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7te Armee-Corps.Bearbeiten

das 7te Armee-Corps: [1]

Oberbefehlshaber der Divisions-General Regnier,
Chef des königl. sächsischen Hülfscorps, der Gen. Lieut. Zeschau,
Chef des Generalstabes der Oberst, Baron Langenau,

21ste Infanterie-Division.Bearbeiten

die 21ste Infant.-Div., Chef der Gen. Lieut. Lecoq,

Gen.-Maj. Steindel.
Gen.-Maj. v. Sahr.
Gen.-Maj. Gablentz.
das Grenadier-Bataillon Liebenau 1 Bat.
das Linien-Inf.-Reg. Prinz Friedrich, Comm. Oberst Boblik 2 --
das Linien-Inf.-Reg. Prinz Clemens, Comm. Oberst Mellentin 2 --
das Linien-Inf.-Reg. Prinz Anton, Comm. Oberst Vieth 2 --
das 1ste leichte Infanterie-Regiment 2 --
Zusammen 9 Bat.

22ste Infanterie-Division.Bearbeiten

die 22ste Infanterie.-Div., Chef der Gen.-Lieut. Funk,

Gen.-Maj. Dyhrn.
Gen.-Maj. Klengel.
Gen.-Maj. Nostitz
das Grenadier- Bat. von Angern 1 Bat.
das -- von Spiegel 1 --
das Infant.-Reg. Niesemeuschel 2 --
das -- des Königs, Comm. Oberst von Zeschwitz 2 --
das 2te leichte Infanterie-Regiment 2 --
Zusammen 8 Bat.

Kavallerie.Bearbeiten

Chef der sächsischen Kavallerie, der General-Lieutenant Guttschmidt, starb am 7ten Juny 1812,

die 23ste leichte Kav.-Brig.
Gen.-Maj. v. Bärner.
das sächsische Husaren-Reg., Comm. Oberst von Engel 8 Esq.
das Dragoner-Reg. von Polenz, Comm. Oberst von Hann 4 --
das Uhlanen-Regim. Prinz Clemens, Comm. Oberst von Lessing 4 --
Zusammen 16 Esq.

32ste Infanterie-Division.Bearbeiten

die 32ste Infanterie-Division, Chef der Divisions-General Durutte,

Brig.-Gen. Baron Anthing.
das Regiment Belle Ile, 3 Bat.
das würzburgsche Infant.-Reg. Oberst Moser 3 --
das Infanterie-Regiment Walchern 3 --
Oberst Maury
das 1ste Regiment des Mittelmeeres 3 Bat.
das 2te -- -- -- 3 --
das Regiment der Insel Rhé 3 --
Zusammen 18 Bat.



35 Bataillon, 17 Bataillon Sachsen,
16 Esquadron -- .


Nachrichten aus dem Hauptquartier des 7ten Armeekorps.Bearbeiten


Durch den Hauptmann von Fabrice, im königl. Generalstabe, sind gestern folgende Nachrichten aus dem Hauptquartier des 7ten Armeekorps, welches sich am 22sten dieses Monats zu Skriszow bey Drohiczyn (am Bug, in Chelm) befand, überbracht worden. [2]

Nachdem der Feind bis zum 19ten Oktober vergeblich versucht hatte, das vereinte österreichische und sächsische Korps durch Demonstrationen auf beyden Flanken gegen Terespol und Kaminiec aus der vortheilhaften Position bey Brzesc zu verdrängen, ging endlich am 10ten Oktober mit dem Gros seiner Armee bey Bulkow und Kaminiec über die Mossawiec, und formirte noch an diesem Tage seine Angriffskolonnen gegen die linke Flanke bis Brody. Es war mit Recht zu befürchten, daß der nur schwach besetzte Punkt von Brody, nach welchem der österreichische Rückzug ging, früher als die eigentliche Stellung bey Brzesc forcirt, dann aber der österreichische Rückzug mit sehr vielen Schwierigkeiten verbunden seyn würde. Es ward daher der Rückzug des österreichisch-sächsischen Korps aus der Stellung von Brzesc für die Nacht vom 10ten zum 11ten Oktober anbefohlen und mit gewohnter Ordnung vollzogen. Beyde Korps trafen früh vor Tage jenseits der Leszna ein, brachen sofort die Brücken über diesen Fluß ab, und nahmen jenseits desselben Position. Der Feind hatte den 11ten Oktober zum Angriff der Stellung bey Brzesc bestimmt, ihn mit Anbruch des Tages anfangen wollen, und war, als er die Position verlassen fand, sofort bis an die Leszna nachgeeilt. Er fand die Brücken der Oesterreicher bereits verbrannt, und verließ den Angriff auf selbige nach einer kurzen Kanonade. Die Brücken, welche das sächsische Korps bey Kliniki und Terapund passirte, waren bloß abgetragen, und machten den Feind einen möglichen Uebergang wahrscheinlich. Er griff daher gegen Mittag diesen vom 1sten leichten Regiment und 6 Kanonen besetzten Punkt mit großer Heftigkeit an, und es gelang ihm, nach einem sehr bedeutenden Verlust, die Brücke beym Schloß Klinike zum Uebergang mit Infanterie wieder herzustellen; auch passirten dieselbe wirklich einige russische Grenadier- und Jägerkompagnien.

