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==Französischer Amtsbericht von den, im Salzburgischen vorgefallenen Kriegsereignissen, erstattet von General Dessolle, Chef des Obergeneralstabes der Rheinarmee.==
 
==Französischer Amtsbericht von den, im Salzburgischen vorgefallenen Kriegsereignissen, erstattet von General Dessolle, Chef des Obergeneralstabes der Rheinarmee.==
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Aus dem Tagebuch, welches seit dem Anfange des Winterfeldzuges bis zu dem, am 4ten Nivose oder 25sten December 1800 zu Steyer geschlossenen Waffenstillstands-Vertrage über die Kriegsthaten der Französischen Rheinarmee [[Jean Joseph Paul Augustin Dessolles|General Dessolle]] (im Hauptquartiere zu [[Salzburg]] den 15ten und 16ten Nivose Jahr 9) ausgefertiget, und an den Kriegsminister Alexander Berthier übersandt hatte. In der Ursprache ist dieses Tagebuch zu Paris besonders gedruckt erschienen, unter dem Titel: <tt>Journal historique des operations de l'armée du Rhin depuis le 7 frimaire, epoque de la reprise des hostilités, jusqu'au 4 nivose; par le Général de division Dessolle, chef de l'état major-général de cette armée.</tt> *79 Seiten in gr. 8.) Mit eben diesem Tagebuche ist gegenwärtige Uebersetzung durch den Herausgeber verglichen, und darnach berichtiget und ergänzet worden. Zu einem Gegenstücke, und zur Sichtung obiger einseitigen Angaben hoffen wir künftig auch einen Oestreichischen Kriegsbericht, oder doch wenigstens Zusätze und Berichtigungen liefern zu können.
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Aus dem Tagebuch,<ref>Beyträge zur Geschichte des Aufenthaltes der Franzosen im Salzburgischen und in den angränzenden Gegenden. Herausgegeben von Judas Thaddäus Zauner. Salzburg, in der Mayrischen Bunchhandlung 1801.</ref> welches seit dem Anfange des Winterfeldzuges bis zu dem, am 4ten Nivose oder 25sten December 1800 zu Steyer geschlossenen Waffenstillstands-Vertrage über die Kriegsthaten der Französischen Rheinarmee [[Jean Joseph Paul Augustin Dessolles|General Dessolle]] (im Hauptquartiere zu [[Salzburg]] den 15ten und 16ten Nivose Jahr 9) ausgefertiget, und an den Kriegsminister Alexander Berthier übersandt hatte. In der Ursprache ist dieses Tagebuch zu Paris besonders gedruckt erschienen, unter dem Titel: <tt>Journal historique des operations de l'armée du Rhin depuis le 7 frimaire, epoque de la reprise des hostilités, jusqu'au 4 nivose; par le Général de division Dessolle, chef de l'état major-général de cette armée.</tt> *79 Seiten in gr. 8.) Mit eben diesem Tagebuche ist gegenwärtige Uebersetzung durch den Herausgeber verglichen, und darnach berichtiget und ergänzet worden. Zu einem Gegenstücke, und zur Sichtung obiger einseitigen Angaben hoffen wir künftig auch einen Oestreichischen Kriegsbericht, oder doch wenigstens Zusätze und Berichtigungen liefern zu können.
 
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Es kam jetzt (nachdem am 9ten December 1800 der [[Inn]]strom bey Neubeuern oberhalb Rosenheim übersetzt worden war) darauf an, rasch an die [[Salzach]] anzurücken, damit der Feind, noch bestürzt durch den Uebergang über den [[Inn]], über diese erste und furchtbare Landwehr, nicht Zeit gewinne, sich daselbst aufzustellen, und auf Vertheidigung zu denken. [[Claude Jacques Lecourbe|General Lecourbe]] erhielt demnach Befehl, am 10ten December auf Seebruck, an der Spitze des Chiemsees, zu rücken, um den Feind lebhaft zu verfolgen, und auf das andere Ufer der [[Salzach]] zu werfen; man ließ ihn dabey wissen, daß die [[Emmanuel de Grouchy|Division Grouchy]] zur Unterstützung nachrückte. Die [[Antoine Richepanse|Generale Richepanse]] und [[Charles Mathieu Isidore Decaen|Decaen]] sollten am nämlichen Tage auf den Wasserburger Chausseen nach [[Salzburg]] rücken, der erste über die Strasse, die am Strome sich hinzieht, der zweyte über die, welche auf Oberg (Obing) hingeht. Durch diese Bewegung sollte der Feind genöthigt werden, seine Brückenschanzen, am [[Inn]] bis zum Ausfluße der [[Salzach]] zu verlassen, und so dem [[Paul Grenier|General Grenier]], der mit 2 Divisionen auf Wasserburg marschirte, einen neuen Uebergang zu öffnen; [[Michel Ney|General Ney]] sollte bey [[Mühldorf am Inn|Mühldorf]] übersetzen, sobald der Feind es verlassen haben würde. [[Claude Jacques Lecourbe|Lecourbe]] brach am 10ten Morgens auf. [[Charles Étienne Gudin|General Gudin]] machte die Spitze, und die [[Joseph Hélie Désiré Perruquet de Montrichard|Division Montrichard]] folgte in verschiedenen von einander entfernten Abtheilungen (<tt>en échelons</tt>). Der Feind hielt nur schwach Stand bis Seebruck; das 8te Husaren-Regiment machte einige einzelne Angriffe auf die [[Leichtes Dragoner-Regiment Nr. 7|Dragoner von Waldeck]], die den Angriff deckten, und der Brigade-Chef Marula brachte 200 Gefangene mit 80 Pferden, die bey den Angriffen genommen worden, zusammen.
 
