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Treffen am Senio.Bearbeiten

Der zweyte Februar 1797.

Gegen die Abtretung von Avignon und Venaissin und der beiden Legationen Bologna und Ferrara an die Franzosen würde der Pabst sein ganzes übrige Gebiet gerettet haben; allein er wollte dies nicht nur nicht, sondern stund überdies mit dem Wienerhof in solchen Unterhandlungen, die auf eine förmliche Theilnahme am Krieg schliessen ließen. Bonaparte beschloß also, denselben auf die Staaten des Pabstes zu wälzen, rückte in den Kirchenstaat ein, und erließ aus seinem Hauptquartier an das Volk im Kirchenstaat eine Proklamation, die die heftigsten Drohungen enthielt, woferne man sich seiner Armee im geringsten widersetzen würde. Den Feldzug gegen Rom eröffnete er mit der Division des Generals Victor, deren Vortrab die lombardische Legion unter dem Brigaden-Chef La Hoze bildete. Am ersten Februar hielt dies kleine Heer zu Imola Nachtquartier, zwischen welcher Stadt und Faenza sich der Senio hinzieht. Hinter diesem Fluß stund das päbstliche Heer, aus 3 bis 400 Mann Infanterie und einem Korps Kavallerie bestehend. Mönche mit dem Kruzifix in der Hand sprachen den Soldaten Muth ein; allein er sank gewaltig, als am heutigen Tag die Franzosen den eben jetzt etwas seichten Senio durchwadeten, als sie kaum drüben waren, den Angriff begannen und in einem Augenblick entschieden. Die lombardischen Grenadiere kamen hier zum erstenmal ins Feuer, aber sie fochten wie alte, erfahrene Soldaten. Die Batterien des päbstlichen Korps wurden mit dem Bajonet weggenommen, tausend Mann gefangen, vier bis fünfhundert getödtet, 8 Fahnen, 14 Kanonen und 8 Pulverwagen erobert. Die französischen Husaren verfolgten die päbstliche Reuterey, die in stürmender Eile nach Ancona floh. Sogleich rückten die Sieger nach Faenza vor, wo sie die Thore verschlossen fanden und die Sturmglocken brummen hörten. Etliche Kanonenschüsse zerschmetterten jedoch die Thore und die Einwohner mußten zufrieden seyn, daß Bonaparte den Inhalt seiner Proklamation vergas und die Stadt nicht, wie er für solche Fälle gedroht hatte, verbrennen ließ. Er sagte, er wolle sie nicht für das Verbrechen etlicher fanatischer Priester strafen.

Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Neues historisches Handbuch auf alle Tage im Jahr mit besonderer Rücksicht auf die Ereignisse der neuesten Zeiten von Wagenseil Königl. baier. Kreißrath. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung.
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