Der General Regnier gab deshalb den Befehl, daß das Grenadierbataillon von Liebenau und das zweyte Bataillon vom Regiment Prinz Klemens zur Unterstützung des 1sten leichten Regiments (welches bereits bedeutend gelitten hatte) vorrücken, und den Feind über die Leszna zurückwerfen sollten. Diese Bataillons gingen mit der größten Entschlossenheit unter einem starken feindlichen Feuer vor, fanden aber bereits den Feind, durch das 1ste leichte Regiment wieder über die Brücke zurückgeworfen, jenseits der Leszna. Vergeblich erneuerte derselbe diesen Angriff mit der größten Unerschrockenheit bis zum Abend; er ward jederzeit durch Kartätschen und kleines Gewehrfeuer mit sehr großem Verluste zurückgetrieben. Noch vor Einbruch der Nacht versuchte er auch einen schwachen Angriff bey Terepund, welcher sich jedoch auf eine gegenseitige Kanonade zwischen ihm und der Artillerie des Generallieutenants von Funk und des Generalmajors von Gablenz beschränkte. Die Dörfer Kliniki und Stoyki wurden bey diesem Gefechte durch die von beyden Seiten gewechselten Granaden in Brand gesteckt.

So ehrenvoll und glücklich dieses Gefecht für die königl. sächsischen Truppen war, so schmerzhaft ist für selbige der Verlust zweyer sehr verdienten Stabsofficiere. Der Major von Metsch vom 1sten leichten Regiment blieb auf dem Platze, und der Kommandant desselben, Oberstlieutenant von Egidy, ward durch die Brust geschossen, und starb wenige Tage darauf an dieser Wunde.

Das Korps verließ gegen Abend die Stellung an der Leszna, marschirte am 12ten bis Wolezyn, den 13ten bis Mielnik, und den 14ten bis gegen Siemratyce. Es ward an diesem Tage bey Klimacze eine Brücke über den Bug geschlagen, welche das Korps in der Nacht vom 14ten zum 15ten passirte, und bis Sarnaki, den 16ten bis Swory, und den 17ten bis Biala marschirte, wo es vereint mit den Oesterreichern Position nahm.

Der Feind, der von der Leszna aus nur langsam gefolgt war, hatte bey Terespol 4000 Mann Kavallerie mit 4 Kanonen unter dem Oberst Czerniczew gegen Warschau vorgeschickt, und derselbe war bereits bis Siedlec und Wegrom vorgedrungen, als er, durch den ganz unvermutheten Uebergang der vereinigten Truppen über den Bug in nicht geringe Verlegenheit gesetzt, sich schleunig über Kock retirirte. Der ihm nacheilenden österreichische General Fröhlich konnte nur seine Arriergarde erreichen, bey welcher Gelegenheit 40 Kalmucken niedergemacht, und sehr glücklicherweise einige vom Feinde gefangen gemachte österreichische und sächsische blessirte Officiere befreyt wurden.

Den sächsischen Rekognoscirungen, welche unter dem Oberstlieutenant von Lindenau und Major von Trotha gegen Zalesic auf der Straße nach Terespol gingen, war es geglückt, dem Feinde einige 50 requirirte Mehlwagen, einen Infanteriekapitän und etliche 40 Kosaken und Jäger, welche auf Requisition gewesen waren, abzunehmen.