Es kam jetzt (nachdem am 9ten December 1800 der [[Inn]]strom bey Neubeuern oberhalb Rosenheim übersetzt worden war) darauf an, rasch an die [[Salzach]] anzurücken, damit der Feind, noch bestürzt durch den Uebergang über den [[Inn]], über diese erste und furchtbare Landwehr, nicht Zeit gewinne, sich daselbst aufzustellen, und auf Vertheidigung zu denken. [[Claude Jacques Lecourbe|General Lecourbe]] erhielt demnach Befehl, am 10ten December auf Seebruck, an der Spitze des Chiemsees, zu rücken, um den Feind lebhaft zu verfolgen, und auf das andere Ufer der [[Salzach]] zu werfen; man ließ ihn dabey wissen, daß die [[Emmanuel de Grouchy|Division Grouchy]] zur Unterstützung nachrückte. Die [[Antoine Richepanse|Generale Richepanse]] und [[Charles Mathieu Isidore Decaen|Decaen]] sollten am nämlichen Tage auf den Wasserburger Chausseen nach [[Salzburg]] rücken, der erste über die Strasse, die am Strome sich hinzieht, der zweyte über die, welche auf Oberg (Obing) hingeht. Durch diese Bewegung sollte der Feind genöthigt werden, seine Brückenschanzen, am [[Inn]] bis zum Ausfluße der [[Salzach]] zu verlassen, und so dem [[Paul Grenier|General Grenier]], der mit 2 Divisionen auf Wasserburg marschirte, einen neuen Uebergang zu öffnen; [[Michel Ney|General Ney]] sollte bey [[Mühldorf am Inn|Mühldorf]] übersetzen, sobald der Feind es verlassen haben würde. [[Claude Jacques Lecourbe|Lecourbe]] brach am 10ten Morgens auf. [[Charles Étienne Gudin|General Gudin]] machte die Spitze, und die [[Joseph Hélie Désiré Perruquet de Montrichard|Division Montrichard]] folgte in verschiedenen von einander entfernten Abtheilungen (<tt>en échelons</tt>). Der Feind hielt nur schwach Stand bis Seebruck; das 8te Husaren-Regiment machte einige einzelne Angriffe auf die [[Leichtes Dragoner-Regiment Nr. 7|Dragoner von Waldeck]], die den Angriff deckten, und der Brigade-Chef Marula brachte 200 Gefangene mit 80 Pferden, die bey den Angriffen genommen worden, zusammen.
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[[Claude Jacques Lecourbe|General Lecourbe]] stellte am Abend vor [[Traunstein]] auf; ein Bataillon von der 26gsten und 25 Pferde waren an den Chiemsee auf dessen rechte Seite beordert worden, um die Engpässe an [[Grafschaft Tirol|Tyrol]] und [[Reichenhall]] zu beobachten; diese Colonne schloß sich wieder an, da sie auf ihrem Marsche nur einige Streifparteyen angetroffen hatte, die vor ihr flohen.
 
[[Claude Jacques Lecourbe|General Lecourbe]] stellte am Abend vor [[Traunstein]] auf; ein Bataillon von der 26gsten und 25 Pferde waren an den Chiemsee auf dessen rechte Seite beordert worden, um die Engpässe an [[Grafschaft Tirol|Tyrol]] und [[Reichenhall]] zu beobachten; diese Colonne schloß sich wieder an, da sie auf ihrem Marsche nur einige Streifparteyen angetroffen hatte, die vor ihr flohen.
   
Am 12ten Morgens brachen die Colonnen unter den [[Charles Étienne Gudin|Generalen Gudin]] und [[Joseph Hélie Désiré Perruquet de Montrichard|Montrichard]] über den Traunsteiner Weg nach [[Salzburg]] auf; da der Paß eng war, so marschirten die Corps in mehreren Abtheilungen und in gewissen Entfernungen (<tt>en échelons</tt>). [[Claude Jacques Lecourbe|General Lecourbe]] befahl der Brigade von der Linken des [[Joseph Hélie Désiré Perruquet de Montrichard|Generals Montrichard]], sich von Teisendorf auf [[Lauffen|Laufen]] zu wenden, um seine linke Flanke zu decken. Die Colonne des [[Charles Étienne Gudin|Generals Gudin]] neckte den Feind bis nach Altstetten (Adelstetten) und machte auf verschiedenen Puncten immer einige Gefangene. Vor Altstetten (Adelstetten) wurde das Land offener.
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Am 12ten Morgens brachen die Colonnen unter den [[Charles Étienne Gudin|Generalen Gudin]] und [[Joseph Hélie Désiré Perruquet de Montrichard|Montrichard]] über den Traunsteiner Weg nach [[Salzburg]] auf; da der Paß eng war, so marschirten die Corps in mehreren Abtheilungen und in gewissen Entfernungen (<tt>en échelons</tt>). [[Claude Jacques Lecourbe|General Lecourbe]] befahl der Brigade von der Linken des [[Joseph Hélie Désiré Perruquet de Montrichard|Generals Montrichard]], sich von Teisendorf auf [[Laufen|Lauffen|Laufen]] zu wenden, um seine linke Flanke zu decken. Die Colonne des [[Charles Étienne Gudin|Generals Gudin]] neckte den Feind bis nach Altstetten (Adelstetten) und machte auf verschiedenen Puncten immer einige Gefangene. Vor Altstetten (Adelstetten) wurde das Land offener.
   
Die Oesterreicher, mit ihren Reserven über [[Lauffen|Laufen]] und [[Salzburg]] in genauer Verbindung, hatten gegen Salzburghofen eine Macht gesammelt, und standen vor diesem Dorfe in Schlachtordnung. [[Charles Étienne Gudin|General Gudin]], auf der Rechten, rückte gegen Feldkirch an die Saal, und sollte längs dem Fluße durch den, an ihm liegenden Wald bis an ihren Zusammenfluß hinziehen. [[Joseph Hélie Désiré Perruquet de Montrichard|General Montrichard]], auf der Linken, wandte sich auf der Laufner Straße nach [[Salzburg]]; die gesammte Cavallerie rückte im Mittelpuncte vor. [[Joseph Hélie Désiré Perruquet de Montrichard|General Montrichard]] ward einen Augenblick überflügelt; der Feind ward aber aufgehalten, angegriffen, und mit Ungestümm über die [[Salzach]] zurück geworfen; der größte Theil ertrank, indem er durchzuwaten suchte. [[Charles Étienne Gudin|General Gudin]], bey Feldkirch, zwang Alles, was vor ihm war, über die Saal zurück zu kehren. Ein Bataillon von der 94sten rückte rasch auf Salzburghofen, und schnitt ab, was dort war. Der Feind floh in größter Unordnung, und ließ 5 Kanonen, und 600 Gefangene zurück, und mehr als 200 Todte auf dem Schlachtfelde. Capitän Lecroix von der 94sten zeichnete sich hier aus.
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Die Oesterreicher, mit ihren Reserven über [[Laufen]] und [[Salzburg]] in genauer Verbindung, hatten gegen Salzburghofen eine Macht gesammelt, und standen vor diesem Dorfe in Schlachtordnung. [[Charles Étienne Gudin|General Gudin]], auf der Rechten, rückte gegen Feldkirch an die Saal, und sollte längs dem Fluße durch den, an ihm liegenden Wald bis an ihren Zusammenfluß hinziehen. [[Joseph Hélie Désiré Perruquet de Montrichard|General Montrichard]], auf der Linken, wandte sich auf der Laufner Straße nach [[Salzburg]]; die gesammte Cavallerie rückte im Mittelpuncte vor. [[Joseph Hélie Désiré Perruquet de Montrichard|General Montrichard]] ward einen Augenblick überflügelt; der Feind ward aber aufgehalten, angegriffen, und mit Ungestümm über die [[Salzach]] zurück geworfen; der größte Theil ertrank, indem er durchzuwaten suchte. [[Charles Étienne Gudin|General Gudin]], bey Feldkirch, zwang Alles, was vor ihm war, über die Saal zurück zu kehren. Ein Bataillon von der 94sten rückte rasch auf Salzburghofen, und schnitt ab, was dort war. Der Feind floh in größter Unordnung, und ließ 5 Kanonen, und 600 Gefangene zurück, und mehr als 200 Todte auf dem Schlachtfelde. Capitän Lecroix von der 94sten zeichnete sich hier aus.
   
