Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Würzburg.[]

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Die Hauptstadt Würzburg hat eine angenehme, doch etwas versteckte Lage an beiden Ufern des 300 Schritten breiten Mains, über welchen eine 540 Fuß lange steinerne Brücke führt, die beide Theile der Stadt mit einander verbindet. Sie hat in ungefähr 1900 Häusern gegen 21,000 Einwohner. Unter den öffentlichen Gebäuden zeichnet sich das große und schöne, 1720 neuerbaute ehemalige Residenzschloß, in welchem auch sehr geräumige Keller sind, vorzüglich aus. Den ersten Rang nach ihm hat das große, reich dotirte und vortrefflich eingerichtete Juliushospital, welches ein Accouchirhaus, einen botanischen Garten, anatomischen Saal und verschiedne Sammlungen hat, und für junge Aerzte sehr interessant ist. Unter den vielen Kirchen zeichnen sich einige aus, so wie es auch verschiedne prächtige Privatgebäude gibt. Die Gassen sind, dem Alter der Stadt gemäß, ungleich und zum Theil eng. Die im J. 1582 von dem Bischof Julius gestiftete, oder vielmehr neuorganisirte Universität hat bisher immer einen hohen Rang unter den catholischen Universitäten Deutschlands behauptet, und mehrere sehr berühmt gewordne Lehrer gehabt. Die Frequenz der Studirenden soll seit einiger Zeit abgenommen haben, doch ziehen die vorzüglichen medicinischen Anstalten viele Fremde herbei. Außerhalb der Stadt, auf dem linken Ufer des Mains, liegt auf einem 400 Fuß hohen Berge die Citadelle, die Marienburg. Auf einem Abhange dieses Berges, die Leiste genannt, wächst der Leistenwein, und auf dem ebenfalls unweit der Stadt liegen den Steinberge der Steinwein. Ueberhaupt rechnet man auf 7000 Morgen Weinberge, welche die Stadt umgeben.


Von Reisende.[]

Jean-Philippe Graffenauer.

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Wenn man sich, von Bischoffsheim aus, Würzburg nähert, macht die schöne Gegend einen höchst angenehmen Eindruck, da man die mannigfaltigsten und entzückendsten Aussichten genießt. Von der Höhe der Chaussee übersieht man die in einer Vertiefung liegende Stadt in ihrem ganzen Umfange, mit ihren vielen Kirchen und Thürmen. Man sieht den Main, einen bedeutenden Fluß, der Würzburg durchströmt, und weiterhin das Kloster Zelle und die Abtey Schwartzbach, die sehr anmuthig an seinen Ufern liegen. Rechts bewundert man die auf einem ziemlich Hohen Berge liegende Citadelle, und im Hintergrunde des herrlichen Amphitheaters steigen Weinberge mit ihrem wohlthätigen Trauben-Reichthum empor.

Dieses Gemälde wird noch mannigfaltiger, wenn man, nachdem man die Vorstadt passirt hat, auf der großen Main-Brücke ankommt. Diese Brücke, welche Würzburgs-Bewohner als einen öffentlichen Spatziergang benutzen, ist von Stein so fest erbauet, daß sie der großen Ueberschwemmung von 1784 Widerstand leistete. Sie ist mit kolossalen Bildsäulen der Heiligen und Apostel geschmückt, deren jede in einer Nische stehet, die auf einen Felsen ruhet. Leider aber machen diese Statuen ihrem Verfertiger keine Ehre; sie belasten die Brücke, statt ihr zum Schmuck zu dienen.

Von der Main-Brücke hat man eine herrliche Aussicht. Von der einen Seite die Stadt, ihren Hafen, und die von Menschen wimmelnden Kais; auf der entgegengesetzten Seite die Vorstadt, hinter welcher sich der Calvar-Berg mit seinen zwölf Stationen erhebt.

Der Main ist hier sehr breit. Er ist mit Fahrzeugen aller Art bedeckt, und wenn man seinen Lauf über lachende Hügel und durch Frucht-Felder, die er bewässert, verflogt, so ruht das Auge zuletzt oft auf dem Felsen aus, wo der vortreffliche Franken-Wein wächst, den die Deutschen Stein-Wein nennen.

Würzburg ist eine große, gut gebaute, befestigte Stadt; sie liegt im ehemaligen Bisthume dieses Namens, dessen Hauptort sie ist. Dieses Land, welches kurze Zeit zu Baiern gehörte, macht jetzt ein Großherzogthum aus, das dem Erzherzoge Ferdinand, Bruder des östreichischen Kaisers, gehört.

