Vierzehnter Tagsbericht von der k. k. Armee.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Nachdem dermal ein allumfassender Hauptbericht über die Operation der großen Armee vom 19ten bis 25sten April von Sr. Kaiserl. Hoheit dem Erzherzog Generalissimus eingelangt ist, wovon nur einige Bruchstücke bisher dem Publikum bekannt waren, so wird solcher hiermit demselben im Zusammenhange mitgetheilt.


Hauptquartier Katzenberg bey Cham, den 22sten April 1809.

Nach dem Uebergang über die Isar setzte die Armee ihren Marsch an die Donau in der Richtung gegen Kehlheim fort, theils um sich mit dem 1sten und 2ten Armee-Korps, welche bereits bis Neumark und Hemau vorgerückt waren, in nähere Verbindung zu setzen, theils um den unter Anführung des Marschalls Davoust bey Regensburg gesammelten 4 Divisionen Gudin, Morand, Friand und St. Hilaire, dann den 2 Kavallerie-Divisionen St. Sulpice und d'Espagne, die Vereinigung mit den bey Abensperg gelagerten 3 bayerischen Divisionen durch die Defileen von Abbach und Post Paal zu erschweren. In dieser Ansicht wurde das 3te und 4te Korps, nebst dem 1sten Korps de Reserve, nach einem forcirten Marsch am 19ten dieses bey Kloster Ror zusammengezogen, das 5te Korps zur Beobachtung der Bayern bey Siegenburg aufgestellt, und das 6te erhielt den Auftrag, von Mosburg über Au und Mainburg die Vorrückung der Armee in ihrer linken Flanke zu decken.

Am 20sten führten Se. Kaiserl. Hoheit der Generalissimus die ersten 3 Korps über Groß-Muß und Viehhausen gegen den Feind, welcher vorwärts Regensburg zwischen den beyden Chausseen von Abach und Eckmühl gelagert war.

Auf den Höhen hinter Puck und Hausen stieß die Armee auf eine feindliche Rekognoscirung; die Avantgarden kamen ins Gefecht, und die Kolonnen setzten ihren Marsch fort.

Der Marschall Davoust erkannte sogleich die Gefahr, welche seine einzige Kommunikationsstraße über Abach bedrohte, und fühlte die Nothwendigkeit, sich derselben mit der äußersten Anstrengung zu versichern. Er kam uns demnach mit seiner ganzen Stärke entgegen, und das Treffen wurde allgemein. Beyde Theile fochten mit einer unbeschreiblichen Hartnäckigkeit bis in die Nacht, und der Verlust war groß von beyden Seiten. Der rechte Flügel drang endlich bis Dinzling vor, gegen den linken aber hatte der Feind alle seine Kräfte aufgeboten, weil er seine Kommunikation am nächsten bedrohte. Offiziers und Soldaten betrugen sich wie Helden; die Generale waren stets an der Spitze ihrer Truppen; der F. M. L. Fürst Hohenzollern und General Fürst Louis Lichtenstein ergriffen selbst die Fahnen, und drangen untere einem mörderischen Feuer in den Wald, aber der Feind focht für seine Erhaltung, und erkaufte sie mit ungeheurer Aufopferung.

Die Nacht brach heran, das 4te Korps behauptete das Schlachtfeld, ohne jedoch die Höhen von Abach erreichen zu können. Der Feind benutzte diesen Vortheil, ließ eine Besatzung in Regensburg zurück, und vollbrachte seine Vereinigung längs der Donau mit der bayerischen Armee unter dem Schutze der vorliegenden Wälder und Höhen, auf welchen er seine Bewegung durch eine Kette von Posten masquirte. An diesem Tage wurden beyderseits nur wenige Gefangene gemacht.

Viele einzelne Züge der Tapferkeit bleiben einer ruhigeren Erzählung vorbehalten.

Am 21sten früh setzte die Armee ihren Angriff fort, das Korps de Reserve drang im Rücken der feindlichen Stellung auf der Straße von Eckmühl nach Regensburg vor, und zwang daselbst das 65ste französische Linien-Regiment die Waffen niederzulegen.

Viele versprengte feindliche Soldaten wurden eingebracht; die Zahl der Gefangenen belief sich auf einige tausend. Noch hielt die französischen Arriergarde den Punkt von Abach besetzt, die feindliche Armee aber, welche die ganze Nacht mit Hinterlegung der Defileen längs der Donau zugebracht hatte, warf sich nunmehr vereinigt mit den Bayern auf das 5te Armee-Korps, und drang es bis über die Isar bey Landshut zurück. Das 6te Korps folgte dieser Bewegung, da es in den äußerst schlechten Seitenwegen, in welchen das Geschütz bey dem eingefallenen Regen kaum fortzubringen war, nur zum Theil zur Unterstützung des 5ten Korps mitwirken konnte. Das Hauptquartier Sr. Kaiserl. Hoheit des Generalissimus kam an diesem Tage nach Eglofsheim zwischen Eckmühl und Regensburg, und das 3te und 4te Korps, nebst dem Korps de Reserve hielt Regensburg und die Höhen besetzt, auf welchen der Feind am Tage der Schlacht aufgestellt war.

Kaiser Napoleon war mit beträchtlichen Verstärkungen, vorzüglich an Kavallerie und an würtembergischen und badischen Truppen angelangt, und übernahm sogleich den Oberbefehl über seine nunmehr ganz vereinigte Armee.

