Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Triest.[]

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Triest, ital. Trieste, slav. Trst, berühmte Handelsstadt, mit einem Freyhafen, ehemals im österreichischen Litorale, an dem von ihr benannten Busen des adriatischen Meeres, sie war der Sitz eines Bißthums, das 1788 nach Gradisca verlegt worden ist. Man zählte im Jahr 1801. 14660 Einwohner in der Stadt, darunter sich 1245 Juden befanden. Das kleine aus 10 gut gebauten und bevölkerten Dörfern bestehende Gebieth enthielt nicht völlig 13000 Seelen. Bey der Französischen Zählung im Jahr 1810 sollen sich aber in 1406 Häusern 29908 Einwohner gefunden haben. Darunter sind 48 Armenier, die mit der kathol. Kirche vereinigt sind, und ein eigenes Seminarium zum Unterricht junger Leute aus ihrer Nation in den abendländischen Sprachen und der Theologie haben, 739 Griechen, die sich nicht zur kathol. Kirche halten, 145 Lutheraner, 189 Reformirte und 1026 Juden. Die Stadt wird in die Alt- und Neustadt eingetheilt. Die erstere ist kleiner, und liegt an einem Hügel, auf dessen Spitze sich das Schloß befindet. Die Neustadt aber ist schön und regelmäsig; ein Kanal durchschneidet sie in der Mitte; sie hatte auch den Namen Theresienstadt. Bey der immer wachsenden Menschenzahl machte man Anstalten zu einer neuen Anlage, welche Franzensstadt heißen sollte. Im Jahr 1750 machte man den Anfang, hier einen Hafen anzulegen, da Triest vorher eigentlich nur eine Rhede hatte. Er wird durch den Molo S. Carlo, aber nicht hinlänglich gegen alle Winde gedeckt; vorzüglich aber schadet zuweilen die Borra, oder ein heftiger Nordostwind, den in dem Hafen liegenden Schiffen. Gegen Angriffe auf den Hafen dient eine Baterie von 30 schweren Kanonen. In der Nähe ist das eine der zwey großen Lazarethe: in diesem Lazareto sporco genannt ist die Quarantaine für Schiffe, die aus wegen ansteckenden Krankheiten verdächtigen Orten kommen. Die Fabriken und die Handlung sind wichtig. Man findet hier die größte Zuckersiederey in ganz Oberdeutschland, 2 Wachsbleichen, Oel- Seifen- Porcellan- Steingut- Weinstein- Leder- Farben- Sammet- Seiden- und Zwirnfabriken, Seidenmühlen, eine Potaschsiederey, und mehrere Rosoliobrennereyen. Es werden auch sehr viele Sardanen, Sardellen, Thunfische, Eschen xc. hier gesalzen und versendet. Die hier verfertigten Konfituren machen einen wichtigen Artikel für den Handel. Der beträchtlichste Handelszweig indessen ist der Speditionshandel. Der unmittelbare Handel nach Ostindien und China, den man versuchte, ist wieder aufgegeben worden. Auch hat der Landhandel, ungeachtet der Landstrassen, die über Laibach und Görz angelegt worden, noch seine Hindernisse. Die Zahl der jährlich einlaufenden Schiffe berechnet man im Durchschnitt auf 5 - 6000, und den Betrag der ein- und ausgeführten Waaren im Durchschnitt auf 14000000 Kaisergulden. Eigne Schiffe hatte die Stadt im J. 1804. 216. Das kleine 8 ge. QM. betragende Gebieth besteht aus 12 Dörfern und einigen zerstreuten Gütern und Höfen. Es hat zu Cervola wichtige Salinen und mit der Stadt 27400 Seelen. Im Jahr 1804 hat sich das Gebieth von Trieste ansehnlich erweitert, indem das ganze nachmals Venetianische Istrien dem Gouvernem. von Trieste beygefügt worden ist. Aber dieser Strich Landes wurde am Ende des Jahres 1805 an das Königreich Italien abgetreten; und die Stadt selbst litte bey dem kurzen Krieg sehr durch die von den Franzosen aufgelegte Kontributionen xc. Das nemliche Schicksal traf Trieste im Jahr 1809, wo es die Franzosen besetzten und durch den Wiener Frieden, nebst dem Gebiethe dem Königreich Italien einverleibten. Es ist jezt der Hauptort der ersten militärischen Division der Illyrischen Provinzen, auch einer Artillerie- und Ingenieur-Direktion.