In der Stadt selbst ist das prächtige Schloß merkwürdig, welches die Residenz des Großherzogs ist, und sich durch seine geschmackvolle Bauart im neuen Styl auszeichnet. Es wird von einigen Kennern für ein Meisterstück der Baukunst gehalten. Der Bischoff Franz, Graf von Schönbrunn, legte im Jahr 1720 den Grundstein dazu. Zu den vorzüglichsten Kunstwerken in demselben gehört die große Haupt-Treppe, und ein treffliches Fresko-Gemälde, am Plafond des Korridors. Man sieht darauf die vier Erdtheile, die durch ihre in ihrem eigenthümlichen Kostume abgebildeten Einwohner, und die vorzüglichsten dort lebenden Thiere bezeichnet werden.

Dieses Schloß liegt frey, auf einem Platz von beträchtlichem Umfange, der auf beiden Seiten mit einem Halbzirkel von Gebäuden, und einem hohen Obelisk verziert ist, über welchem eine vergoldete Kugel schwebt. Es ist mit einem schönen Garten umgeben, der an die Befestigungs-Werke der Stadt stößt, und dessen Hintergrund sich stufenweise amphitheatralisch erhebt, und zuletzt auf einen Wall führt, wo man einer freundlichen, an Abwechselung reichen Aussicht über einen Theil der Stadt und ihrer Umgebungen genießt: dieser Garten steht bis neun Uhr Abends jedem Spatziergänger offen. Am mehrsten wird er jedoch Sonntags zwischen eilf und zwölf Uhr besucht, wo die schöne Welt haufenweise hinströmt, um hier zu lustwandeln und hernach der Parade zuzusehen.

Würzburg hat viele Kirchen, Mönchs- und Nonnen-Klöster, von denen jedoch seit einigen Jahren mehrere aufgehoben worden sind; doch begegnet man auf den Straßen Ordensgeistlichen aller Art, Kapuzinern, Franziskanern, Bernhardinern und andern. Unter den Kirchen gebührt der erste Rang dem Dome, einem gothischen Gebäude, worin mehrere merkwürdige Denkmähler angetroffen werden, und dessen Seiten-Altäre mit schönen Gemälden prangen. Schade nur, daß diese Kirchen queer vor der Dom-Straße, einer der größesten und breitesten Würzburgs, liegt. Hierdurch wird die Aussicht beschränkt; da die große Main-Brücke gerade nach dem Schlosse führen würde, sieht man sich nun genöthigt, einen Umweg zu machen und links durch den gewölbten Gang eines Hauses zu gehen. Dieß ist um so unangenehmer, da hier eine der besuchtesten Gegenden der Stadt und stete Passage ist.

Die Straßen in Würzburg sind, mit Ausnahme weniger breiten und regelmäßigen, eng, und die Häuser großentheils schlecht gebaut, und nicht geräumig; doch giebt es Ausnahmen, und man findet auch weitläuftige, im besten Geschmack ausgeführte Gebäude. Man trifft auch herrliche Springbrunnen in Würzburg an. Vorzüglich zeichnet sich die Fontaine mit vier Röhren in der Dom-Straße, und die in der Karmeliter-Straße durch ihre zweckmäßige und zierliche Einrichtung aus.

Das Theater, welches erst seit einigen Jahren besteht, hat sein Lokal in einem Privat-Hause, das in zwey Hälften getheilt ist. Die eine, dem Eingange links, ist ein Kaffeehaus; zur Rechten tritt man in den Schauspiel-Saal. Die Würzburger kommen häufig hieher, da der hinter diesem Vergnügungs-Orte gelegene Garten zu Spatziergängen und Zusammenkünften viel Bequemlichkeit darbietet.

Die Würzburger Universität, die zu den berühmtern gehört, ist sehr alt; sie ward bereits 1591 vom Bischoff Julius gestiftet. Sie hat jedoch, seit Baiern dieses Land an den jetzigen Besitzer abtrat, viele ihrer berühmtesten Professoren verloren, und fängt an, in Verfall zu gerathen.

In dem Universitäts-Gebäude, das gleichfalls im gothischen Styl erbauet ist, ist die Bibliothek aufgestellt, die zwar zahlreich genug, aber in vielen Fächern der Gelehrsamkeit unvollständig ist.