Während [[Claude Jacques Lecourbe|General Lecourbe]], welcher den [[Emmanuel de Grouchy|General Grouchy]] zur Reserve hatte, an der Saal und [[Salzach]] ankam, hatten die 2 andern Divisionen des Mittelpuncts, nachdem sie Wasserburg geräumt gefunden, eine Bewegung mit ihrer Rechten gemacht, und waren über Altenmark an der Salza (Alza *) gegen [[Lauffen|Laufen]] gerückt.
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Während [[Claude Jacques Lecourbe|General Lecourbe]], welcher den [[Emmanuel de Grouchy|General Grouchy]] zur Reserve hatte, an der Saal und [[Salzach]] ankam, hatten die 2 andern Divisionen des Mittelpuncts, nachdem sie Wasserburg geräumt gefunden, eine Bewegung mit ihrer Rechten gemacht, und waren über Altenmark an der Salza (Alza *) gegen [[Laufen|Lauffen|Laufen]] gerückt.
   
 
: <small> *) Dieser Fluß entspringt im Chiemsee, nimmt bey Baumburg die [[Traun]] auf, und ergießt sich oberhalb Markt in den [[Inn]].</small>
 
: <small> *) Dieser Fluß entspringt im Chiemsee, nimmt bey Baumburg die [[Traun]] auf, und ergießt sich oberhalb Markt in den [[Inn]].</small>
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Der Feind hatte nach und nach seine Brückenschanzen von Wasserburg, Krayburg, und [[Mühldorf am Inn|Mühldorf]] geräumt. [[Paul Grenier|General Grenier]] war mit 2 Divisionen und der Reserve-Cavallerie bey Wasserburg, und [[Michel Ney|General Ney]] bey [[Mühldorf am Inn|Mühldorf]] über den [[Inn]] gegangen.
 
Der Feind hatte nach und nach seine Brückenschanzen von Wasserburg, Krayburg, und [[Mühldorf am Inn|Mühldorf]] geräumt. [[Paul Grenier|General Grenier]] war mit 2 Divisionen und der Reserve-Cavallerie bey Wasserburg, und [[Michel Ney|General Ney]] bey [[Mühldorf am Inn|Mühldorf]] über den [[Inn]] gegangen.
   
Am 13ten hatte sich [[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]] hinter [[Lauffen|Laufen]] aufgestellt; [[Antoine Richepanse|General Richepanse]] stand zwischen Waging und Schoznerarg (Schonram oder Scharham) Bataillon hinter Bataillon. Zwey Divisionen vom linken Flügel traffen in Troßburg ein, bereit, sich rechts oder links zu wenden, nach dem Puncte, wo der Uebergang beschlossen seyn würde. Die dritte Division unter dem Commando des [[Michel Ney|Generals Ney]] maskirte Burghausen, das die Oestreicher stark verschanzt hatten.
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Am 13ten hatte sich [[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]] hinter [[Laufen|Lauffen|Laufen]] aufgestellt; [[Antoine Richepanse|General Richepanse]] stand zwischen Waging und Schoznerarg (Schonram oder Scharham) Bataillon hinter Bataillon. Zwey Divisionen vom linken Flügel traffen in Troßburg ein, bereit, sich rechts oder links zu wenden, nach dem Puncte, wo der Uebergang beschlossen seyn würde. Die dritte Division unter dem Commando des [[Michel Ney|Generals Ney]] maskirte Burghausen, das die Oestreicher stark verschanzt hatten.
   
Das Französische General-Commando erfuhr indessen, daß ein grosser Theil der feindlicher Macht sich über Altenmark auf [[Salzburg]] zurück begeben hatte, und sich da zusammenzöge. Der [[Jean-Victor Moreau|Obergeneral]] beschloß nun, zwischen [[Lauffen|Laufen]] und [[Salzburg]] über die [[Salzach]] zu gehen, und dann gleich nach dem Uebergange die Neumarkter Strasse zu bedrohen, und die Oestreicher zu einem schleunigen Rückzuge zu nöthigen, oder völlig in die Tyroler Gebirge zurück zu werfen.
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Das Französische General-Commando erfuhr indessen, daß ein grosser Theil der feindlicher Macht sich über Altenmark auf [[Salzburg]] zurück begeben hatte, und sich da zusammenzöge. Der [[Jean-Victor Moreau|Obergeneral]] beschloß nun, zwischen [[Laufen]] und [[Salzburg]] über die [[Salzach]] zu gehen, und dann gleich nach dem Uebergange die Neumarkter Strasse zu bedrohen, und die Oestreicher zu einem schleunigen Rückzuge zu nöthigen, oder völlig in die Tyroler Gebirge zurück zu werfen.
   
Am 13ten Decemb. war [[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]] beordert, von da auf sehr ausgebreitete Recognoscirungen an der [[Salzach]] vorzunehmen. Durch eines jener glücklichen Ereignisse, die eine Reihe von Siegen nach sich zieht, wurden die Recognoscirungen und der Uebergang Eine Unternehmung. Die Gewohnheit glücklicher Erfolge, die alles wagen läßt, der Muth der Truppen, die Unerschrockenheit einiger Braven, die Geschicklichkeit der [[Pierre François Joseph Durutte|Generale Durutte]] und [[Karol Kniaziewicz|Kniazewitz]], den Eifer der Soldaten zu benützen, die Thätigkeit der Stabsofficiere, bewirkten einen Uebergang, dem keine militärische Combination, als die des Augenblicks, vorangehen konnte. Der Vortrab des [[Charles Mathieu Isidore Decaen|Generals Decaen]] traf gegen Mittag in [[Lauffen|Laufen]] ein. *) Schon hatte er durch seine Recognoscirungs-Posten erfahren, daß 4 Bögen der Brücke abgebrochen waren; daß der Feind wirklich mit 3 Bataillonen, 6 Artillerie-Stücken, und mehr als 400 Pferden auf dem rechten Ufer stand, indem er ([[Charles Mathieu Isidore Decaen|Decaen]]) selbst dort ankam; der Feind hatte keine Anstalt gemacht, um das Annähern an den Fluß zu verhindern; er hatte unsere Truppen nicht einmal mit einem Kanonenschuße beehrt; er begnügte sich, die erhabene Böschung (<tt>escarpement elevé</tt>) welche die Brücke beherrscht, mit seiner Infanterie zu besetzen, und seine Artillerie auf diesen Anhöhen vortheilhaft aufzustellen.
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Am 13ten Decemb. war [[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]] beordert, von da auf sehr ausgebreitete Recognoscirungen an der [[Salzach]] vorzunehmen. Durch eines jener glücklichen Ereignisse, die eine Reihe von Siegen nach sich zieht, wurden die Recognoscirungen und der Uebergang Eine Unternehmung. Die Gewohnheit glücklicher Erfolge, die alles wagen läßt, der Muth der Truppen, die Unerschrockenheit einiger Braven, die Geschicklichkeit der [[Pierre François Joseph Durutte|Generale Durutte]] und [[Karol Kniaziewicz|Kniazewitz]], den Eifer der Soldaten zu benützen, die Thätigkeit der Stabsofficiere, bewirkten einen Uebergang, dem keine militärische Combination, als die des Augenblicks, vorangehen konnte. Der Vortrab des [[Charles Mathieu Isidore Decaen|Generals Decaen]] traf gegen Mittag in [[Laufen]] ein. *) Schon hatte er durch seine Recognoscirungs-Posten erfahren, daß 4 Bögen der Brücke abgebrochen waren; daß der Feind wirklich mit 3 Bataillonen, 6 Artillerie-Stücken, und mehr als 400 Pferden auf dem rechten Ufer stand, indem er ([[Charles Mathieu Isidore Decaen|Decaen]]) selbst dort ankam; der Feind hatte keine Anstalt gemacht, um das Annähern an den Fluß zu verhindern; er hatte unsere Truppen nicht einmal mit einem Kanonenschuße beehrt; er begnügte sich, die erhabene Böschung (<tt>escarpement elevé</tt>) welche die Brücke beherrscht, mit seiner Infanterie zu besetzen, und seine Artillerie auf diesen Anhöhen vortheilhaft aufzustellen.
   