Der Major von Seidlitz war am 18ten früh zu einer ähnlichen Rekognoscirung nach Zalesic jenseits Biala vom Feinde mit überlegener Macht angegriffen und zum Rückzug auf die Hauptposition genöthigt sah. Vor selbiger befand sich ein nicht unbeträchtlicher Morast, und die Dämme, die über selbigen gingen, waren mit dem 1sten Bataillon des 2ten leichten Regiments besetzt. Der Feind kam fast zugleich mit dem Major von Seydlitz, und nöthigte die sächsische bis jenseits des Dammes zum Soutien vorgegangene Kavallerie zum Rückzuge. Er zeigte ausser einigen Kavallerieregimentern eine sehr bedeutende doppelte Tirailleurlinie, welche er durch Infanteriemassen und Artillerie unterstützte. Der General Regnier ließ hierauf 2 Bataillons und eine Grenadierkompagnie zur Unterstüzzung vorrücken, während die sächsische Artillerie es der feindlichen unmöglich machte, gegenüber aufzumarschiren. Dagegen litt die vorgesendete Infanterie durch das überlegene feindliche Tirailleurfeuer. Der General Regnier ließ daher 2 Kompagnien, und der Fürst von Schwarzenberg 1 Bataillon, vom Grafen Latour sehr zweckmäßig geführt, etwas weiter unten bey einer Mühle über den Morast gehen, und den Feind in seiner rechten Flanke so unvermuthet angreifen, daß er ein zwölfpfündiges Kanon mit kompleter Bespannung und allen Kanoniers stehen lassen mußte. Der General von le Coq erhielt den Befehl, diesen Angriff mit der Brigade des Generalmajors von Steindel, welcher später ein Theil der österreichischen Division Bianchy folgte, zu unterstützen, worauf dann der Feind auch von seinem Frontangriff ablassen und, bis gegen Zalesic verfolgt, mit großem Verlust sich zurückziehen mußte. Die sächsischen Truppen haben 105 Gefangene gemacht, dabey aber abermals den Verlust eines braven Stabsofficiers, des Majors von Trotha, zu bedauern.

Das tapfere und ausgezeichnete Betragen aller königl. sächsischen Truppen und ihren guten Willen bey Ertragung jeder Beschwerde, bezeigt der hier angeführte von dem General Regnier erlassene Tagesbefehl.

Nach Aussage der Gefangenen war es die Division des General Essen und ein Theil der 9ten Division, welche mit 48 Kanonen den Angriff vom 18ten unternahm.

Aus der Bewegung des Feindes ergiebt sich, daß er durch das stete Wechseln, der Stellung und durch die mehreremale ganz veränderte Marschdirektion gänzlich unsicher gemacht, und zu bedeutenden Detaschirungen genöthigt worden ist. Ein von ihm bis gegen die Memel bey Nosty vorgeschicktes Detaschement hat daselbst gegen den General Mohr ein für ersteres sehr nachtheiliges Gefecht bestanden. Doch hat sich der Feind noch durch einen Theil der Division Richelieu (die in der Krimm stand, und, wie es hieß, zur russischen Hauptarmee gestoßen seyn sollte) aufs Neue verstärkt. Dagegen erwartet das österreichisch-sächsische Armeekorps in wenig Tagen die 32ste Armeedivision, ein österreichisches Verstärkungskorps und einige Eskadrons Polen.

Um bis dahin den Truppen einige Ruhe zu verschaffen, die verlorne Kommunikation mit Warschau aber vollkommen wieder herzustellen, hat sich das vereinigte österreichisch-sächsische Korps den 19ten bis Chodycze und den 20sten bis Skriszow unweit Drohiczyn zurückgezogen, und daselbst diesseits des Bug Position genommen.

Der Verlust der königl. sächsischen Truppen in den beyden Gefechten vom 11ten und 18ten Oktober besteht überhaupt in 28 Getödteten, 248 Verwundeten und 25 Vermißten und Gefangenen.


Der Hauptmann von Cerrini hat aus Wielki Hrinky, bey Swislocz (östlich von Bialystock), dem Hauptquartier des siebenten Armeekorps, folgende Nachrichten überbracht: [3]

Da Admiral Tschitschagoff seinen Marsch auf Slonim und Nieswiscz fortsetzte, wurde der Uebergang des vereinigten Korps über die Narew am 5ten und 6ten November ausgeführt.

