Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Waffenstillstand zu Steyer.[]

Der fünf und zwanzigste December 1800.

Am Abend des 20ten Decembers war die französische Rheinarmee gröstentheils jenseits der Traun aufgestellt und verfolgte die Oesterreicher auf ihrem Rückzug, um über die Ens zu gehen, als auf einmal der Erzherzog Karl erschien, nicht um das Schwert zu bringen, sondern den Frieden. Er verlangte im französischen Hauptquartier Pässe für den General Meerveld, um als Unterhändler auftreten zu können. Der General Moreau wies anfangs die Vorschläge kalt zurück, indem er erklärte, daß er sich nur auf Krieg oder Frieden, nicht aber auf einen Waffenstillstand einlassen könne. Indessen kam derselbe doch heute, am Geburtstag des grösten Menschenfreundes, den je die Welt sah, zu Stande. Die Festungen Kufstein und Scharnitz im Tyrol, die Pässe Fintermünz und Nauders, dann die Festungen Würzburg und Braunau wurden der französischen Armee als Unterpfand der aufrichtigen Friedensneigung von Seiten Oesterreichs übergeben.


WaffenStillstandsConvention von Steyer, vom 25 Dec. 1800.[]

Da Se. Majestät der Kaiser und König sofort mit der fränkischen Republik den Frieden verhandeln wollen, welches auch die Entschliessung Ihrer Alliirten seyn möge, und die OberGenerale der fränkischen und der kaiserlichen Armee in Teutschland wünschen, den vom Kriege unzertrennlichen Uibeln, so viel in ihrer Gewalt steht, Einhalt zu thun, so sind sie übereingekommen, einen WaffenStillstand und eine Einstellung der Feindseligkeiten zu verhandeln, und haben zu dem Ende respective mit besonderen Vollmachten beauftragt: der OberGeneral Moreau den BrigadeGeneral Victor Fanneau Lahorie, und Se. Königl. Hoheit der Erzherzog Karl den GeneralMajor Grafen von Grüne und den Obristen von Weirotter vom GeneralStab, welche beschlossen haben, was folgt:


