Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Waldenburg.[]

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Waldenburg, Wallenberg, Walmrich, offenes aber wohlgebautes und nahrhaftes Städtchen mit 1458 Einwohn., 1 luther. und 1 kathol. Kirche im Fürstenthum Schweidnitz, in Schlesien. Es hat einen sehr bedeutenden Handel mit Leinwand und ist der Sitz des Bergamts für das Fürstenth. Schweidnitz. In der Nähe wird eine Steinkohlengrube bearbeitet


Zeitgeschichte der Stadt.[]

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1789 besaß Waldenburg 116 Häuser und 1090 Einwohner.

1793 erhob der König die seit 1778 hier befindliche Berg-Deputation zum Königlichen Bergamt des Fürstenthums Schweidnitz. -- Die obengenannte Wittwe Treutler kaufte der Stadt für 500 Rtl. eine neue Schlauchspritze, welche ihr bis itzt fehlte. -- Am Ostersonnabend tumultuirten die Weber, weil die Leinwandpreiße schnell sanken, mißhandelten den Landrath von Czettritz, und durch militairische Gewalt mußte die Ruhe wieder hergestellt werden.

1800 enthielt Waldenburg 143 Häuser und 1,540 Einwohner, worunter 17 Kaufleute die ansehnlichsten Geschäfte machten. Aber leider zerrüttete Napoleons Weltstürmerei diesen blühenden Handel, denn bereits 1806 war die Ausfuhr-Summe bis 6,98,000 Rtl. heruntergekommen. Als nun endlich der unglückliche Krieg zwischen Preußen und Frankreich ausbrach, als Napoleons deutsche Helfershelfer Schlesiens Vestungen berennten -- da mußte auch unsre Stadt ihre Geißel empfinden.

1807 den 31. Januar fiel 1/2 Meile von der Stadt, auf der sogenannten rothen Höhe zwischen den Belagerungstruppen von Schweidnitz und einer Schaar Preußen aus Glatz ein Gefecht vor, welches zum Nachtheil der erstern endete. Um sich zu rächen, schickte Vandamme von Schweidnitz

Den 1. Febr. 2,500 Würtemberger, welche unmenschlich hausten; auf den Gassen überall Feuer machten, Holzbrände durch die Fenster in die Häuser warfen, dann eindrangen, und bis 1 Uhr Nachmittags plünderten, wo ihr Anführer, der Oberst Hügel, nachdem er seinerseits auch unmäßige Forderungen gemacht hatte, zum Aufbruch blasen ließ.

Den 2. Febr. Morgens kam ein neues Kommando von 160 Mann halb Fußvolk und halb Reuterei, blieb 3 Stunden, plünderte gleichfalls und schleppte noch dazu den Burgermeister Sachse ins Hauptquartier nach Schweidnitz. Nur durch Bitten und große Geschenke ließ sich der habsüchtige Vandamme bewegen seine Brandschatzungsgelder zu mäßigen und der Stadt eine Sicherheitswache zu bewilligen, die auch Tages darauf ankam und so ziemlich Ordnung erhielt. Als aber nach der Uebergabe von Schweidnitz die Preußen über Friedland her wieder Streif-Korps schickten, so kamen

Den 9. Febr. 3,000 Würtenberger, quartirten sich 6 Tage lang in die Stadt, umgaben dieselbe mit Verhau's und drückten die Einwohner nach Herzenslust.

Am 18. Febr. mußte die Stadt den General Vandamme und dessen 6,000 Mann starkes Korps -- begriffen auf dem Zuge nach Glatz -- bewirthen, und auch von itzt an bis zum 14. Juli fast täglich kleine Trupps Soldaten verpflegen.

Nach dem [[Frieden von Tilsit}Tilsiter Friedensschluß]] waren die ersten Gäste das Würtenbergsche Jäger-Bataillon unter Obrist Hügel, welches sich am 1. Febr. so empörend bewiesen hatte. Es verweilte 3 Wochen und betrug sich nicht viel besser als im Kriege. Gleich darauf rückte ein Bataillon Baiern ein, b ieb eben so lange, hielt aber bessere Mannszucht. Nur das mitgebrachte Lazareth verursachte der Stadt großen Aufwand. Mit Ende des August zogen die Baiern ab und eine halbe Kompagnie des 103. französischen Linienregiments quartierte sich bis zum 20. Oktober ein und machte dann einer Grenadier-Kompagnie des 40. Linienregiments der Franzosen Platz, welche bis

1808 den 30. April stehen blieb und die Einwohner unsäglich belästigte. Ihr Chef Namens Milot, ob er gleich eine städtische Kaufmannstochter heirathete, verfuhr ohne alle Schonung. Er nebst 7 Offizieren ließen sich monatlich 1,200 Rtl. Tafelgelder zahlen und den Einwohnern wurde außer der Beköstigung seiner Mannschaft noch für diese ein sogenanntes Putzgeld auferlegt, welches monatlich über 500 Rthl. betrug. Genug, als die Franzosen am Schlusse des Jahres das Land verließen, fand es sich, daß nur allein Waldenburg 126,780 Rthl. hatte aufwenden müssen. Von dieser Summe waren 85m889 Rthl. baar aufgebracht und 40,890 Rthl. erborgt worden. Eine schreckliche Lage für die guten Einwohner, zumal da sich der Ertrag ihres Leinwandhandels immer mehr verminderte und 1809 nur noch 92,000 Rthl. einbrachte.

Der Kaufmann Aug. Fr. Töpfer, welcher zu Ende des Jahres 1808 starb, vermachte 600 Rthl. als Fond eines Kapitals, das, wenn es durch die dazugeschlagenen Zinsen bis 1000 Rthl. angewachsen, dann zur Verbesserung der Schulen angewendet werden soll.

1813 stellte Waldungen 28 Eingebohrne zur Vertheidigung des Vaterlandes unter Preußens Fahnen. Zwei davon fanden den Tod auf dem Schlachtfelde, und 4 erhielten das eiserne Kreuz. Zu Offizieren ernannte der König 14. Daß auch unsere Stadt zur Ausrüstung der Landwehr gern beisteuerte, bezeuget die nachrichtlich angegebene Summe von 8,300 Rthl.

Am 14. Juni verlegte Graf Wittgenstein, Russischer General auf 2 Monate sein Hauptquartier hierher. Außer ihm, dem Prinzen Heinrich von Preußen, 8 Generalen und 150 Offizieren mußte die Bürgerschaft noch 600 Kosaken und 1,700 Pferde bequartiren, welches abermals ungeheuern Aufwand erforderte. alle Leinwandversendung ins Ausland hatte itzt aufgehört, und der Ansatz in diesem Jahre betrug nur 64,000 Rthl. größtentheils zu Bedürfnissen des Kriegsheeres verwendet. Doch

1814 hob sich der Handel wieder so weit, daß für 187,000 Rthl. Leinwand abging. 1815 für 274,000 Rthl. und 1816 für 312,000 Rthl. eine Folge des allgemeinen Friedens.


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
  2. Zeitgeschichte der Städte Schlesiens mit Abbildungen herausgegeben von D. Christ. Friedrich Emanuel Fischer und Carl Friedrich Stuckart. Schweidnitz bei Carl Friedrich Stuckart. 1819.
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