Die starken Märsche und schlechten Wege bis Rudnia, nöthigten zu den höchsten Anstrengungen. Das Korps hielt einen Rasttag in Swislocz, und verfolgte den 8ten seinen Marsch auf Hornostaiewice.

Gegen Erwartung ward die Arriergarde, von Rudnia aus, so stark gegen Porozow zurückgedrängt, daß die Straße von Swislocz ganz frey, und der daselbst befindliche Artilleriepark und die Equipagen einiger Gefahr ausgesetzt waren. Es ward daher sofort das Bataillon Prinz Friedrich und 2 Eskadrons von Polenz Dragoner noch in der Nacht zum 9ten nach Swislocz gesendet, welche den Park bis Huiesno begleiteten.

Das starke Andringen des Feindes auf die Arriergarde machte fürs erste die Fortsetzung des Marsches gegen Slonim unthunlich, und erforderte ernstliche Maßregeln im Rücken des vereinigten Armeekorps. In der Ueberzeugung von der geringen Stärke des Feindes machte jedoch nur das 7te Korps halt, während die Oesterreicher ihren Marsch bis Slonim fortsetzten. Das Detaschement, welches den Artilleriepark bis Huiesno begleitet hatte, erhielt Befehl, bis über Swislocz gegen Wielki Hrinky vorzudringen, während der Oberstlieutenant von Bose mit seinem Bataillon und einer Eskadron, von Hornostaiewice aus, gegen Swislocz, der General Gablenz aber mit dem grössern Theile der Avantgarde gegen Rudnia vorging. Die Straße von Swislocz nach Rudnia ward dadurch in der rechten Flanke und Fronte angegriffen, und der Feind zur Räumung derselben bis nach Rudnia genöthigt. Der Avantgarde des Generalmajors von Gablenz war es geglückt, eine Wache von etwa 40 Kalmucken und Kosaken zu überfallen, welche theils niedergehauen, theils gefangen wurden. Die Abtheilung, welche von Huiesno gekommen, attakirte in der Gegend von Swislocz eine sehr überlegene feindliche Kavallerie, warf sie bis hinter diesen Ort, und machte 2 Officiere und 24 Mann zu Gefangenen. Durch eine bey dieser Gelegenheit aufgefangene Depesche, welche vom General Melissey doppelt an die Generale Essen 3. und Sacken gerichtet war, erfuhr man, daß das 7te Korps die vereinigten Korps dieser Generale im Rücken hatte.

Um die ausgesendeten Rekognoscirungen wieder aufzunehmen, dem Artilleriepark aber Zeit zu lassen, Wilkowysk und Piasky zu erreichen, marschirte das Korps den 11ten zurück nach Sokolnicky, den 12ten aber wieder vorwärts bis nach Lapinika.

Der Major von Watzdorff wurde am 11ten dieses bey einer starken Rekognoscirung gegen Rudnia mit sehr viel Heftigkeit vom Feinde verfolgt, und konnte nur durch die höchste Kaltblütigkeit seiner Truppen und durch eine sehr zweckmäßige Leitung derselben einem bedeutenden Verluste entgehen.

