Miranda erobert Antwerpen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der neun und zwanzigste November 1792.

Francisco de Miranda, zu Carracas in Spanien gebohren, diente als eifriger Freund der Freyheit unter der französischen Armee im Krieg der nordamerikanischen Kolonien gegen England mit Ruhm, gieng nach dem Frieden mit seinen neuen Freunden, einigen französischen Officieren, denen er seine militärische Bildung dankte, nach Frankreich und dann machte er große Reisen. Er war eben zu Neu-York, als dahin die Nachricht vom Ausbruch der französischen Revolution kam, schiffte sich ein, kam im Spätjahr 1789 zu Rouen an und gieng von da nach Paris. Unter Dumourietz trat er zuerst in Champagne auf, dem er dann als General der Nordarmee nach Belgien folgte. Indessen der Obergeneral nach einem sechsstündigen Gefecht bey '''Anderlech''' am 14ten November in Brüssel einzog, dann sich zum Meister von Mecheln, Löwen, Lüttich und Aachen machte, befehligte Miranda einen Heerhaufen, der gegen Flandern zog. Er bemächtigte sich der Städte Dornich, Gent und Brügge, endlich am heutigen Tag nahm er auch Antwerpen. Die Folge dieser letztern Eroberung ist sehr bedeutend. Antwerpen liegt an der Mündung der Schelde und war einst sowohl wegen ihres Hafens, als ihrer Handlung noch berühmter, als selbst Amsterdam. Als die sieben vereinigten Provinzen der Niederlande sich in dem Frieden von Münster für frey erklärt und die spanische Oberherrschaft abgeworfen hatten, bedungen sie sich nebst mehrern Handelsvortheilen auch besonders aus, das künftig keine Kauffahrtey- oder andere große Schiffe mehr in dem Hafen von Antwerpen einlaufen sollten. Dies nannten sie das Recht des Schelde-Schlusses und übten es bis jetzt aus. Aber kaum war Antwerpen in französische Gewalt gekommen, so öfneten die Sieger die seit 144 Jahren geschlossen gewesene Schelde und segelten mit fünf Fahrzeugen unter allgemeinem Jubelruf auf diese Stadt zu.


Quellen und Literatur.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neues historisches Handbuch auf alle Tage im Jahr mit besonderer Rücksicht auf die Ereignisse der neuesten Zeiten von Wagenseil Königl. baier. Kreißrath. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung.
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