Nichts ist jedoch in Würzburg der aufmerksamsten Beachtung werther, als das große Julius-Hospital, das eins der schönsten Häuser dieser Stadt, und zugleich eins der vortrefflichsten Institute dieser Art ist. Seinen Namen verdankt es seinem Stifter, dem Fürst-Bischoff Julius, welcher es 1576 zu erbauen anfing. Der größte Theil desselben brannte im Jahr 1704 ab. Doch die Nachfolger des Stifters, die von denselben Gesinnungen des Wohlwollens gegen die leidende Menschheit geleitet wurden, ließen es wieder aufbauen, und beträchtlich erweitern. Erst 1791 ward unter der Regierung des Fürst-Bischoffs Franz Ludwig die herrliche Façade, die so große Wirkung thut, und die Bewunderung aller Reisenden erregt, vollendet. Das Lokal dieser musterhaften Anstalt ist sechs hundert sechzig Fuß lang, und fünfzig Fuß breit; es hat zwey Stockwerke und eine Reihe Dach-Stuben. Es liegt in einer Straße, die sich durch ihre Länge und Breite auszeichnet, und mit Bäumen, die im kraftvollsten Wachsthum stehen, besetzt ist, unter welchen die Bewohner Würzburgs lustwandeln. Die Lage dieses Hospitals ist glücklich gewählt; da es an einem Ende der Stadt liegt, so ist es der Sonne und dem freyen Durchstrome der Luft zugänglich.


Zeitungsnachrichten.[]

[1806]

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Würzburg, 30. April.

Se. Kön. Hoheit unser durchlauchtigster Kurfürst werden morgen hier erwartet; unter ihrem Gefolge befinden sich der Herr Fürst Rospigliosy, Oberkämmerer, Graf von Wolkenstein, dirigirender Minister, Hr. Herr Rainoldi, Hofrath und Cabinetssekretär. Uebermorgen sollen Se. kön. Hoheit der Kurprinz, dann Marq. Aradi Ajo eintreffen, nebst 2 Cabnetsbeamten; am 3. Mai kommen die 2 Herzoginnen mit der Frau von Herbert Aja an.

[4]
Würzburg, 2. Mai.

Gestern feierten die Bürger Würzburgs den freudenvollsten Tag dieses Jahrs. Sie genießen nun das heißersehnte Glück, ihren allgeliebten und innigst verehrten Landesvater in ihrer Mitte zu sehen. Se. Königl. Hoheit unser durchlauchtigster Kurfürst Erzh. Ferdinand kam bei höchstem Wohlseyn Abends um 5 Uhr in der hiesigen kurfürstlicher Residenz an.

[5]
Würzburg, 3. Mai.

Gestern Abends um halb 8 Uhr trafen Se. k. Hoh., der Kurprinz Leopold, in höchstem Wohlseyn in der hiesigen Hofburg ein. -- Morgen, am 4. d., wird unter Paradierung sämmtlicher Bürgerkorps in der hohen Domkirche ein feierliches Hochamt und Te Deum gehalten, dem unser durchlauchtigster Kurfürst nebst dem ganzen Hofstaate beiwohnen werden. Abends wird die ganze Stadt erleuchtet seyn.

[6]
Schweinfurt, 9. Mai.

Der ehemahlige Professor zu Würzburg, Hartleben, ist in Coburg als Regierungsrath angestellt, die Justiz-Polizei-Fama erscheint aber noch fortwährend in Würzburg. Man glaubt, daß die Würzburger Universität die an das Hofgericht im vorigen Jahre übertragene Gerichtsbarkeit wieder erhalten werde. Man erwartet daselbst viele Siebenbürger, so wie auch Protestanten aus den verschiedenen Provinzen der österr. Monarchie. Es ist deswegen eine Uebereinkunft mit dem Wiener Hof eingeleitet worden.

[7]
Miscellen.

Zu Wür~burg übernahm am 8. August das neue Churfürstliche Militär die Wachen von den Bürgern, welche selbige seit einem hal~en Jahre versahen. Bloß die Handel~leute leisten noch die Dienste der Churfürstl. Leibgarde, welche aber ebenfalls in Kurzem errichtet seyn wird. Das neue Militär erhält wie ehemahls weisse Montur mit rothen Aufschlägen und Casketten.


Quellen.[]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Meine Berufsreise durch Deutschland, Preußen und das Herzogthum Warschau, in den Jahren 1805, 1806, 1807 und 1808. Von J. P. Graffenauer, Doktor der Arzneygelahrtheit, vormaligem Arzte bey der großen französischen Armee, mehrerer gelehrten Gesellschaften Mitgliede. Chemnitz, bey Carl Maucke. 1811.
  3. Bamberger Zeitung. Nro. 124. Sonntag, 4. Mai 1806.
  4. Bamberger Zeitung. Nro. 125. Montag, 5. Mai 1806.
  5. Bamberger Zeitung. Nro. 126. Dienstag, 6. Mai 1806.
  6. Bamberger Zeitung. Nro. 131. Sonntag, 11. Mai 1806.
  7. Wiener Zeitung. Nro. 68. Sonnabend, den 23. August 1806.
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