Zeitungsnachrichten.[]

[1806]

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Grätz, 24 April.

Die Russen blokiren bekanntlich die sämmtlichen von den Franzosen in Italien besetzten Häfen; dadurch kommen nicht nur diese Häfen, sondern auch Triest in die größte Verlegenheit. Die Assecuranz ist dort von 2 auf 6 Prozent gestiegen. Die Versendungen geschehen nicht mehr nach Ancona sondern nach Sinigaglia, weil letzterer Hafen von den Franzosen noch nicht besetzt ist.

[3]
Triest, 18. April.

Gestern kam ein russ. Linienschiff von 74 Kanonen hier an; es begleitete mehrere Kauffahrteischiffe und brachte auch einige Prisen mit sich, unter welchen sich eine bewaffnete Tartana befand; es ankerte in einer kleinen Entfernung unsers Hafens. Bei Capo d'Istria sind einige franz. Kanonier-Barken hervorgekommen, haben auf die Kauffahrteischiffe geschossen, und waren bemüht einige von ihnen abzuschneiden, als das Kriegsschiff etwas seitwärts war, dieses machte aber eine schnelle Wendung nach der Küste hinüber und die Franzosen verschwanden. -- Curzola, eine Insel mit einem Städtchen in Dalmatien, sollen die Russen nach vorgeblicher Aufforderung bombardirt, und sodann in Besitz genommen haben, die aus hundert Mann bestandene franz. Besatzung flüchtete sich auf die nahen Berge. -- Wir erwarten hier noch mehrere russ. Kriegsschiffe.


[1812]

Triest, den 22sten März. [4]

Auf der Nachricht, daß Triest die Freyheit des Transitohandels erhalten, haben sich die hiesigen Einwohner und das Kommercium der lebhaftesten Freude überlassen; drey Tage hindurch war die Stadt illuminirt; es ertönte überall der Ausruf: Es lebe der Kaiser! und man hat diese glückliche Begebenheit durch eine Kantate gefeyert. Die Börse hat beschlossen, dem Kaiser eine Statüe zu errichten, und der Herr Generalgouverneur hat es übernommen, Sr. Majestät den Wunsch der Stadt Triest vorzulegen.


Triest, den 1sten Juny. [5]

Im Aprilmonat sind zu Triest 183 Schiffe eingelaufen, worunter 113 illyrische, 6 italienische, und 9 neapolitanische waren. Ausgelaufen sind hingegen 91 Schiffe.


Aus Italien, vom 8ten September. [6]

Die Erschütterung, welche das Auffliegen der französischen Fregatte Duca (nach einigen Damas) zu Triest neulich verursachte, drückte in den am Meere nahe gelegenen Häusern und Magazinen die Thüren ein. Das neue Theater, das große Wirthshaus und der Pallast des Gouverneurs haben sehr gelitten; in Opschina auf dem Berge hatte es die Bilder in der Kirche heruntergeworfen. Das größte Glück war, daß die Pulverkammer gegen die hohe See hinaus gerichtet war, folglich das meiste Gehölz, Kanonen, Menschen, Kugeln, Granaten xc. nach dieser Richtung hin warf; und daß eine Barke mit 70 Fässern Pulver, die Abends anlangte, und für die [[Fregatte] bestimmt war, selbige nicht am nämlichen Tage ausgeladen hatte, sonst wäre ganz Triest in einen Schutthaufen verwandelt worden. Wie das Feuer in die Pulverkammer gerathen, ist noch nicht bekannt; der Kommandant war eine halbe Stunde zuvor noch am Lande beym Nachtmahl, und kaum hatte er den Fuß ins Zimmer gesetzt, so ging es los, daher nur ein einziger Matrose, der den Kommandanten hinabfuhr, und welcher der Letzte war, das kleine Boot anzuhängen, davon kam; während er die Strickleiter hinauf wollte, ging es los, er stürzte herab ins Wasser, und rettete sich durch Schwimmen in die nächste Galeere.


Von Reisende.[]

Zwei Neufranken. [7]

[1792]

Zu Adelsberg kann man den Weg nach Fiume nehmen; wo aber nichts zu sehen, als eine beträchtliche Zukerraffnerie, mit vier und zwanzig Kesseln, welche jährlich 30,000 Centner Zuker in die österreichischen Staaten liefert. Die zwei lezten Posten von Triest sind öde und unbekannt; die Felder liegen voller Steine und Felsstüke; kurz vor Triest kömmt man auf eine Anhöhe, von der man die See und die Stadt gerade unter sich entdekt.