 
: <small> *) Nach Privatnachrichten waren daselbst schon um 9 Uhr Vormittags Französische Truppen eingerückt. </small>
 
: <small> *) Nach Privatnachrichten waren daselbst schon um 9 Uhr Vormittags Französische Truppen eingerückt. </small>
   
[[Pierre François Joseph Durutte|General Durutte]], der an der [[Salzach]] hinaufzog, um eine Furt zu suchen, wird eine halbe Stunde ober [[Lauffen|Laufen]] eine Barke gewahr. Drey Chasseurs, von der 14ten Namens Bernard, ein Tambour, Malle und Perrier, die sie ebenfalls gewahr werden, schwimmen hin, um sie zu holen. Trotz der strengen Kälte, trotz des reißenden Stroms (der [[Salzach]]) der noch reißender ist als der [[Inn]], bemächtigen sie sich nach vieler Mühe der Barke, und bringen sie an das linke Ufer.
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[[Pierre François Joseph Durutte|General Durutte]], der an der [[Salzach]] hinaufzog, um eine Furt zu suchen, wird eine halbe Stunde ober [[Laufen]] eine Barke gewahr. Drey Chasseurs, von der 14ten Namens Bernard, ein Tambour, Malle und Perrier, die sie ebenfalls gewahr werden, schwimmen hin, um sie zu holen. Trotz der strengen Kälte, trotz des reißenden Stroms (der [[Salzach]]) der noch reißender ist als der [[Inn]], bemächtigen sie sich nach vieler Mühe der Barke, und bringen sie an das linke Ufer.
   
 
[[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]] ergreift diesen Zug von Hingebung mit Eifer, befiehlt dem [[Pierre François Joseph Durutte|General Durutte]], augenblicklich 400 Mann auf das entgegengesetzte Ufer zu werfen, schicket den commandirenden Adjutanten Plausanne und seinen jungen Bruder Decaen, Officier von den Chasseurs, der Adjutanten-Dienste bey ihm versieht, an ihrer Spitze, und läßt, um die Aufmerksamkeit des Feindes abzuwenden, im nämlichen Augenblicke ein sehr lebhaftes Gewehr- und Kanonenfeuer gegen die Brücke machen. Zwey Compagnien von der 4ten, unter dem Commando des Capitäns Caseneuve und des Lieutenants Duvaldeur und ein Theil Chasseurs von der 14ten, unter Anführung des Capitäns Jean und des Adjutanten (<tt>Adjudant-major</tt>) Cornil gehen hinüber, und bemächtigen sich eines Dorfs auf dem rechten Ufer, das sie verrammeln, mit Zurücklassung einiger Mann, um die Beunruhigung ihrer Flanken und Rücken zu hindern; dann rücken sie in der größten Stille auf die Brückenschanze bis an den Feind, der sich nur mit unsrer Artillerie beschäftigte. Er wird überfallen, das Geschrey und die Bajonette einer Handvoll Leute bringen ihn in Unordnung, und man machet 100 Gefangene, unter denen 4 Officiere.
 
[[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]] ergreift diesen Zug von Hingebung mit Eifer, befiehlt dem [[Pierre François Joseph Durutte|General Durutte]], augenblicklich 400 Mann auf das entgegengesetzte Ufer zu werfen, schicket den commandirenden Adjutanten Plausanne und seinen jungen Bruder Decaen, Officier von den Chasseurs, der Adjutanten-Dienste bey ihm versieht, an ihrer Spitze, und läßt, um die Aufmerksamkeit des Feindes abzuwenden, im nämlichen Augenblicke ein sehr lebhaftes Gewehr- und Kanonenfeuer gegen die Brücke machen. Zwey Compagnien von der 4ten, unter dem Commando des Capitäns Caseneuve und des Lieutenants Duvaldeur und ein Theil Chasseurs von der 14ten, unter Anführung des Capitäns Jean und des Adjutanten (<tt>Adjudant-major</tt>) Cornil gehen hinüber, und bemächtigen sich eines Dorfs auf dem rechten Ufer, das sie verrammeln, mit Zurücklassung einiger Mann, um die Beunruhigung ihrer Flanken und Rücken zu hindern; dann rücken sie in der größten Stille auf die Brückenschanze bis an den Feind, der sich nur mit unsrer Artillerie beschäftigte. Er wird überfallen, das Geschrey und die Bajonette einer Handvoll Leute bringen ihn in Unordnung, und man machet 100 Gefangene, unter denen 4 Officiere.
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Dieser Erfolg wurde durch keine Unruhe gestört. Alle Kähne vom rechten Ufer waren bald zu unserm Gebrauche; und von Ende des Tages standen 800 Mann auf dem andern Ufer. Man benützte die Nacht, um eine fliegende Brücke zum Hinübergehen der Artillerie anzulegen. Die vom Feinde zerstörte Brücke wurde wieder hergestellt, um die Infanterie und Cavallerie hinüber zu bringen.
 
Dieser Erfolg wurde durch keine Unruhe gestört. Alle Kähne vom rechten Ufer waren bald zu unserm Gebrauche; und von Ende des Tages standen 800 Mann auf dem andern Ufer. Man benützte die Nacht, um eine fliegende Brücke zum Hinübergehen der Artillerie anzulegen. Die vom Feinde zerstörte Brücke wurde wieder hergestellt, um die Infanterie und Cavallerie hinüber zu bringen.
   
