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Biographien.Bearbeiten


(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811.

(1816) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.


Möllendorf.Bearbeiten

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[1794]

Feldmarschall Möllendrf übernimmt das Kommando der preußischen Rhein-Armee! Eine wichtige Zeitung, und die uns berechtigt hier einige Nachrichten von diesem Feldherrn zu geben. Er ist allgemein als Soldatenfreund bekannt, und geliebt; als Gouverneur von Berlin, gab er die menschenfreundliche Ermahnung, wegen gelinder Behandlung der Gemeinen, die in alle Sprachen übersetzt zu werden verdient; auch in Pohlen wurde seine Menschenliebe so geschätzt, daß eine Dame beym Abschied zu ihm sagte: "Ehe Sie kamen, fürchteten wir uns vor Ihnen; jetzt fürchten wir uns, Sie verlieren zu müssen." -- Als Krieger durchwanderte er die ersten Stufen, und in der blutigen Schlacht bey Leuthen 1757, war er es, der an der Spitze der Garde, als ältester Kapltain, dieses langvertheidigte Dorf eroberte, und dadurch den Sieg entschied. Ein gleiches that er auf Siptitz Höhen bey Torgau. In den folgenden Schlachten und Feldzügen, erwarben ihm seine Kenntnisse, Talente und Tapferkeit, die Achtung des großen Friedrichs! Und welche Lorbeern warten nun seiner am Rhein!


Weichard Joachim Heinrich von Möllendorf.Bearbeiten

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Möllendorf (Weichard Joachim Heinrich von) Ritter der preußischen Orden, preußischer General-Feldmarschall, Vicepräsident des obersten Kriegsraths, Gouverneur von Berlin. Friedrich Wilhelm II. übertrug ihm 1793 die Anführung der Truppen, welche bestimmt wurden, die Auflösung Pohlens zu bewerkstelligen. Er entledigte sich seines Auftrags mit vieler Milde und Leutseligkeit und machte sich persönlich in einem Lande beliebt, wo man sich nur mit Schmerz einem neuen Herrn unterwarf. Er wurde damals zum Feldmarschall und im Oktober zum Gouverneur von Südpreußen ernannt. Im Januar 1794 übernahm er das Kommando der preußischen Armee in den Zweybrückischen und trug den 23. May einen ansehnlichen Vortheil über den Feind bey Kaiserslautern davon. Uebrigens aber schien er nur zu dieser Armee gekommen zu seyn, um einen Augenzeugen des Friedens abzugeben; denn nachdem er im July zum Rückzug genöthigt worden war, unternahm er nicht das geringste von Wichtigkeit weiter bis zu dem Augenblick, wo die Baseler Unterhandlungen den Feindseligkeiten ein Ziel setzten. Trotz seines hohen Alters wurde er 1805 zum Kommandanten der Hauptarmee ernannt, die, im Fall eines Bruchs mit Frankreich, unter den Befehlen des Königs regieren sollte; im November desselben Jahrs erhielt er den Besuch des Kaisers Alexander, der damals in Berlin sich befand, und im Februar 1806 übernahm er das Gouvernement von Berlin wieder. Man muß ihm nachsagen, daß er dem Kriege mit Frankreich abgeneigt war; erst als er im Jahre 1806 die Unvermeidlichkeit dieses Krieges einsah, verlangte er seinen Antheil an den Gefahren und Ehren desselben. Ob man ihm gleich zum Vorwurf macht, am Tage des 14. Oktobers 1806 durch seine jugendliche Hitze den Angriff bey Auerstädt zu sehr beschleunigt zu haben, bevor die ganze Armee aufmarschiert war, so ist doch gewiß das er bey der Räumung des Schlachtfeldes noch allein durch seine weise Geistesgegenwart und Tapferkeit den Rückzug der einzelnen Korps in möglichster Ordnung deckte. Er mußte sich selbst nach Erfurt zurückziehen. Eingeschlossen in diese unhaltbare Festung, kapitulirte er Tags darauf und kam als Kriegsgefangener auf sein Ehrenwort, beynahe um eben die Zeit wieder in Berlin an, als Napoleon daselbst seinen glänzenden Einzug hielt.


