Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Tunis.[]

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Tunis, Stadt in der Barbarey, in dem Innern eines Busens am mittelländischen Meer. Das Gebieth derselben ist beträchtlich und gränzt im innern Lande und längs der Küste gegen Westen an Algier, und gegen Osten an Tripoli. Nachdem aber die Araber Herren in dieser Gegend geworden und den weichlichen Statthalter des griechischen Kaisers, Graf Gregorius getödtet hatten, so mußten die Einwohner von Carthago ihre Stadt räumen. Dieses Carthago war nach der Zerstörung, unter den römischen Consuln, und besonders durch Tiberius Grachus, wieder hergestellt und von K. August in Ansehung des Plazzes etwas verändert und auf ebenen Boden verlegt worden. Es bekam römische Einwohner und wurde eine der ansehnlichsten Städte. Durch die Araber wurde sie zernichtet, und dafür kam Tunis (Tunis), damals ein geringer Ort, empor; von dieser ehemals großen und äusserst wichtigen Stadt findet man jezt noch zerstreute Ruinen, vorzüglich eine hohe und sehr lange Wasserleitung, auf der Nordwestspitze beym Eingange des Meerbusens. Die sicilischen Normänner machten sich zwar von Tunis Meister, aber im J. 1159 wurden sie von Abdalmumen, aus Marocco, vertrieben. Um das J. 1530 entstunden innerliche Zerrüttungen in diesem Staate: wodurch K. Carl V. Anlaß bekam, im J. 1535 den berühmten und glücklichen Zug dahin vorzunehmen. Er schlug die Türken, die unter Cheredin (Hairadin) Barbarossa sich, unter dem Schein des Beystandes, den sie dem Throncompetenten Alraschid leisteten, von Tunis bemächtigt hatten und drang in die Stadt ein, wo seine Soldaten viel Grausamkeiten verübten und eine herrliche Sammlung arabischer Bücher verbrannten. Hassan, dessen Gegner Alraschid war, wurde wieder auf den Thron gesetzt: aber als Vasall der Krone Spanien. Nach dem J. 1570 ward Amida, König von Tunis, durch die algierischen Türken verjagt. K. Philipp II. von Spanien wollte seinen Vasallen schützen, und schickte D. Juan d'Austria mit einer mächtigen Flotte dahin, bey dessen Ankunft die Türken entflohen. Statt des den Seinigen verhaßten Amida ward Mehemed, ein Vetter von ihm, zum König gemacht. Weil die Stadt Tunis keiner Befestigung fähig war, so ließ D. Juan zwischen dieser Stadt und Goletta ein Fort anlegen. Allein 1574 kamen die Türken wieder, eroberten die Stadt Tunis gleich im ersten Anlauf, sodann Goletta und endlich das Fort, nach einem Widerstand, der ihnen viel Volks kostete. Die spanischen Truppen wurden theils getödet, theils zu Sclaven gemacht, welches Schicksal selbst die Commandanten, Serbelloni und Puertocarero, traf. Blos der spanische Befehlshaber einer Schanze, der Seethurm genannt, zwischen Tunis und Goletta, erhielt einen freyen Abzug, weil er keinen Angriff erwartete. Hierauf errichtete der Befehlshaber des Kriegsvolks, welches der türkische Kaiser nach Tunis geschickt hatte, eine Regierung und ordentliche Militärverfassung. Der Divan, das vornehmste Collegium, hatte einen Aga zum Vorsteher, der es immer 6 Monate blieb. Es hatte in demseben auch ein Pascha, von wegen des türkischen Kaisers, als Schutzherrn von dem Staate, seinen Sitz; und dieser sollte die vornehmste Gewalt haben. Allein in kurzer Zeit legte der Divan und die Miliz dem Aga diese Gewalt bey, und der Pascha wurde eine ziemlich unbedeutende Person in der Regierung. Die Agas, als Vorsteher des Divans, erhielten sich ruhig 15 - 16 Jahre lang; da eine Empörung der Miliz eine Veränderung einführte und einen Dej für beständig zum Haupte des Staats machte. Innerliche Unruhen entstunden von Zeit zu Zeit unter diesem Regimente, und zu Ende des vorigen Jahrhunderts kam es so weit, daß eine Parthey die Algierer herbeyrief, welche im J. 1686 Meister von Tunis wurden und darinn viel Tyranney ausübten. Endlich brachte man sie, durch Geld, wieder weg; allein neue innere Zwistigkeiten zogen sie bald wieder herbey. Der algierische Dej, Chaban, erfochte 1674 einen Sieg, worauf nach einer vier monathl. Belagerung Tunis in seine Gewalt kam. Die widrigen Schicksale, die der Staat bis dahin durch Uneinigkeiten erfahren hatte, machten diesen noch kein Ende. Die Unruhen und Einmengung der Algierer dauerten bis in das 18ten Jahrh. fort; in dessen ersten Jahren Tunis auch einen Krieg wider Tripoli zu führen hatte. Der Anfang war für jenen Staat günstig; aber die Belagerung der Stadt Tripoli mußte, mit Verlust, aufgehoben werden.