[[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]] ließ dem [[Jean-Victor Moreau|Obergeneral]] am Abend melden, daß ein Theil seiner Truppen über die [[Salzach]] gegangen wäre. Nun trug der [[Jean-Victor Moreau|Obergeneral]] dem [[Antoine Richepanse|General Richepanse]] auf, nach [[Lauffen|Laufen]] zu marschiren; der nämliche Befehl ward den [[Paul Grenier|General Grenier]] zugeschickt, für die [[Louis Bastoul|Divisionen Bastoul]] und [[Claude Legrand|Legrand]]. Die Reserve-Cavallerie wurde auf Teisendorf geführt. [[Claude Jacques Lecourbe|General Lecourbe]], der am nämlichen Tage oberhalb Feldkirch, nach einem lebhaften Gefechte, über die Saal gewatet war, erhielt Befehl, den Feind zu beobachten, und unsre rechte Flanke zu decken, während die Armee mit Bewerkstelligung ihres Ueberganges beschäftigt seyn würde. Die [[Emmanuel de Grouchy|Division Grouchy]], die bis dahin seine Reserve gemacht hatte, ward gleichfalls nach [[Lauffen|Laufen]] beordert, mit Ausnahme der [[Charles Joseph Boyé|Brigade Boyer]], die an dem Zusammenfluße der Saal und der [[Salzach]] bleiben sollte. Die Brücken-Geräthschaften wurden in der Nacht nach [[Lauffen|Laufen]] abgeführt, wo sie am 14ten Morgens ankamen. Die Pontonniers rüsteten sich hierauf, eine neue Brücke zu schlagen.
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[[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]] ließ dem [[Jean-Victor Moreau|Obergeneral]] am Abend melden, daß ein Theil seiner Truppen über die [[Salzach]] gegangen wäre. Nun trug der [[Jean-Victor Moreau|Obergeneral]] dem [[Antoine Richepanse|General Richepanse]] auf, nach [[Laufen]] zu marschiren; der nämliche Befehl ward den [[Paul Grenier|General Grenier]] zugeschickt, für die [[Louis Bastoul|Divisionen Bastoul]] und [[Claude Legrand|Legrand]]. Die Reserve-Cavallerie wurde auf Teisendorf geführt. [[Claude Jacques Lecourbe|General Lecourbe]], der am nämlichen Tage oberhalb Feldkirch, nach einem lebhaften Gefechte, über die Saal gewatet war, erhielt Befehl, den Feind zu beobachten, und unsre rechte Flanke zu decken, während die Armee mit Bewerkstelligung ihres Ueberganges beschäftigt seyn würde. Die [[Emmanuel de Grouchy|Division Grouchy]], die bis dahin seine Reserve gemacht hatte, ward gleichfalls nach [[Laufen]] beordert, mit Ausnahme der [[Charles Joseph Boyé|Brigade Boyer]], die an dem Zusammenfluße der Saal und der [[Salzach]] bleiben sollte. Die Brücken-Geräthschaften wurden in der Nacht nach [[Laufen]] abgeführt, wo sie am 14ten Morgens ankamen. Die Pontonniers rüsteten sich hierauf, eine neue Brücke zu schlagen.
   
Der [[Jean-Victor Moreau|Obergeneral]] begab sich persönlich nach [[Lauffen|Laufen]], und fand den [[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]] in voller Arbeit, wie er den Uebergang seiner Division über die [[Salzach]] betrieb. Während dieses Geschäftes eröffnete sich ein äusserst hitziges Treffen an der Front des [[Claude Jacques Lecourbe|Generallieutenants Lecourbe]]. Es hatte vom Anfange des Tages an geschienen, als ob der Feind seine Vorwachen zurückgenommen hätte. Dieser rückgängigen Bewegung, wie man sie nach gedachten Anordnungen ansehen mußte, wollte [[Claude Jacques Lecourbe|General Lecourbe]], jedoch mit Vorsicht, folgen. Er ließ daher seine ganze Cavallerie und Artillerie auf der Ebene vor dem Dorfe Waal (Wals) aufmarschiren, während [[Joseph Hélie Désiré Perruquet de Montrichard|Montrichard]] mit seiner Infanterie längs den Wäldern sich hinziehen sollte, welche das rechte Ufer der Saal bis zum Einfluße derselben in die [[Salzach]] begränzen. Da sollte er sich mit der Brigade des [[Charles Joseph Boyé|Generals Boyer]] vereinigen, welche noch am linken Ufer stand; aber bereits eine Furt gefunden hatte, wo sie übergehen konnte. Er sollte hierauf die vom Feinde abgebrannte Brücke in Besitz nehmen, und sogleich ausbessern lassen. Rechts sollte [[Charles Étienne Gudin|General Gudin]] sich mit 1 Bataillon des Dorfs Golz (Gols) bemächtigen, welches auf der Reichenhaller Landstraße in einer sehr mit Gehölze bewachsenen Gegend liegt. Der übrige Theil sollte sich vor dem Dorfe Waal (Wals) Aufstellen, und sich an dasselbe anlehnen.
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Der [[Jean-Victor Moreau|Obergeneral]] begab sich persönlich nach [[Laufen]], und fand den [[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]] in voller Arbeit, wie er den Uebergang seiner Division über die [[Salzach]] betrieb. Während dieses Geschäftes eröffnete sich ein äusserst hitziges Treffen an der Front des [[Claude Jacques Lecourbe|Generallieutenants Lecourbe]]. Es hatte vom Anfange des Tages an geschienen, als ob der Feind seine Vorwachen zurückgenommen hätte. Dieser rückgängigen Bewegung, wie man sie nach gedachten Anordnungen ansehen mußte, wollte [[Claude Jacques Lecourbe|General Lecourbe]], jedoch mit Vorsicht, folgen. Er ließ daher seine ganze Cavallerie und Artillerie auf der Ebene vor dem Dorfe Waal (Wals) aufmarschiren, während [[Joseph Hélie Désiré Perruquet de Montrichard|Montrichard]] mit seiner Infanterie längs den Wäldern sich hinziehen sollte, welche das rechte Ufer der Saal bis zum Einfluße derselben in die [[Salzach]] begränzen. Da sollte er sich mit der Brigade des [[Charles Joseph Boyé|Generals Boyer]] vereinigen, welche noch am linken Ufer stand; aber bereits eine Furt gefunden hatte, wo sie übergehen konnte. Er sollte hierauf die vom Feinde abgebrannte Brücke in Besitz nehmen, und sogleich ausbessern lassen. Rechts sollte [[Charles Étienne Gudin|General Gudin]] sich mit 1 Bataillon des Dorfs Golz (Gols) bemächtigen, welches auf der Reichenhaller Landstraße in einer sehr mit Gehölze bewachsenen Gegend liegt. Der übrige Theil sollte sich vor dem Dorfe Waal (Wals) Aufstellen, und sich an dasselbe anlehnen.
   