Wichard Joachim Heinrich von Möllendorf.Bearbeiten

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Möllendorf (Wichard Joachim Heinrich von), königlich preußischer Generalfeldmarschall, geb. 1724 zu Lindenberg in der Prignitz, einem Gute seines Vaters, der die Stelle eines königlichen Deichhauptmann in dieser Provinz bekleidete. Er besuchte die Ritterakademie zu Brandenburg bis zum Jahre 1739. Im J. 1740 wurde er von Friedrich II. als Page angenommen, und begleitete den Monarchen im ersten schlesischen Feldzuge, in welchem er den Schlachten bei Wolwitz und Chotusitz beiwohnte. Im J. 1743 wurde er Fähnrich beim ersten Bataillon Leibgarde; 1744 Flügeladjutant des Königs. "Der junge Möllendorf, Adjutant seiner Majestät des Königs," sagt Friedrich im zweiten Theile der Geschichte seiner Zeit, "erhielt unter sehr schwierigen Umständen den Befehl, mit 300 Mann Infanterie einen großen Provianttransport zu escortiren, den Franklini, der von allen österreichischen Offizieren die genaueste Kenntniß der Wege, die von Böhmen nach Schlesien führen, besaß, mit 4000 Mann Panduren zwischen Chatzlar, und Trautenau angriff. Möllendorf hielt alle Angriffe des Feindes aus und bemächtigte sich eines Kirchhofes, des das Defilé beherrschte. Von hier aus beschützte er die Wagen und vertheidigte sich drei Stunden lang, bis ihm Herr Dumoulin zu Hülfe kam, der ihn gänzlich frei machte. Zwar sind," fügt der König hinzu, "Vorfälle der Art nur unbedeutend, aber sie machen der Nation und denjenigen, die dabei waren, zu viel ehre, um solche Thaten in Vergessenheit begraben zu lassen, die bei der Nachkommenschaft ein Keim zur Nacheiferung werden können." Möllendorf befand sich im zweiten schlesischen Kriege bei der Belagerung von Prag und in den Schlachten bei Hohenfriedberg und Carr, in welcher letzteren er stark verwundet wurde. Im J. 1746 wurde er Hauptmann und erhielt eine Compagnie bei dem Regiment Garde. 1757 war er bei der Belagerung von Prag und in den Schlachten bei Roßbach und Leuthen gegenwärtig. In der letztern zeichnete er sich durch einen muthigen Angriff des Dorfes Leuthen, welcher Einfluß auf das Schicksal des Tages hatte, aus, und erwarb sich dadurch den Orden pour le Mérite. Er wohnte der Belagerung von Breslau bei, wurde 1758 Major und Commandeur des dritten Bataillons Garde, und war bei dem Ueberfalle von Hochkirch gegenwärtig. 1760 wurde er Commandeur des Garderegiments und focht mit demselben in der Schlacht bei Liegnitz, nach welcher ihn der König zum Oberstlieutenant erhob. In der Schlacht bei Torgau am 3ten November desselben Jahres war er es, der zu einem Manöuvre rieth, das die glücklichsten Folgen hatte, und das Schicksal dieses großen Tages entschied. Doch hatte er dabei für seine Person das Unglück, gefangen zu werden, wurde aber im Anfange des Jahres 1761 wieder ausgewechselt, und einige Monate darauf zum Obersten bestellt. 1762 im Sommer, kurz nach der Belagerung von Schweidnitz, eroberte er mit seiner Brigade den wichtigen verschanzten Posten bei Burkersdorf und avancirte darauf zum Generalmajor. 1774 ward er Generallieutenant. Im bayerschen Erbfolgekriege stand er bei der Armee des Prinzen Heinrich in Sachsen und Böhmen, und befehligte ein eignes Corps, mir dem er 1779 mitten im Winter eine glückliche Expedition bei Bautzen ausführte, und zur Belohnung den schwarzen Adlerorden erhielt. 1783 wurde er Gouverneur von Berlin und wirkte sehr auf eine mildere Behandlung des gemeinen Soldaten, die damals im preußischen noch gar nicht berücksichtigt wurde. In den letzten Lebensjahren des großen Friedrich befand er sich oft um dessen Person, und war vielmals sein alleiniger Gesellschafter. Im Jahr 1787 wurde er General der Infanterie. Er war nicht für den Krieg mit Frankreich und stand deshalb 1791 gewissermaßen bei dem Hofe in Ungnade. Dennoch übertrug man, nachdem der Herzog von Braunschweig im J. 1794 das Obercommando der preußischen Armeen am Rhein niedergelegt hatte, dem nunmehrigen Feldmarschall Möllendorf dasselbe, welcher, wiewohl ohne große Siege, das Gleichgewicht gegen die übermächtigen französischen Armeen stets zu behaupten wußte. Obwohl ein Greis über 80 Jahr, folgte er dennoch in jenem verhängnißvollen Kriege vom Jahre 1806 der Stimme des Vaterlandes und dem Rufe seines Königs gegen seine Ansicht, und gerieth, nachdem die Schlacht von Jena unglücklich für Preußen entschieden, zu Erfurt erkrankt in französische Gefangenschaft; doch wurde er mit Achtung, die seinen Verdiensten und Jahren gebührte, behandelt, und erhielt die Erlaubniß, nach Berlin zurückzukehren. Er beschloß seine Tage zu Havelberg, wo er eine Dompropstey hatte, im Jahr 1816.


Quellen.Bearbeiten

  1. Fliegende Blätter. Dem französischen Krieg und dem Revolutionswesen unsrer Zeiten gewidmet. Januar 1794.
  2. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  3. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
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