Die Stadt Triest, welche gegen 20,000 Einwohner enthält, hat ihr Emporkommen der Kaiserin Maria Theresia, vorzüglich aber ihrem Sohn Joseph zu danken; denn unter der Regierung des leztern wurden die größten Fabrikgebäude und die schönsten Häuser erbaut. Die alte Stadt ist übrigens häßlich, bergig, eng, und zum Fahren sehr unbequem.

Die neue Stadt ist schön, mit breiten, geraden Straßen, und neuen Gebäuden versehen, und mit den flachen Steinen von Istria gepflastert, welche zum Gehen bequem, und von dem Regen nicht verdorben werden; wenn sie etwas besser und regelmäßiger gesezt wären, so würde dies Pflaster noch den Vorzug vor den Neapolitanischen erhalten.

Triest liegt in einem Halbzirkel an der See, am Fuß eines steilen, kahlen Bergs, wodurch die ersten Bedürfnisse vertheuert werden, die man etwas weit herbeischaffen muß. Der Handel dieser Stadt ist sehr beträchtlich; aus der Levante kommen jährlich zweihundert Schiffe hier an; aus Frankreich funfzig bis sechzig, größtentheils von Marseille, welche Zuker, Kaffee und dergleichen bringen. Mit Italien selbst wird starker Handel getrieben, aber die Triester Schiffe gehen selten bis nach der Ostsee oder den Inseln.

Während des Kriegs von 1778 fuhren sie stark nach Hamburg, aber nicht weiter hinaus; nach Marseille schiken sie jährlich über zwanzig Schiffe Getraide, das sie aus Ungarn und Dalmatien ziehen; der Hafen ist beim Ein- und Auslaufen ganz frei, und die Zollhäuser liegen außer der Stadt.

Es sind Assekuranzkompagnien hier, und die gewöhnliche Taxe ist anderthalb bis zwei Procent nach der Levante; zwei nach Marseille, vier bis fünf nach Hamburg; sonderbar ist es, daß keine Börse für die Kaufleute vorhanden ist, so daß sie gezwungen sind die Geschäfte zu Hause abzuwarten, und immer daselbst bleiben, wenn sie nichts versäumen wollen. Das Einladen der Schiffe wird durch einen Kanal von mehr als 200 Ruthen lang, sehr erleichtert. Triest wechselt direkte nur mit Wien und Venedig, und mit lezterer Stadt Dukaten gegen Zechinen. Es sind wenig sehr reiche Kaufleute hier, daher auch wenig große Unternehmungen gemacht werden; allein der Handel ist erst noch im Entstehen, und bis jezt wird mehr ein, als ausgeführt.

Große Fabriken sind keine vorhanden, wohl aber mehrere kleinere, vorzüglich von Rosolis, wovon die Flasche 17 bis 40 Kreuzer kostet. Ferner eine Fayancefabrik, und eine Zukersiederei mit zwölf Kesseln, welche zehntausend Centner verarbeitet, sie war aber im Jahr 1792 wegen der Theurung des Zukers geschlossen. Viele Seifensiedereien, aber keine beträchtlich; sie verarbeiten jährlich 30 bis 35,000 Millerollen Oel (die Millerolle zu 60 Töpfe gerechnet) welche aus dem Neapolitanischen kommen; was im Lande nicht verbraucht wird, geht nach der Lombardie. Die Fischerei ist so unbeträchtlich, daß sie nicht einmal für das Land selbst hinreicht.

Der Eingang des Hafens ist mit zwei Batterien versehen, die ihn aber höchstens gegen Kaperschiffe schüzen können. Am beiden Enden der Stadt liegen zwei Lazarethe; das alte wird nur gebraucht, wenn das neue zu voll ist, welches leztere vor ohngefähr fünf und zwanzig Jahren von Maria Theresia erbaut worden. Man muß eine Erlaubniß haben, um es zu besehen. Die Reisenden welche Quarantaine halten, zahlen täglich 51 Kreuzer, wenn sie ein Bruttopatent haben; haben sie aber ein Nettopatent, so zahlen sie nur 17 Kreuzer und beköstigen sich; es sind zwei und dreißig Zimmer für sie bestimmt. Von dem Molo hat man eine sehr schöne Aussicht; der Bau desselben ist sehr schön, soll aber ungeheure Summen gekostet haben.