Die Einwohner dieses Staats sind ein Gemenge von alten Africanern, Nachkömmlingen der Vandaln, Araber, Türken und Renegaten aus allerley Nationen. Die Stadt Tunis liegt an der Südseite des Meerbusen von Goletta, hat 1 deutsche Meile im Umfang und ist mit Mauern und einer guten Citadelle versehen. Die Häuser sind niedrig, die Strassen schmutzig und eng, um gegen die Sonnenhitze zu schützen. Die große etwas befestigte Wohnung des Dej ist ausserhalb der Stadt. Die Zahl der Einwohner gehet gegen 150000 und darunter sind 30000 Juden, die hier 8 Synagogen haben. Die Gesundheit der Luft, die durch Unsauberkeit und durch die Ausdünstungen eines Canals, die die Unreinigkeiten der Stadt in einen nahe liegenden See führt, leicht verderbt werden könnte, wird gutentheils dadurch erhalten, weil die Oefen und Bäder mit wildem Rosmarin, Mastix und andern aromatischen Gewächsen geheizt werden. Unter den Einwohnern findet man heut zu Tage die besten Leinwandweber in Africa. Die Handlung ist beträchtlich. Man holt von Tunis Korn, Oel, Wachs, Häute, Seide, Strausfedern, Pferde, und edle Baumfrüchte, welche die Gegend häufig hervorbringt. In der Stadt ist kein Wasser, ausser was vom Regenwasser gesammlet wird. Der Hafen ist ziemlich entfernt von der Stadt und hat vom mittelländischen Meere her einen schmalen Eingang durch den Kanal von Goletta, der aber hernach breiter wird. Für große Schiffe ist dieser Canal nicht tief genug; sie müssen dahero auf kleinern Fahrzeugen ihre Güter nach der Stadt schicken. Fast alle europäischen Nationen halten in der Stadt Tunis ihre Consuls. Im Jul. 1728 wurde eine französische Escadre dahin geschickt, selbige, wegen einiger von tunesischen Capern verübten Excesse, zu bombardiren; allein sie bequemte sich bald, und gieng die Friedensvorschläge sogleich ein, welche darinnen bestunden, daß diese Capern an den französischen Küsten nicht mehr kreuzen dürfen, die Schuldigen bestraft, und zu Ersetzung des Schadens angehalten werden, auch eine Gesandtschaft kommen, und um Verzeihung bitten mußte. Bey der neusten Revolution in diesem Staate haben die Algierer den 1. Oct. 1756 Tunis mit stürmender Hand eingenommen und geplündert. Nachdem dadurch der mit ihnen alliirte Dej in seine Würde eingesetzt worden, sind sie wieder nach Hause gekehrt.

Im J. 1783 entstund ein Streit zwischen Tunis und der Republik Venedig, wegen eines venetianischen Schiffs, das, weil es von der Pest angesteckt war, auf Malta mit allen Effecten verbrannt wurde. Es waren darunter 8000 Zechinen, die dem Dej zu Tunis gehörten und die Venedig nun ersetzen sollte. Man kam auch noch mit Schuldforderungen gegen venetianische Unterthanen in Corfu, Cefalonia und Zante, und verlangte endlich noch, daß alle unter venezianischer Flagge fahrende Capitains die Recruten, die in der Levante zum Dienst des Dej angeworben würden, in die Häfen des Staats von Tunis führen sollten. Die Republik Venedig schlug diese Forderungen ab, und ließ durch eine Flotte das Auslaufen Tunesischer Schiffe hindern und verschiedene an dem Meer liegende Orte bombardiren, ohne jedoch Tunis zum Nachgeben zu bringen, welches endlich durch Geld zum Frieden gebracht wurde.


Zeitungsnachrichten.[]

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Frankreich.

Der Französische Generalcommissär der Handelsverhältnisse zu Tunis schrieb unterm 17. Jul. an den Seepräfecten Lescalier zu Genua: "Es ist mir sehr angenehm, Ihnen melden zu können, daß alle Genueser, die vor der Vereinigung Liguriens mit Frankreich in die Sclaverey fielen, ihre Freyheit wieder erhielten. Die väterliche Sorgfalt Sr. Kaiserl. Königl. Majestät erstreckte sich nicht allein auf 16 Unterthanen der Helvetischen Republik, die unter Genuesischer Flagge gefangen genommen wurden, sondern auch auf Individuen aller Nationen, die durch Dienste oder andere besondere Umstände einiges Recht auf den Schutz Sr. Majestät erworben hatten. Alle wurden zu gleicher Zeit befreyet; ich beschäftige mich mit den Maßregeln, sie ihrem Vaterlande wieder zu geben. Das Schiff wird zu Genua ankommen Sie werden mit nicht weniger Interesse vernehmen, daß der Bey seinen Corsaren befahl, die Schiffahrt der Neapolitanischen Fahrzeuge, welche Französische Expeditionen führen, nicht zu beunruhigen. Die Schiffe, welche sich im Hafen von Genua aus Furcht, die meine erste Nachricht über die Verfügungen des Beys veranlassen mochte, befinden sollten, können absegeln, ohne etwas befürchten zu dürfen."


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
  2. Wiener Zeitung. Nro 73. Mittewoche, den 10. September 1806.
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