Diese Anordnungen werden in Vollzug gesetzt. Einer Escadron des 7ten Husaren-Regiments, das 8te und das 9te von der nämlichen Armee, das 11te der Dragoner, und das 23gste der Cavallerie brechen mit der Artillerie in die Ebene vor. Es war ein sehr dichter Nebel; unsre Tirailleurs verfolgten den Feind lebhaft, der plötzlich 6 Artillerie-Stücke enthüllt, mit denen er ein sehr unterhaltendes Feuer anfängt; das unsrige beantwortet es einige Zeit mit Ueberlegenheit; aber bald hatte der Feind mehr als 30 Kanonen aufgepflanzet. Der Nebel, der sich zertheilet, läßt in dem Augenblicke eine zahlreiche Reiterey und auf mehreren Linien entdecken. Bald bewegt sich die erste, und greift unser 7tes und 9tes Husaren-Regiment an, welche den Anfall mit Muth aushalten; aber da sie nicht so zahlreich, als der Feind, sind, so werden sie zurückgedrängt. Das 11te Dragoner-Regiment rückt vor, und verschafft den schönsten Angriff, der möglich ist. Dieses Regiment wirft alles, was ihm im Wege ist. Die Husaren sammeln sich mit Hülfe des 23gsten Cavallerie-Regiments, und in Gemeinschaft mit den Dragonern bringen sie wenigstens 2000 Pferde in Rückzug, und nehmen mehr als 150 derselben. Die zweyte Linie des Feindes bleibt ruhig, und [[Claude Jacques Lecourbe|General Lecourbe]] hält gleichfalls das 23gste Cavallerie-Regiment zurück, obgleich eben dieses Regiment vom Eifer, sich zu schlagen, brennt. Auf der Rechten und auf der Linken machet unsre Infanterie Vorschritte. Ein Bataillon der 38sten, und das 8te Husaren-Regiment bemächtigen sich des Dorfes Golz (Gols), und nahmen 1 Kanone. Auf der Linken hatte die 109te Halbbrigade den Feind zurück gedrückt: da sie aber auf die Kreuzwege von [[Lauffen|Laufen]] und [[Reichenhall]] nach [[Salzburg]] kam, traff die zahlreiche Reserven, und konnte diesen Punct nicht überwältigen, obgleich [[Joseph Hélie Désiré Perruquet de Montrichard|General Montrichard]] ihr 1 Bataillon von der 84gsten zugeschickt hatte. Hier wurde [[Joseph François Ignace Maximilien Schiner|General Schinner]], der es anführte, von einer Kanonen-Kugel an der Hand verwundet, und in dem Schenkel erhielt er eine Flintenkugel. [[Claude Jacques Lecourbe|Lecourbe]], der sah, daß der Feind mit Macht da war, wollte sich nicht in einen ungleichen Kampf einlassen, während der übrige Theil der Armee sich mit dem Uebergang über den Fluß beschäftigte. Er ließ seine Flügel zurückziehen, seine Cavallerie hinter den Engpaß gehen, und beschränkte sich darauf, die Spitze des Dorfes Waal (Wals) mit einem Theile seiner Infanterie der 84gsten und 1 Bataillon der 36gsten zu halten. Er erhielt sich auf solche Art das Mittel, auf [[Salzburg]] zu marschiren, in dem Augenblick, wo die Armee in gleicher Höhe mit ihm an dem rechten Ufer der [[Salzach]] sich zeigen würde.
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Diese Anordnungen werden in Vollzug gesetzt. Einer Escadron des 7ten Husaren-Regiments, das 8te und das 9te von der nämlichen Armee, das 11te der Dragoner, und das 23gste der Cavallerie brechen mit der Artillerie in die Ebene vor. Es war ein sehr dichter Nebel; unsre Tirailleurs verfolgten den Feind lebhaft, der plötzlich 6 Artillerie-Stücke enthüllt, mit denen er ein sehr unterhaltendes Feuer anfängt; das unsrige beantwortet es einige Zeit mit Ueberlegenheit; aber bald hatte der Feind mehr als 30 Kanonen aufgepflanzet. Der Nebel, der sich zertheilet, läßt in dem Augenblicke eine zahlreiche Reiterey und auf mehreren Linien entdecken. Bald bewegt sich die erste, und greift unser 7tes und 9tes Husaren-Regiment an, welche den Anfall mit Muth aushalten; aber da sie nicht so zahlreich, als der Feind, sind, so werden sie zurückgedrängt. Das 11te Dragoner-Regiment rückt vor, und verschafft den schönsten Angriff, der möglich ist. Dieses Regiment wirft alles, was ihm im Wege ist. Die Husaren sammeln sich mit Hülfe des 23gsten Cavallerie-Regiments, und in Gemeinschaft mit den Dragonern bringen sie wenigstens 2000 Pferde in Rückzug, und nehmen mehr als 150 derselben. Die zweyte Linie des Feindes bleibt ruhig, und [[Claude Jacques Lecourbe|General Lecourbe]] hält gleichfalls das 23gste Cavallerie-Regiment zurück, obgleich eben dieses Regiment vom Eifer, sich zu schlagen, brennt. Auf der Rechten und auf der Linken machet unsre Infanterie Vorschritte. Ein Bataillon der 38sten, und das 8te Husaren-Regiment bemächtigen sich des Dorfes Golz (Gols), und nahmen 1 Kanone. Auf der Linken hatte die 109te Halbbrigade den Feind zurück gedrückt: da sie aber auf die Kreuzwege von [[Laufen]] und [[Reichenhall]] nach [[Salzburg]] kam, traff die zahlreiche Reserven, und konnte diesen Punct nicht überwältigen, obgleich [[Joseph Hélie Désiré Perruquet de Montrichard|General Montrichard]] ihr 1 Bataillon von der 84gsten zugeschickt hatte. Hier wurde [[Joseph François Ignace Maximilien Schiner|General Schinner]], der es anführte, von einer Kanonen-Kugel an der Hand verwundet, und in dem Schenkel erhielt er eine Flintenkugel. [[Claude Jacques Lecourbe|Lecourbe]], der sah, daß der Feind mit Macht da war, wollte sich nicht in einen ungleichen Kampf einlassen, während der übrige Theil der Armee sich mit dem Uebergang über den Fluß beschäftigte. Er ließ seine Flügel zurückziehen, seine Cavallerie hinter den Engpaß gehen, und beschränkte sich darauf, die Spitze des Dorfes Waal (Wals) mit einem Theile seiner Infanterie der 84gsten und 1 Bataillon der 36gsten zu halten. Er erhielt sich auf solche Art das Mittel, auf [[Salzburg]] zu marschiren, in dem Augenblick, wo die Armee in gleicher Höhe mit ihm an dem rechten Ufer der [[Salzach]] sich zeigen würde.
   
