Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Jourdan fordert die kaiserliche Armee zum Rückzuge auf.[]

Den 17. März 1799.

Kaum waren die feyerlichsten Verträge zwischen dem Kaiser und Frankreich geschlossen, als Letzteres das friedfertige Schweizervolk unterjochte, mitten im Waffenstillstande die Festung Ehrenbreitstein blokirte, und die Contributionen am rechten Rheinufer fortsetzte. Bereits hatten die Franzosen so gar die Feindseligkeiten in der Schweiz angefangen, und Jourdan war bis in das Herz von Schwaben vorgedrungen, und dennoch erklärten ihre Commandanten, daß dieß nur in der Absicht geschehe, militärische Stellungen zu nehmen. Die Armee des Erzherzogs Carl war von der französischen nur noch durch das Thal von Ostrach und dem kleinen Fluß dieses Nahmens getrennt. Jetzt schickte Jourdan dem Erzherzoge eine Art von Aufforderung zum Rückzuge zu. "Er erkläre, daß er gegen die österreichischen Posten, die sich weigern würden, die Positionen zu räumen, welche er, zufolge des von seiner Regierung erhaltenen Befehls, besetzen solle, sich der Gewalt der Waffen bedienen werde." Ein Schreiben wie dieses, sagte der Erzherzog, kann und darf nur mit Kanonen beantwortet werden. Er beschloß die fränkische Armee sogleich mit Anbruch des folgenden Tages anzugreifen. Am 21sten März griffen sämmtliche österreichische Avantgarden die fränkischen an; die Franzosen wurden mit großem Verlust von der Ostrach zurückgedrängt, und mußten eine andere Stellung bey Stokach nehmen, um auch diese bald wieder zu verlassen.


Treffen bey Ostrach.[]

Der ein und zwanzigste März 1799.

Der [[Jean-Baptiste Jourdan|General Joudan erhielt am 17. März die Kriegserklärung gegen den König von Ungarn und Böhmen und zugleich eine förmliche Aufforderung des Direktoriums: die Oesterreicher augenblicklich anzugreifen, ohne sich daran zu kehren, daß noch keine Observations-Armee vorhanden sey. Er hatte seine Stellung, nachdem er aus den Engpässen des Schwarzwaldes hervorgerückt war, bey Engen, Stockach und Pfullendorf genommen, richtete seine Bewegungen hauptsächlich gegen die Donau und suchte die Oesterreicher vom Bodensee zu entfernen. Dieses Vorrücken der Franzosen bestimmte den Erzherzog Karl ebenfalls, voran zu gehen. Er brach am 17. März mit seinem Hauptquartier von Mindelheim nach Memmingen auf und war am 20. auf den Anhöhen von Renartsweiler und Altschhausen nur durch das Thal von Ostrach und den kleinen Fluß dieses Namens von dem Feind getrennt. Jourdan forderte den Erzherzog schriftlich zum Rückzug auf, wogegen dieser erklärte: eine solche Aufforderung könne und dürfe nur durch Kanonen beantwortet werden. Jourdan grief an und drängte die Oesterreicher zurück, aber am 21. März mit Tages-Anbruch lies der Erzherzog die Franzosen angreifen. Durch Wegnahme einer waldigten Anhöhe zwischen Davidsweiler und Ostrach war die österreichische Kavallerie im Stande, auf der Ebene vorwärts Ostrach aufzumarschiren und die Franzosen über den Fluß zu drängen. General Kempf grief das Dorf Ostrach an, nahm es ohngeachtet des stärksten Widerstandes ein und erstürmte die Anhöhen selbst, mitten unter dem feindlichen Kartätschen- und kleinen Gewehrfeuer. Jourdan sah bald die Unmöglichkeit, da sein linker Flügel bereits umgangen war, sich zu halten, und zog sich deßhalb auf die Höhen von Pfullendorf und von da in der Nacht vom 21. zum 22. März nach Stockach zurück. Beyde Theile mußten gestehen, daß das Treffen bey Ostrach für sie sehr blutig gewesen sey. Die Oesterreicher gaben ihren Verlust an Todten und Verwundeten auf 2160 und den der Franzosen auf 5000 Mann an, auch verloren die letztern drey Kanonen. Jourdan schob seinen Unfall auf Rechnung der durch einen desertirten Sergeanten verrathenen Parole und einen Nebel, der so stark gewesen sey, daß man nicht auf vier Schritte weit habe vor sich sehen können; ausserdem aber glaubte er, wenn nicht gesiegt -- das wäre selbst bey aller französischen Effronterie doch gar zu unverschämt gewesen -- doch dem Feind großen Abbruch gethan und ihn tüchtig geworfen zu haben.