I. Die DemarcationsLinie zwischen der Stellung der gallobatavischen Armee unter Befehl des Generals Augereau in den westphälischen, oberrheinischen und fränkischen Kreisen, bis Baiersdorf, wird zwischen diesem General und dem General der ihm entgegengesezten K. K. Armee besonders bestimmt werden. Von Baiersdorf zieht sich diese Linie nach Erlangen und Nürnberg, Neumark, Parsberg, Laber, Stadt am Hof und Regensburg, wo sie über die Donau geht, an deren rechtem Ufer sie sich, bis an die Erlaph zieht; an dieser steigt sie hinauf bis zu deren Quelle, geht über Marktgäming, Kogelbach, Göslingen, Hammer, Mendling, Leopoldstein, Eisenerz, Vorbernberg und Leoben, folgt dem linken Ufer der Muhr bis an den Punkt, wo dieser Fluß die Strasse von Salzburg nach Klagenfurt durchschneidet, folgt dieser Strasse bis Spital, zieht sich auf die Strasse nach Verona über Lienz und Brixen wieder hinauf bis Botzen, geht von da über Meran, Glarus und St. Maria, und kommt über Bormio im Veltlin an, wo sie sich an die Armee von Italien schliest.
II. Die Karte von Teutschland von Chauchard wird in den Erörterungen, welche über die obige DemarcationsLinie entstehen möchten, zur Richtschnur dienen.
III. Auf den Flüssen, welche die beiden Armeen trennen werden, fall das Abschneiden oder die Erhaltung der Brüken, je nachdem man es für die Bedürfnisse entweder der Armeen oder der Gemeinden nüzlich erachten wird, durch besondre Verabredungen bestimmt werden: die OberGenerale der beiderseitigen Armeen werden sich über diese Gegenstände einverstehen, oder das Recht dazu, den auf diesen Punkten kommandirenden Generalen übertragen. Die Schiffahrt der Flüsse wird sowohl für die Armeen als für das Land frei bleiben.
IV. Die fränkische Armee wird nicht allein die sämmtliche Punkte der oben bestimmten DemarcationsLinie besezen, sondern die Linie der VorPosten der K. K. Armee wird auch, um die beiden Armeen durch einen Zwischenraum zu trennen, in ihrer ganzen Ausdehnung, mit Ausnahme der Donau, wenigstens eine teutsche Meile von der Linie der fränkischen Armee entfernt seyn.
V. Mit Ausnahme der Sauvegarden und PolizeiWachen, welche von den beiden gegenseitigen Armeen, und in gleicher, aber möglichst geringer Anzahl in Tirol gelassen, oder dahin geschikt werden mögen, (worüber eine besondre Convention statt finden wird), werden keine andre Truppen Sr. Majestät des Kaisers im Bezirk der DemarcationsLinie bleiben dürfen. Diejenigen, welche sich gegenwärtig in Graubünden, Tirol und Kärnthen befinden, werden sich sofort auf der Klagenfurther Strasse auf Bruk zurükziehen, um zu der Kaiserl. Armee in Teutschland zu stossen, damit keine derselben nach Italien den Weg nehmen können. Sie werden von den Punkten, wo sie sich befinden, aufbrechen, sobald sie von der gegenwärtigen Convention Nachricht erhalten haben, und ihr Marsch wird auf den Fuß von anderthalb teutschen PostStationen täglich bestimmt seyn.
Der OberGeneral der fränkischen RheinArmee ist autorisirt, sich durch Delegirte, welche Auftrag haben werden, dem Marsch der Kaiserl. Truppen bis Bruk zu folgen, der Vollziehung des gegenwärtigen Artikels zu vergewissern. Diejenigen kaiserl. Truppen, welche sich aus der OberPfalz, Schwaben, Franken, zurückzuziehen haben möchten, werden den kürzesten Weg ausserhalb der DemarcationsLinie nehmen. Die Vollziehung dieses Artikels wird unter keinerlei Vorwand über die in Rükzicht der Entfernungen nöthige Zeit hinaus verschoben werden können.
VI. Die Forts Kufstein und Scharniz, und die andern permanenten BefestigungsPunkte in Tirol, werden der fränkischen Armee als Unterpfand übergeben, um in nemlichen Zustand, worinn sie sich befinden, beim Abschluß des Friedens, wenn derselbe ohne Erneuerung der Feindseligkeiten statt hat, zurükgegeben zu werden. Die Pässe Finstermünz, Na..ders und die andern befestigten Feldposten in Tirol, werden zur Disposition der fränkischen Armee übergeben werden.
VII. Die der kaiserlichen Armee gehörigen Magazine im Lande, werden zu deren Disposition gelassen werden.
VIII. Die Festung von Wirzburg in Franken, und der Plaz Braunau im baierischen Kreis, werden ebenfalls der fränkischen Armee übergeben, um unter den nemlichen Bedingungen, wie die Forts Kufstein und Scharniz, wieder erstattet zu werden.