 
Der Feind wagte es nicht, etwas auf diese kühnr Bewegung zu unternehmen, ob er gleich beynahe seine ganze Cavallerie, etwas Iufanterie, und einen grossen Theil seiner Artillerie da hatte. Dem [[Jean-Victor Moreau|Obergeneral]] ward um 11 Uhr morgens gemeldet, was auf dem rechten Flügel vorgieng; er hatte dem [[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]] befohlen, sich mit dem Uebergange seiner Truppen zu beeilen, und rasch auf [[Salzburg]] zu marschiren, mittelst eines grossen Artillerie-Feuers gegen alles, was er vor sich finden würde. Dieser General stieß gegen 2 Uhr Nachmittags auf den Feind, und schickte sich an, auf alle seine Posten zu kanoniren, und sie wacker zu treiben.
 
Der Feind wagte es nicht, etwas auf diese kühnr Bewegung zu unternehmen, ob er gleich beynahe seine ganze Cavallerie, etwas Iufanterie, und einen grossen Theil seiner Artillerie da hatte. Dem [[Jean-Victor Moreau|Obergeneral]] ward um 11 Uhr morgens gemeldet, was auf dem rechten Flügel vorgieng; er hatte dem [[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]] befohlen, sich mit dem Uebergange seiner Truppen zu beeilen, und rasch auf [[Salzburg]] zu marschiren, mittelst eines grossen Artillerie-Feuers gegen alles, was er vor sich finden würde. Dieser General stieß gegen 2 Uhr Nachmittags auf den Feind, und schickte sich an, auf alle seine Posten zu kanoniren, und sie wacker zu treiben.
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[[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]], nachdem er bey 100 Gefangene gemacht hatte, stellte sich 3 Stunden von [[Salzach]] auf; die [[Antoine Richepanse|Division Richepanse]] gieng über die [[Salzach]], und der übrige Theil der Armee folgte ihr am andern Tage.
 
[[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]], nachdem er bey 100 Gefangene gemacht hatte, stellte sich 3 Stunden von [[Salzach]] auf; die [[Antoine Richepanse|Division Richepanse]] gieng über die [[Salzach]], und der übrige Theil der Armee folgte ihr am andern Tage.
   
Die feindliche Armee, deren Rückzug auf der Neumarkter Straße durch unsern Uebergang bey [[Lauffen|Laufen]] bedroht war, benützte die Nacht, um sich eilig zurückzuziehen. [[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]] erfuhr am 15ten Morgens durch seine Recognoscirungsparteyen, daß die österreichischen Posten verschwunden waren. Er marschirte mit seinem Vortrabe auf [[Salzburg]], und rückte zuerst daselbst über die Straße des rechten Ufers der [[Salzach]] ein; [[Claude Jacques Lecourbe|General Lecourbe]] zog gleich nachher auf dem andern Ufer ein.
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Die feindliche Armee, deren Rückzug auf der Neumarkter Straße durch unsern Uebergang bey [[Laufen]] bedroht war, benützte die Nacht, um sich eilig zurückzuziehen. [[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]] erfuhr am 15ten Morgens durch seine Recognoscirungsparteyen, daß die österreichischen Posten verschwunden waren. Er marschirte mit seinem Vortrabe auf [[Salzburg]], und rückte zuerst daselbst über die Straße des rechten Ufers der [[Salzach]] ein; [[Claude Jacques Lecourbe|General Lecourbe]] zog gleich nachher auf dem andern Ufer ein.
   
 
Bey dieser glänzenden Operation läßt sich der Scharfsinn und die Behendigkeit des [[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]] nicht genug würdigen. Er erhasche die kleinsten Umstände, und gelang damit zu den glücklichsten Erfolgen. Am vorzüglichsten rühmet er die [[Pierre François Joseph Durutte|General Durutte]], und [[Karol Kniaziewicz|Kniazewitz]], die cammandirenden Adjutanten Plausanne und Gillot: den Brigade-Chef Mortieres, die Capitäne Vallee und Datessen, den Adjutanten Labiffe, und den Lieutenant vom Genie-Corps, Michaud. Sein junger Bruder, den er nicht nennet, hat sich bey dieser Gelegenheit ebenfalls ausgezeichnet.
 
Bey dieser glänzenden Operation läßt sich der Scharfsinn und die Behendigkeit des [[Charles Mathieu Isidore Decaen|General Decaen]] nicht genug würdigen. Er erhasche die kleinsten Umstände, und gelang damit zu den glücklichsten Erfolgen. Am vorzüglichsten rühmet er die [[Pierre François Joseph Durutte|General Durutte]], und [[Karol Kniaziewicz|Kniazewitz]], die cammandirenden Adjutanten Plausanne und Gillot: den Brigade-Chef Mortieres, die Capitäne Vallee und Datessen, den Adjutanten Labiffe, und den Lieutenant vom Genie-Corps, Michaud. Sein junger Bruder, den er nicht nennet, hat sich bey dieser Gelegenheit ebenfalls ausgezeichnet.
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Der linke Flügel marschirte auf Ried, und ließ, bis zur Ankunft der Truppen unter den Befehlen des [[Gilbert-Joseph-Martin Bruneteau|Generallieutenants St. Susanne]], die Brigade des [[Dominique Joba|Generals Joba]] zur Blokade von [[Braunau]] zurück. Dieser General warf die Garnison in die Festung, machte gegen 200 Mann Gefangene, und bemächtigte sich einer Kanone.
 
Der linke Flügel marschirte auf Ried, und ließ, bis zur Ankunft der Truppen unter den Befehlen des [[Gilbert-Joseph-Martin Bruneteau|Generallieutenants St. Susanne]], die Brigade des [[Dominique Joba|Generals Joba]] zur Blokade von [[Braunau]] zurück. Dieser General warf die Garnison in die Festung, machte gegen 200 Mann Gefangene, und bemächtigte sich einer Kanone.
   
Den 16ten December griff die Division des [[Antoine Richepanse|Generals Richepanse]], die den Tag vorher 12 Stunden gemacht hatte, um von [[Lauffen|Laufen]] auf Herdorf (Henndorf) zu kommen, wo sie sich auf Pistolenschuß-Nähe von den Posten des Feindes stellte, diesen mit Anbruche des Tages an. [[Jean-Baptiste Drouet d'Erlon|Brigade-General Drouet]] überstieg mit 2 Bataillonen der 27gsten, unter dem Commando des Brigade-Chefs Lefranc, und mit 1 Bataillon der 14ten leichten, die Höhe links der Straße. Die Rechte des Feindes ward in einem Augenblicke durch diesen ungestümmen Angriff geworfen, und verließ ihre Stellung.
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Den 16ten December griff die Division des [[Antoine Richepanse|Generals Richepanse]], die den Tag vorher 12 Stunden gemacht hatte, um von [[Laufen]] auf Herdorf (Henndorf) zu kommen, wo sie sich auf Pistolenschuß-Nähe von den Posten des Feindes stellte, diesen mit Anbruche des Tages an. [[Jean-Baptiste Drouet d'Erlon|Brigade-General Drouet]] überstieg mit 2 Bataillonen der 27gsten, unter dem Commando des Brigade-Chefs Lefranc, und mit 1 Bataillon der 14ten leichten, die Höhe links der Straße. Die Rechte des Feindes ward in einem Augenblicke durch diesen ungestümmen Angriff geworfen, und verließ ihre Stellung.
   