Am 22sten griff derselbe das 3te Armee-Korps auf dem äußersten linken Flügel mit großer Lebhaftigkeit in der Gegend von Langwart und Lauerndorff an; das Gefechte dauerte abermals bis in die Nacht, aber sein Angriff wurde durch den tapfern Widerstand unserer Truppen vereitelt.

Die angekommenen Verstärkungen des Feindes bewogen Se. Kaiserl. Hoheit der Generalissimus, das 2te Armee-Korps aus der Gegend von Hemau jenseits der Donau an sich zu ziehen, und obwohl die Truppen seit 3 Tagen wegen der beständigen Gefechte keine Erholung genossen, und die Zufuhr der Verpflegung auf den verdorbenen Wegen nicht eintreffen konnte, beschlossen Höchstdieselben, den ausharrenden Muth der Armee zu benutzen, am 23sten einen allgemeinen Angriff auf die Stellung des Feindes zwischen Peising und Dinzling zu unternehmen, und wo möglich auf Abensberg und Kloster Rohr vorzudringen. Das Schlachtfeld war also beynahe das nämliche, nur die Armeen hatten ihre gegenseitige Stellung gewechselt.

Die Kolonnen waren bereits in Bewegung, als der Feind abermals den Angriff vom 22sten auf unseren linken Flügel erneuerte, und zugleich mit 16 Kavallerie-Regimentern über Schierling in die Ebene von Eckmühl debouchirte. Diese Bewegung zwang unsere Kolonnen, sich in ihren linken Flanke zu entwickeln, und Se. K. Hoheit befahlen dem 3ten Armee-Korps, sich etwas zurück zu ziehen, um nicht in seiner Flanke umgangen zu werden.

Diese Bewegung geschah in solcher Ordnung, daß unsere Infanterie stets Meister ihrer Aufstellung blieb, und vom Feinde nicht verdrängt werden konnte. Erst um 5 Uhr Abends gelang es der feindlichen Reiterey durchzubrechen, und drey unserer leichten Kavallerie-Regimenter, welche sich vortrefflich gehalten hatten, durch ihre Mehrzahl über den Haufen zu werfen.

Se. Kaiserl. Hoheit ließen sogleich 4 Kürassier-Regimenter zur Unterstützung herbeyeilen, aber der Feind verfolgte seine Vortheile so rasch und mit solcher Uebermacht, daß auch diese mit fortgerissen und bis Traubling gegen Regensburg verfolgt wurden. Die Infanterie des 3ten Korps war nunmehr gezwungen, ihre Stellung zu verlassen, da sie bereits vom Feinde umgangen war.

Man benutzte die Nacht, um noch eine Schiffbrücke über die Donau nächst Regensburg zu schlagen, die Armee in einer konzentrirten Stellung vor der Stadt zusammenzuziehen, und einige Vertheidigungsanstalten zu treffen, um den Uebergang zu sichern. Dieser geschah am 24sten bey hellem Tage im Angesichte des Feindes unter dem Schutze unserer Artillerie und Kavallerie, die durch 4 Stunden jeden Angriff des Feindes zurückwies, und sein Andringen mit der kühnsten Entschlossenheit aufhielt.

Um 12 Uhr war der Uebergang vollendet, die Schiffbrücke abgebrochen, und einige Bataillons blieben in Regensburg, um die Verfolgung des Feindes bis zur einbrechenden Nacht zu verhindern.

Der französischen General Hervo ist auf dem Schlachtfelde geblieben. Oesterreichischer Seits wurden nebst den schon genannten Generalen Lusignan, und den beyden Fürsten Lichtenstein, die Generale Fürst Rohan und Schneller verwundet. Wir haben einige Batterien verloren, von welchen die Bedienung und Pferde todtgeschossen, und bey dem raschen Vordringen der Kavallerie nicht sogleich ersetzt werden konnten.

Der Feind bewarf Regensburg mit Haubitzgranaden, um unsere Besatzung daraus zu vertreiben; diese zog sich gegen Abends heraus, aber ein großer Theil der Stadt wurde ein Raub der Flammen. Wodurch die unglückliche Stadt ein so grausames Schicksal verdient habe, läßt sich aus militärischen Gründen nicht erklären; unsere Besatzung, um die Verfolgung des Feindes bis Abends aufzuhalten, war Kriegsraison; dieser Zweck war erreicht. Was aber den Feind bewog, die Existenz so vieler unschuldigen Familien zu zerstören, darüber möge ihn sein eigenes Gewissen beruhigen.

F. M. L. Chasteller meldet aus Innsbruck mit wiederholtem Lobe der Tapferkeit und treuen Anhänglichkeit der heldenmüthigen Tyroler, daß sie bereits dem Feinde 8000 Gefangene abgenommen haben, daß unsere Vorposten bis Reutti und Füssen vorgerückt, südlich eine Kolonne ins Etschthal geschickt, und Kufstein bloquirt sey.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Interessante Beyträge zu einer Geschichte der Ereignisse in Tyrol vom 10. April 1809 bis zum 20. Februar 1810. Gesammelt und herausgegeben zur unterhaltenden Vergleichung mit andern Nachrichten, Zeitungen und französischen Armee-Tags-Berichten -- nebst kurzen Anmerkungen. 1810.
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