IX. Sowohl die Reichs- als K. K. Truppen, welche diese Pläze besezen, werden dieselben räumen, und zwar: die Besazung von Wirzburg am 16 Nivos J. 9. (6 Jan. 1801), die von Braunau am 14 Nivos (4 Jan.) und die der Tiroler Forts am 18 Nivos (8 Jan.)
X. Alle Besazungen werden mit KriegsEhren ausziehen, und sich auf dem kürzesten Weg mit Waffen und Bagage zu der kaiserl. Armee begeben. Es wird von der Artillerie, den Kriegs- Mund- und sonstigen Vorräthen aller Art, in den besagten Pläzen, mit Ausnahme der auf ihrem Wege bis jenseits der DemarcationsLinie nothwendigen Lebensmittel, nichts hinweggenommen werden dürfen.
XI. Respective Abgeordnete werden ernannt werden, um den Zustand der besagten Pläze zu constatiren, jedoch ohne daß Verzögerungen, welche bei diesem Geschäfte eintreten möchten, dergleichen auch bei der Räumung nach sich ziehen könnten.
XII. Die in Tirol angeordneten ausserordentlichen Aufgebote werden sogleich auseinander gelassen, und die Einwohner in ihre Heimath zurükgesandt werden; die Befehle zur Räumung und zu besagter Auseinanderlassung werden keinerlei Vorwand verzögert werden können.
XIII. Indem der OberGeneral der RheinArmee auch seinerseits Sr. Königl. Hoheit dem Erzherzog Karl einen unzweideutigen Beweis der Motive gegen will, die ihn bestimmt haben, die Räumung Tirols zu verlangen, so erklärt er, daß er sich bei der Räumung der Forts Kufstein, Scharniz, und von Finstermünz, darauf beschränken wird, die im 5. Artikel besagten Sauvegarden und PolizeiWachen im Tirol zu haben, um die Communicationen zu sichern; zugleich wird er den Bewohnern Tirols alle in seiner Macht stehenden Leichtigkeiten zu ihrem Unterhalt geben, und die fränkische Armee wird sich auf keine Weise in die LandesRegierung einmischen.
XIV. Der innerhalb der DemarcationsLinie begriffene Theil des Reichs und der Staaten Sr. Majestät ist wegen Erhaltung und Achtung des Eigenthums und der gegenwärtigen Form der Regierung der Völker, unter die Sauvegarde der fränkischen Armee gesezt. Es werden wegen Dienste, die der Kaiserl. Armee erweisen wurden, noch wegen politischer Meinungen, noch wegen einer thätigen Theilnahme am Krieg, keine Untersuchungen gegen die Einwohner dieser Länder statthaben können.
XV. Mittelst der obigen Verfügungen wird zwischen der gallo-batavischen Armee in Teutschland, der RheinArmee, und der Armee St. K. K. Majestät und Ihrer Alliirten im Teutschen Reiche, WaffenStillstand und Einstellung der Feindseligkeiten auf 30 Tage statthaben; die Feindseligkeiten werden erst nach 15tägiger Aufkündigung, von der Stunde an zu rechnen, wo die Aufkündigung eingegangen seyn wird, wieder angefangen werden können, und der WaffenStillstand wird bis zu einer solchen Aufkündigung unbeschränkt verlängert seyn.
XVI. Es wird von keiner der beiderseitigen Armeen in Teutschland irgend ein Korps oder Detaschement nach den beiderseitigen Armeen in Italien abgeschikt werden dürfen, so lange nicht zwischen den Fränkischen und Kaiserl. Armeen in diesem Lande ein Waffenstillstand eingetreten seyn wird; wenn diesem Artikel zuwider gehandelt würde, so würde solches als ein alsbaldiger Bruch des Waffenstillstandes angesehen werden.
XVII. Der OberGeneral der RheinArmee wird die gegenwärtige Convention den OberGeneralen der gallo-batavischen, der Graubündner, und der Italienischen Armee auf das schnellste zukommen lassen, mit der dringendsten Einladung, insbesondre an den OberGeneral der Armee von Italien, seinerseits einen WaffenStillstand abzuschliessen.
Es wird zugleich für die Passage der Offiziere und Kouriere, welche Se. Königl. Hoheit der Erzherzog Karl sowohl in die zu räumenden Pläze, als nach Tirol, und überhaupt nach den in der DemarcationsLinie während des WaffenStillstands begriffenen Ländern, schiken zu müssen glauben dürften, alle Vollmacht gegeben werden.

So geschehen in Duplo, zu Steyer, am 4. Nivos des Jahrs 9. (25 Dec. 1800.)

Lahorie.
Grüne. Weirotter.


Quellen und Literatur.[]

  • Neues historisches Handbuch auf alle Tage im Jahr mit besonderer Rücksicht auf die Ereignisse der neuesten Zeiten von Wagenseil Königl. baier. Kreißrath. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung.
  • Europäische Annalen Jahrgang 1801. von D. Ernst Ludwig Posselt. Tübingen in der J. G. Cottaischen Buchhandlung 1801.
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