Der General Graf Regnier wollte den 13ten das Korps bey Lapinika ruhen lassen. Es ward jedoch die Avantgarde des Generalmajors von Gablenz früh gegen 9 Uhr mit so viel Heftigkeit angegriffen, daß sie sich aus Porozow und Hornostaiewice schnell auf die Position des Korps gegen Lapinika zurückziehen mußte. Zur Unterstützung der Avantgarde wurde die zweyte Division ihr entgegen gesendet. Da diese Division bereits vor d~~ Fronte liegenden Wälder stark durch russische Infanterie besetzt fand, ihr Besetzung aber durchaus nothwendig ward, um nur einigermaßen die Stärke des Feindes zu ergründen, so befahl der General Regnier den Angriff dieser Wälder, aus welchen jedoch der Feind, trotz eines ununterbrochenen Kanonen- und kleinen Gewehrfeuers, bis nach Anbruch der Nacht zwar zurück, jedoch nicht ganz vertrieben werden konnte. In der Ebene hatte die feindliche Kavallerie dem sächsischen Geschütz weichen müssen. Alle Aussagen der Gefangenen stimmten dahin überein, daß der General Sacken mit seinem ganzen Korps bereits gegenüber stände. Drey Tagemärsche von den Oesterreichern entfernt, hielt es der General Regnier nicht für dienlich, einen neuen Angriff in der Stellung bey Lapinika abzuwarten. Das Korps brach daher in der Nacht um 2 Uhr auf, und marschirte in zwey Kolonnen nach Wilkowysk, wo es den 14ten d. eine sehr vortheilhafte Stellung bezog, welche jedoch das Unangenehme hatte, daß sich für das Hauptquartier kein anderes schickliches Lokal, als unmittelbar auf den Vorposten in Wilkowysk selbst, fand. Der letzte Theil der Division Durutte vereinigte sich an diesem Tage mit dem 7ten Armeekorps.

Da die Arriergarde nur schwach verfolgt worden war, der Feind überhaupt bis dahin wenig Unternehmungsgeist gezeigt hatte, so war es um so unvermutheter, als er in der Nacht zum 15ten Wilkowysk mit einer solchen Heftigkeit angriff, daß er sich zugleich mit den sächsischen Vorposten in der Stadt befand. Es gelang jedoch den Grenadieren vom Bataillon Spiegel und dem Bataillon Anger, der leichten Infanterie und dem zweyten Bataillon Prinz Friedrich, den Feind bis gegen Anbruch des Tages mit dem Angriff der brennenden Stadt zu beschäftigen. Eine große Menge Equipagen, welche sich im Hauptquartier befanden, wurden mit wenigen Ausnahmen gerettet. Die ausgezeichnete Ordnung und Tapferkeit der königlichen Truppen hat sich hierbey auf das Rühmlichste bewiesen, und ihr ist es zu verdanken, daß der Verlust nur gering war.

Mit Anbruch des 15ten Novembers, formirte der Feind seine Angriffskolonnen gegen den linken Flügel; und es zeigte sich, daß man es mit dem Korps des Generals Sacken zu thun hatte, dessen Stärke, nach einem von den Oesterreichern in Slonym aufgefangenen Kourier, sich auf 18,000 Mann Infanterie und 7000 Mann Kavallerie belief. Gegen 9 Uhr ward auf der linke Flügel von dem größeren Theile der russischen Kavallerie mit Heftigkeit en Colonne angegriffen. Der General Gablenz, überzeugt von der Wichtigkeit dieses Punktes, griff mit der sächsischen Kavallerie den gewiß zweymal stärkern Feind mit solchem Nachdruck an, daß er mit der größten Unordnung von der Höhe herunter nach einer Brücke gedrängt ward, wo das Feuer der reitenden Artillerie die Unordnung seiner Kolonnen vollendete. Dieser mit eben so viel Geschicklichkeit als Entschlossenheit ausgeführte Angriff, bey welchem der brave Oberst Engel an der Spitze seines Regiments mehrere Wunden erhielt, sicherte die Position, und ließ Zeit, die linke Flanke derselben dergestalt mit Kanonen zu besetzen, daß alle fernern Angriffe der feindlichen Kolonnen, durch das Artilleriefeuer fruchtlos gemacht, in ihrem Entstehen unterdrückt wurden. Nichts desto weniger manöuvrirte der Feind den 15ten und 16ten unaufhörlich gegen die Stellung des 7ten Korps. Ein mit abwechselnder Lebhaftigkeit unterhaltenes Tirailleurfeuer und immer fruchtlos wiederholte Demonstrationen gegen die sächsische linke Flanke, bey welcher das Regiment Prinz Anton unter dem Oberst von Ryssel vorzüglich die größte Kaltblütigkeit bewies, waren die einzigen Resultate aller seiner Bewegungen.

Der General Regnier hatte bereits am 14ten einen Officier an den Fürsten von Schwarzenberg mit der Bitte abgesendet, ihn mit einem Theile seines Korps, durch einen Angriff des feindlichen rechten Flügels zu unterstützen.