Es ist hier ein stehendes Theater, und wir sahen im Jahr 1792 den Tod der Kleopatra eine ernsthafte Oper, Musik von Nasolini ziemlich gut aufführen; die Sängerin Marchetti, und der Soprano Crescentini zeichneten sich vorzüglich aus. Der Preis der Plätze ist 36 Kreuzer oder drei venezianische Lire, für das Parquet, wenn man sizen will. Aber man ist hier nicht zum Besten, weil es der einzige Plaz ist, wo bezahlt wird, und sich folglich alle Klassen des Volks da zusammendrängen; überdies kann jeder stehen bleiben wenn es ihm beliebt, und seinen Huth aufbehalten. Man kann jedoch nirgends anders hinkommen, wenn man nicht Bekanntschaft in den Logen hat, davon mehr als achtzig in vier Rang vertheilt, aber auch sämmtlich abonnirt sind. Der Saal ist klein, aber artig eingerichtet.

Man spricht zu Triest weit mehr italiänisch als deutsch, und rechnet nach Livres, welche ohngefähr den venezianischen gleich sind; den sie gelten 11½ Kreuzer, und die venezianischen 12 Kreuzer. Man sieht auch viele venezianische Sols, deren fünfe drei Kreuzer machen. Alle Wiener Münzsorten gelten auch hier, selbst die Brabantischen und die 17 Kreuzerstüke sieht man sehr häufig.

Der beste Gasthof ist die Ostocia grande auf dem Markt; man ist für einen Gulden täglich gut logirt, und obgleich alle Lebensmittel theuer sind, so kostet der Tisch doch nur 40 Kreuzer.

Im Sommer ist diese Stadt unangenehm zu bewohnen, und die Hitze ist unerträglich, weil sie mit Bergen umgeben, in einem Kessel liegt; Die Winde wehen hier zuweilen so heftig, daß man sich in den Straßen wo er ganz freien Zug hat, nicht auf den Beinen erhalten kann.

Die Garnison besteht in Friedenszeiten aus zwei Bataillons Infanterie, und einen Detaschement Artillerie; in Kriegszeiten wird sie sehr verstärkt.

Von Triest nach Venedig zahlt die Person einen Dukaten; nimmt man aber einen eigene Galiotte, so zahlt man acht bis zehn Dukaten dafür, und kömmt mit einem guten Wind binnen vier und zwanzig Stunden an.


Von Reisende..[]

Johann Gottfried Seume. [8]

[1802]

Der erste Anblick der Stadt Triest von oben herab ist überraschend, der Weg herunter ist angenehm genug, der Aufenthalt auf einige Zeit muss viel Vergnügen gewähren; aber in die Länge möchte ich nicht hier wohnen. Die Lage des Orts ist bekannt, und fängt nun an ein Amphitheater am Meerbusen zu bilden. Die Berge sind zu hoch und zu kalt, um angenehm zu seyn; und zu Lande ist Triest von aller angenehmen Verbindlich abgeschnitten. Desto leichter geht alles zu Wasser. Der Hafen ist ziemlich flach, und nur für kleine Fahrzeuge: die grössern und alle Kriegsschiffe müssen in ziemlicher Entfernung auf der Rhede bleiben, die nicht ganz sicher zu seyn scheint. Die See ist hier geduldig, und man kann ihr noch sehr viel abtrotzen, wenn man von den Bergen herab in sie hinein arbeitet, und so nach und nach den Hafen vielleicht auch für grosse Schiffe anfahrbar macht.

An den Bergen rund herum hat man hinauf und herab terrassiert und dadurch ziemlich schöne Weingärten angelegt. Die Triester Halten viel auf ihren Wein, ich kann darüber nicht urtheilen, und in meinem Gasthause giebt man gewöhnlich nur fremden. Die etwas höhere Altstadt am Kastell ist enge und finster. Die neue Stadt ist schon fast ganz der See abgewonnen. Ob hier das alte Tergeste wirklich gestanden hat, mögen die Antiquare ausmachen. Ich wohne in dem sogenannten grossen Gasthofe, einem Hause von gewaltigem Umfange und dem nehmlichen, worin Winkelmann von seinem meuchlerischen Bedienten ermordet wurde. Meine Aussicht ist sehr schön nach dem Hafen, und vielleicht ist es das nehmliche Zimmer, in welchem das Unglück geschah. Die Geschichte ist hier schon ziemlich vergessen.

