfähigkeit erhalten, die zu der damaligen Tactik ihrer Gegner - den langen zusammenhängenden Linien - nöthig war, sie kamen also sehr zeitig auf die Colonnen, wodurch jene Mängel größtentheils beseitigt wurden, und schickten diesen, theils um die Gewalt des ersten feindlichen Anfalls zu brechen (vielleicht auch um einen den Linien der Gegner angemessen Raum einzunehmen), theils um jenen ihre eigentlichen Bewegungen, so wie die etwa entstehenden Unordnungen zu verbergen, große Schwärme zerstreuter Infanterie voran, welche knackerten.

Eine lange Kriegspraxis bildete diesen ersten einfachen Gebrauch immer mehr aus, und jetzt sind die Tirailleurs ganz unentbehrlich. Sie leisten beim Angriff wie bei der Vertheidigung die wesentlichsten Dienste, und gewöhnlich besteht ein beträchtlicher Theil unserer Schlachten aus Tirailleurgefechten. Da sie auch jetzt - wo die damaligen Ursachen ihres Gebrauchs zum Theil weggefallen sind - angewendet werden, um den Feind von der eigentlichen Stellung der Colonnen ab- und überhaupt hinzuhalten, und Terrain-Abschnitte zu vertheidigen, in welcher man keine geschlossenen Waffen aufstellen kann, so ist natürlich das Charakteristische ihres Gebrauchs: zerstreutes Gefecht mit bester Benutzung des Terrains von jedem Einzelnen, und Verzögerung der entscheidenden Schläge, die Bedingung des guten Schießens aber nur untergeordnet; denn wie wünschenswerth es auch sey, so ist doch die scherzhafte Erklärung; tirailliren heiße viel und schlecht schießen, in ihrer Einseitigkeit nicht ohne Grund. Hier liegt der Unterschied von den Scharfschützen, mit denen man die Tirailleurs oft verwechselt. Daß übrigens dieser erweiterte und veränderte Gebrauch der Tirailleurs, in Verbindung mit den Colonnen, die ganze Taktik geändert, und damit den entschiedensten Einfluß auf die Kriegsführung im Allgemeinen gehabt habe, liegt zu Tage.


Quellen und Literatur.[]

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
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