Eben hatte der Feind den 16ten gegen Abend einen neuen Versuch auf die linke Flanke gemacht, als die Kanonen der österreichischen Avantgarde im Rücken der feindlichen Stellung, gegen Izabelin zu, sich hören ließen. Es war dies für das 7te Korps ein allgemeines Singnal zum Angriff von Wilkowysk. Vier Kompagnien Würzburger, 8 Kompagnien von den französischen Regimentern Isle de Rhé und Méditerranée, unterstützt von dem Feuer aus allen Batterien, warfen die feindliche Infanterie aus Wilkowysk, und bloß die Ermüdung der Truppen und das aufs Neue angezündete Städtchen Wilkowysk hinderte für die Nacht die fernere Verfolgung des Feindes, der auf allen Seiten retirirte.

Es war abzusehen, daß der Feind seinen Rückzug gegen Swislocz und Rudnia nehmen würde, und man suchte daher vor ihm, oder wenigstens mit ihm zugleich, bey Rudnia anzukommen. Das 7te Armeekorps marschirte den 17ten November mit Anbruch des Tages nach Sokolniky, wo es, trotz aller Anstrengung, erst gegen Abend eintreffen konnte. Die Oesterreicher marschirten an diesem Tage bis Rudnia. Der Feind, der in der Nacht zum 17ten bis Swislocz marschirt war, marschirte in der Nacht zum 18ten bis über Rudnia, und als den 18ten früh die sächsische Avantgarde zwischen Wielki Hrinky und Swislocz eintraf, konnte dieselbe nur noch die Kavallerie der feindlichen Arriergarde erreichen. Der General Regnier ließ sie sofort durch die Teten der Kolonnen mit der größten Heftigkeit angreifen. Der General Gablenz machte abermals eine sehr glückliche Attake, welche die feindliche Kavallerie zum schleunigen Rückzuge nöthigte. Das Korps stellte sich bey Wielki Hrinky auf, der General Regnier aber verfolgte mit der Avantgarde und dem Regiment Prinz Friedrich den Feind bis Rudnia. Den Wald und den Damm vor Rudnia hatte derselbe, überzeugt, daß der letzte Rest seiner zum Theil verlornen Equipage ihm sonst noch ohne Rettung abgenommen werden würde, stark mit Infanterie und Artillerie besetzt, welche bis gegen Abend durch Tirailleur- und Kartätschenfeuer so lange einen heftigen Widerstand entgegensetzten, bis der österreichische General Frelich, auf seine rechte Flanke angreifend, ihn zum Rückzuge nöthigte. Das Abbrennen der Brücke über die Narew bey Rudnia setzte der Verfolgung des Feindes an diesem Tage ein Ziel, und der General Graf Regnier gab den ermüdeten Truppen des siebenten Armeekorps am 19ten einen Ruhetag.

Die Oesterreicher, begünstigt durch ihre stärkere Kavallerie, haben einen großen Theil der russischen Equipagen genommen, das siebente Armeekorps aber gemeinschaftlich mit ihnen bis zum 18ten 2500 Gefangene gemacht, unter welchen sich ein Oberster, 2 Majors und 30 Officiers befinden. Noch immer wurden bis zu dem am 19ten erfolgten Abgange des Hauptmanns von Cerrini von allen Seiten russische Gefangene eingebracht, die die gänzliche Ermattung der russischen Truppen nicht genug beschreiben können.

Wahrscheinlich hat der Feind seine Direktion südlich nach Szereczew genommen. Oesterreichische Kavallerieabtheilungen sind auf Pruszanna und gegen Szereczew abgegangen, um die daselbst befindlichen russischen Transports aufzuheben.

Der Verlust, den die sächsischen Truppen in diesen verschiedenen Gefechten gehabt haben, besteht aus 4 todten, 25 verwundeten und 3 gefangenen Officieren, worunter ein schwerverwundeter, ein kranker und ein als Kourier aufgehobener. Der Verlust an Unterofficiers und Gemeinen, beläuft sich höchstens auf 5 bis 600 Todte und Blessirte.


Zeitungsnachrichten.Bearbeiten

Warschau, vom 5ten August.

Brzesc und Kobryn sind auch von dem Korps des Generals Tormasow beunruhigt worden, aber der General Reynier, welcher ein Korps Sachsen kommandirt, leistete ihm mit Erfolg Widerstand. Man hofft, daß in Kurzem dieses Korps von zwey Seiten angegriffen werden wird, sobald nur der Divisionsgeneral Kosinski mit den Konföderirten von Lublin, Siedleck und Radom heranrückt.