Ich fand hier den Philologen Abraham Penzel, der in Triest den Sprachmeister für die Italiäner deutsch und für die Deutschen italiänisch macht. Die Schicksale dieses sonderbaren Mannes würden eine lehrreiche, angenehme Unterhaltung gewähren, wenn sie gut erzählt würden. Von Leipzig und Halle nach Polen, von Polen nach Wien, von Wien nach Laybach, von Laybach nach Triest, und überall in genialischen Verbindungen. Der unglückliche Hang zum Wein hat ihm manchen Streich gespielt und ihn noch zuletzt genöthigt, seine Stelle in Laybach aufzugeben, wo er Professor der Dichtkunst am Gymnasium war. Er hat durch seine mannigfaltigen, verflochtenen Schicksale ein gewisses barockes Unterhaltungstalent gewonnen, das den Mann nicht ohne Theilnahme lässt. Per varios casus, per tot discrimina rerum tendimus Tergestum, sagte er mit vieler Drolerie, damit uns hier, wie Winkelmann der Teufel hole. wir gingen zusammen aus, konnten aber Winkelmanns Grab nicht finden. Niemand wusste etwas davon.

Das Haus eines Griechen, wenn ich mich nicht irre, ist sein Nahme Garciatti, ist das beste in der Stadt und wirklich prächtig, ganz neu und in einem guten Stil gebaut. Eine ganz eigene recht traurige Klage der Triester ist über den Frieden. Mit christlicher Humanität bekümmern sie sich um die übrige Welt und ihre Drangsale kein Jota und wünschen nur, dass ihnen der Himmel noch zehn Jahre einen so gedeihlichen Krieg bescheren möchte; dann sollte ihr Triest eine Stadt werden, die mit den besten in Reihe und Glied treten könnte. Dabey haben die guten kaufmännischen Seelen gar nichts arges; schlagt euch todt, nur bezahlt vorher unsere Sardellen und türkischen Tücher. Das neue Schauspielhaus ist das beste, das ich bis jetzt auf meinem Wege gesehen habe. Gestern gab man auf demselben Theodoro Re di Corsica, welches ein Lieblingsstück der Triester zu seyn scheint. Die Dekoration, vorzüglich die Parthie Rialto in Venedig, war sehr brav. Es wäre aber auch unverzeihlich, wenn die reichen Nachbarn, die es noch dazu auf Unkosten der Herren von Sankt Markus sind, so etwas nicht ausgezeichnet haben wollten. Man sang recht gut, und durchaus besser als in Wien. Vorzüglich zeichneten sich durch Gesang und Spiel aus, die Tochter des Wirths und der Kammerherr des Theodor. Die logen sind alle schon durch Aktien von den Kaufleuten genommen und ein Fremder muss sich auf ihre Höflichkeit verlassen, welches nicht immer angenehm seyn mag. Der Herren haben die Logen gekauft, bezahlen aber noch jederzeit den Eingang; eine eigene Art des Geldstolzes. Der Patriotismus könnte wohl eine etwas humanere Art finden die Kunst zu unterstützen. Der Fremde, der doch wohl zuweilen Ursache haben kann im Publikum isoliert zu seyn, ist sehr wenig dabey berücksichtigt worden. Hier hörte ich zuerst den betäubenden Lärm in den italiänischen Theatern. Man bedient sich den Schauspiels zu Rendesvous, zu Konversationen, zur Börse, und wer weiss wozu sonst noch? Nur die Lieblingsarien werden still angehört; übrigens kann ein Andächtiger Thaliens nicht viel Genuss haben; und die Schauspieler rächen oft durch ihre Nachlässigkeit die Vernachlässigung. Etwas eigenes war mir im Hause, dass das Parterre überall entsetzlich nach Stockfisch roch, ich mochte mich hinwenden, wo ich wollte.


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
  2. Bamberger Zeitung. Nro. 127. Mittwoche, 7. Mai 1806.
  3. Bamberger Zeitung. Nro. 129. Freitag, 9. Mai 1806.
  4. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 91. Montag, den 15ten April 1812.
  5. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 159. Mittewoch, den 3. July 1812.
  6. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 239. Freytag, den 4/16. Oktober 1812.
  7. Reisen und merkwürdige Nachrichten zweier Neufranken durch Deutschland, Rußland, Polen und die Oestreichischen Staaten während des jezigen wichtigen Krieges. Leipzig, in der Weygandschen Buchhandlung, 1797.
  8. Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802. Von J. G. Seume. 1811.
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