Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Prinz Friedrich von Oranien.[]

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Willem Georg Frederick, Prins van Orange en Nassau.

Oranien, (Prinz Friedrich von) zweyter Sohn des Statthalters, kommandirte 1793 und 1794 unter seinem Bruder, dem Erbprinzen, gegen die Franzosen und legte viele persönliche Tapferkeit, Thätigkeit und Einsicht an Tag. Diese beyden Feldzüge in denen er den 13. September verwundet wurde, berechtigten zu den größten Erwartungen von seinen Talenten, und er säumte nicht diese Erwartungen zu rechtfertigen, da er 1796 als Generalmajor in österreichische Dienste getreten war. Den 3. September leistete er große Dienste in der Schlacht von Würzburg, und nachher zeichnete er sich bey der Belagerung von Kehl aus; er schlug den 8. Oktober den Feind mit Lebhaftigkeit in den Platz zurück und den 22. November eilte er im Augenblick, wo alle österreichischen Posten in die Flucht geschlagen waren, herbey, stellte sich an die Spitze einer ungarischen Kompagnie, machte gegen den Feind Fronte, daß derselbe eine ganze Kolonne gegen sich zu haben glaubte, hielt ihn in seinem Marsche auf und gab so der Reservearmee Zeit, anzurücken, um die Franzosen in ihre Verschanzungen zurück zu treiben. Den 2. Dezember führte er den ersten Angriff gegen die Aussenwerke von Kehl an, nahm sie mit Sturm ein und vernagelte 15 Stück Kanonen. Er zeigte bey dieser Gelegenheit die äusserste Unerschrockenheit und vollendetste Einsicht. 1797 blieb er bey der Armee angestellt, übernahm im Aprill das Kommando eines Lagers, welches Wien decken sollte, ging hierauf zur Armee in Italien und starb daselbst fast plötzlich zu Anfange des Feldzugs von 1799. Sein Verlust verursachte eine lebhafte Trauer in der ganzen österreichischen Armee und war ein wahres Unglück für das Haus Oranien, das in ihm den Abgott der Holländer und eine der Stützen von der Parthey der Statthalterschaft einbüßte.


Von Reisende.[]

Johann Georg Kerner.

[2]

[1796]

Haag den 30sten Fructidor 4tes Jahr.

Was das letztere betrift, so fand man in dem ehemaligen Cabinet der Erbprinzessin -- ein Telescop, ein aus Holz und Elfenbein verfertigtes zur Demonstration sehr brauchbares Model von einem Kriegsschiff und endlich ein trefliches Paar Pistolen. (Wie diese Pistolen mit der Prinzessin zusammengekommen sind, ist schwerer zu errathen, als wie die Prinzessin wiederum von den Pistolen gekommen ist).

In diesem Cabinet befindet sich jetzo das Bureau des fränkischen Ministers. In diesem Bureau, das ehemals dem Prinz Friedrich von Oranien gehörte, und das in einem andern Flügel des Pallast stand, befanden sich im Moment der Inventirung trefliche Risse, die sehr bestimmte und genaue Notionen von der Topographie Hollands und der übrigen Provinzen geben. Einige Modelle von Canonen, einige geometrische Zeichnungen, die von der Hand des Prinzen zu seyn schienen; Briefe von ihm an seine Mutter. Die Portraits von Ludwig dem 16ten, seiner Frau, und seinem Sohn en larmes eingefaßt. Eine Uniform, 12 paar Cavallerie Handschuhe, 2 Säbel und einiges Weißzeug.

Der Handbibliothek des Prinzen enthielt klassische und militärische Bücher: -- die gute Auswahl, die dabey getroffen war, verräth, daß der junge Mann viele Solidität und ein rühmliches Verlangen nach Kenntnissen hat. Ueberhaupt zieht man ihn allgemein seinem Bruder, dem ehemaligen Erbprinzen vor.


Quellen.[]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  2. Briefe über Frankreich, die Niederland und Teutschland. Geschrieben in den Jahren 1795, 1796 und 1797. Dritter Theil. Alltona, In der Buchhandlung der Verlagsgesellschaft 1798.
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