Dem General Reynier, heißt es, sey es geglückt, den General Tormasow auf der Gränze von Volhynien zu schlagen.


Dresden, den 9ten August.

Durch einen aus dem Hauptquartier des 7ten Armeekorps am 31sten July abgegangenen Officier ist die Nachricht eingegangen, daß der General von Klengel, mit seiner aus dem Regiment König und einem Theil der Regimenter Niesemeuschel Infanterie und Prinz Klemens Ulahnen bestehenden Brigade, am 27sten d. M. bey der Vertheidigung des Posten Kobryn (in Brcesk) gegen das Korps des russischen Generals Tormassow, nach einem 10stündigen tapfern Widerstande, der feindlichen Uebermacht unterlegen hat und in Gefangenschaft gerathen ist. Der kommandirende General Graf Regnier hat nach diesem Vorfalle den nachstehenden Armeebefehl [≡] erlassen, welcher zugleich das rühmliche Verhalten der Truppen in den Gefechten bey Pinsk und Janowa bezeichnet. Das 7te Armeekorps hat am 31sten in Roszanna gerastet, und war im Begriff, sich gegen den 31sten August bey Slonim mit der österreichischen Armee zu vereinigen, und dann von Neuem gegen den Feind vorzurücken.


Mitau, den 15/27sten August.

Ein officielles Schreiben aus Wilna meldet Folgendes:

Der Fürst von Schwarzenberg hat, in Verbindung mit den sächsischen Truppen, den General Tormassoff am 12ten August geschlagen, die Russen aus Kobryn verjagt und ihnen, an Todten, Verwundeten und Gefangenen, einen Verlust von 4500 Mann geursacht. Ausserdem hat er auf dem Wege nach Dissin 800 Bagagewagen genommen.


Aus Sachsen, den 23sten August.

Von den in die Gegend um Kiew gebrachten Gefangenen der Brigade Klengel sind mehrere Briefe an ihre Verwandte und Freunde angekommen, welche für die Ihrigen ziemlich beruhigend sind.


Warschau, den 13ten Oktober. [4]

Neuern Nachrichten zufolge solle der französische General Regnier, Befehlshaber des sächsischen Armeekorps, hinter dem Bug eine ernsthafte Affäre mit dem Feinde gehabt und ihn geschlagen haben.


Berlin, den 8ten December. [5]

Die neuesten Berichte aus Wilna vom 1sten December melden Folgendes von der großen Armee:

Das Korps des Generals Sacken ist nach Volhynien zurückgeworfen worden. Der General Regnier verfolgte es, und war den 26sten zu Bresesc; das russische Korps hat 7824 Gefangene verloren, und eine große Anzahl von Blessirten, Getödteten und Zerstreuten sind in den Wäldern.


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Polen.

Am 29 Dez. stand das sächsische Korps unter Gen. Regnier in Siedlce, vierzehn Meilen von Warschau, und war in vollem Marsche nach dieser Hauptstadt begriffen, wo große Ruhe und Furchtlosigkeit herrschte. Nicht unbedeutend hatte auch dieses sächsische Korps durch die ungewöhnlich strenge Kälte, nichts hingegen durch den sehr geschwächten und allen Gefechten ausweichenden Feind gelitten. Ueber Mangel an Proviant und Fourage war nie geklagt worden. Es sind große Transporte zum Schutz gegen die Kälte und zur Winterbedeckung aus der Provinz und in der Residenz gesammelt und durch schnelle Gelegenheit abgesandt worden.


Quellen. Bearbeiten

  1. Der Krieg in Deutschland und Frankreich in den Jahren 1813 und 1814. Von Carl v. Plotho. Berlin, bei Carl Friedrich Amelang 1817.
  2. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 263 Freytag, den 1. /13. November 1812.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 293 Freytag, den 6/18. December 1812.
  4. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 256. Donnerstag, den 24. Oktober/5. November 1812.
  5. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 293 Freytag, den 6/18. December 1812.


  • Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 195. Mittewoch, den 14/26. August 1812. ff.
  • Summarium der neuesten Politischen Tagesereignisse. 1813 Nro.6
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