Das Treffen bei Ostrach.[]

Der 21. März 1799.

Nach Jourdans Vorrücken über den Rhein wurde der Feldzug des Jahres 1799 in Deutschland von der österreichischen Hauptarmee unter dem Oberbefehl des Erzherzogs Karl mit dem siegreichen Treffen am 21. März 1799 eröffnet.

Jourdans falsche Massregeln bei Anbeginn des Feldzugs verdienen gerechte Rüge. Die Wahl der Punkte, an welchen er über den Rhein ging, war fehlerhaft; eben so das zu späte Beginn seiner Operationen. Uiberdiess schwächte er sich durch die frühzeitige Entsendung der Truppen unter Ferino und Vandamme. Das Aufstellen seiner Reserven vor und hinter Pfullendorf beim Vorrücken an die Ostrach war zwecklos. Sie sollten hinter der Ostrach halten, und St. Cyrs Division, die auf anderen minder wichtigen Punkten beschäftigt war, in die Hauptstellung gezogen werden.

Der kaiserliche Prinz beschloss mit dem Feind am 21. zu schlagen. Der Hauptangriff sollte dem Mittelpunkt gelten. Er liess sein Heer in 3 Colonnen (die rechte unter F. M. L. Fürstenberg, die mittlere unter dem Erzherzog selbst, die linke unter F. Z. M. Wallis) in der Nacht zum 21. so nahe als möglich an den Feind rücken. Mit Tages-Anbruch griffen die Avantgarden dieser Armee-Abtheilungen, geführt von den Generälen Meerfeld, Nauendorf, Gyulay, Kienmayer und Schwarzenberg den Feind an. Jourdans Truppen, begünstigt durch die sehr vortheilhafte Stellung auf den Anhöhen hinter Ostrach, welche das rechte Ufer beherrschend in ihrer ganzen Ausdehnung durch des Flusses Moräste unzugänglich, und mit zahlreichen Geschütze versehen waren, strengten vergeblich alle Kräfte an, um sich da zu behaupten. Sie wurden ungeachtet der hartnäckigsten Widerstandes, der am heftigsten beim Dorfe Ostrach war, geworfen, und mit grossem Verlust auf Pfullendorf zurückgedrängt. Dort nahmen sie eine neue, ebenfalls sehr vortheilhafte Aufstellung, von vorne und von der linken Seite beinahe unangreifbar. der Herzog gab deshalb der 2. und 3. Colonne die Richtung auf der Franzosen rechten Flügel, und liess die Armee bei Einbruch der Nacht um Kalkreuth lagern, mit der Absicht, den Kampf am folgenden Tage zu erneuern. Doch Jourdan fand nicht sehr gut, ihn abzuwarten, und nahm in der Nacht seinen Rückzug auf Stockach.

Durch die Folgen dieses Kampfes, in welchem der Erzherzog die Missgriffe seines Gegners mit Kennerblick auffasste und weise benützte, erhielt Jourdan die volle Uiberzeugung von seines Gegners hoher Uiberlegenheit in strategisch-taktischen Anordnungen und von der Unmöglichkeit, auf dem eingeschlagenen Wege die vom Directorium vorgeschriebene Aufgabe (durch sein Vorrücken die Operazionen der französischen Armee in der Schweiz zu decken, und sich mit ihr zu vereinen) zu lösen.

In diesem Treffen war der Verlust der Franzosen 5000 Mann, 3 Canonen; der Oesterreicher 2160 Mann.


Quellen und Literatur.[]

  • Denkwürdigkeiten aus der Geschichte der österreichischen Monarchie. Auf jedem Tag des Jahrs gesammelt. Von G. A. Griesinger. Wien. Bey J. V. Degen, Buchdrucker und Buchhändler. 1804.
  • Neues historisches Handbuch auf alle Tage im Jahr mit besonderer Rücksicht auf die Ereignisse der neuesten Zeiten von Wagenseil Königl. baier. Kreißrath. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung.
  • Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.
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