 
Dieß war so schnell gelungen, daß die Brigade des [[Louis Michel Antoine Sahuc|Generals Sahüc]], die der Heerstraße folgte, und die Brigade des [[Jean-Baptiste de Lorcet|Generals Lorcet]], die sich rechte gewandt hatte, viele Mühe hatten, ungeachtet ihres schnellen Aufstellens und Marschirens, den Feind zu erreichen, der, als er seine Rechte geworfen sah, sich in Eile zurückzog. Gleichwohl ließen sich, da der Muth sicher mehr Füsse machet, als die Furcht, wie [[Antoine Richepanse|General Richepanse]] in seinem Berichte saget, alle Brigaden der Division ein. Die [[Jean-Baptiste de Lorcet|Brigade Lorcet]], die aus der 8ten Linien-Halbbrigade, dem 5ten Husaren-Regiment und 3 Stücken leichter Artillerie bestand, welche von Escadrons-Chef Rouget commandirt wurde, fügte dem Feinde einen beträchtlichen Verlust zu; sie bemächtigte sich dreyer Kanonen: zwey waren von unsren Kanonieren demontirt worden, deren Geschicklichkeit man nicht genug rühmen, und nur ihren Muthe gleichsetzen kann. [[Louis Michel Antoine Sahuc|General Sahüc]] rückte seiner Seits, an der Spitze der 43sten und des 1ten Chasseur-Regiments, auf der Hauptstraße bis über Straßwalchen mit solcher Schnelligkeit vor, daß, was von der Linken und Rechten des Feindes entkommen war, sich nicht mehr mit diesem Armee-Corps vereinigen konnte, und in die Wälder floh. Die Frucht dieses Gefechtes waren bey 1000 Gefangene, und 3 Kanonen, die dem Feinde genommen worden waren.
 
Dieß war so schnell gelungen, daß die Brigade des [[Louis Michel Antoine Sahuc|Generals Sahüc]], die der Heerstraße folgte, und die Brigade des [[Jean-Baptiste de Lorcet|Generals Lorcet]], die sich rechte gewandt hatte, viele Mühe hatten, ungeachtet ihres schnellen Aufstellens und Marschirens, den Feind zu erreichen, der, als er seine Rechte geworfen sah, sich in Eile zurückzog. Gleichwohl ließen sich, da der Muth sicher mehr Füsse machet, als die Furcht, wie [[Antoine Richepanse|General Richepanse]] in seinem Berichte saget, alle Brigaden der Division ein. Die [[Jean-Baptiste de Lorcet|Brigade Lorcet]], die aus der 8ten Linien-Halbbrigade, dem 5ten Husaren-Regiment und 3 Stücken leichter Artillerie bestand, welche von Escadrons-Chef Rouget commandirt wurde, fügte dem Feinde einen beträchtlichen Verlust zu; sie bemächtigte sich dreyer Kanonen: zwey waren von unsren Kanonieren demontirt worden, deren Geschicklichkeit man nicht genug rühmen, und nur ihren Muthe gleichsetzen kann. [[Louis Michel Antoine Sahuc|General Sahüc]] rückte seiner Seits, an der Spitze der 43sten und des 1ten Chasseur-Regiments, auf der Hauptstraße bis über Straßwalchen mit solcher Schnelligkeit vor, daß, was von der Linken und Rechten des Feindes entkommen war, sich nicht mehr mit diesem Armee-Corps vereinigen konnte, und in die Wälder floh. Die Frucht dieses Gefechtes waren bey 1000 Gefangene, und 3 Kanonen, die dem Feinde genommen worden waren.
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==Quellen und Literatur.==
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==Quellen.==
*Beyträge zur Geschichte des Aufenthaltes der Franzosen im Salzburgischen und in den angränzenden Gegenden. Herausgegeben von Judas Thaddäus Zauner. Salzburg, in der Mayrischen Bunchhandlung 1801.
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<references/>
 
[[Kategorie: Jahr 1800]]
 
[[Kategorie: Jahr 1800]]

Aktuelle Version vom 26. März 2020, 11:33 Uhr

Französischer Amtsbericht von den, im Salzburgischen vorgefallenen Kriegsereignissen, erstattet von General Dessolle, Chef des Obergeneralstabes der Rheinarmee.Bearbeiten


Aus dem Tagebuch,[1] welches seit dem Anfange des Winterfeldzuges bis zu dem, am 4ten Nivose oder 25sten December 1800 zu Steyer geschlossenen Waffenstillstands-Vertrage über die Kriegsthaten der Französischen Rheinarmee General Dessolle (im Hauptquartiere zu Salzburg den 15ten und 16ten Nivose Jahr 9) ausgefertiget, und an den Kriegsminister Alexander Berthier übersandt hatte. In der Ursprache ist dieses Tagebuch zu Paris besonders gedruckt erschienen, unter dem Titel: Journal historique des operations de l'armée du Rhin depuis le 7 frimaire, epoque de la reprise des hostilités, jusqu'au 4 nivose; par le Général de division Dessolle, chef de l'état major-général de cette armée. *79 Seiten in gr. 8.) Mit eben diesem Tagebuche ist gegenwärtige Uebersetzung durch den Herausgeber verglichen, und darnach berichtiget und ergänzet worden. Zu einem Gegenstücke, und zur Sichtung obiger einseitigen Angaben hoffen wir künftig auch einen Oestreichischen Kriegsbericht, oder doch wenigstens Zusätze und Berichtigungen liefern zu können.

Es kam jetzt (nachdem am 9ten December 1800 der Innstrom bey Neubeuern oberhalb Rosenheim übersetzt worden war) darauf an, rasch an die Salzach anzurücken, damit der Feind, noch bestürzt durch den Uebergang über den Inn, über diese erste und furchtbare Landwehr, nicht Zeit gewinne, sich daselbst aufzustellen, und auf Vertheidigung zu denken. General Lecourbe erhielt demnach Befehl, am 10ten December auf Seebruck, an der Spitze des Chiemsees, zu rücken, um den Feind lebhaft zu verfolgen, und auf das andere Ufer der Salzach zu werfen; man ließ ihn dabey wissen, daß die Division Grouchy zur Unterstützung nachrückte. Die Generale Richepanse und Decaen sollten am nämlichen Tage auf den Wasserburger Chausseen nach Salzburg rücken, der erste über die Strasse, die am Strome sich hinzieht, der zweyte über die, welche auf Oberg (Obing) hingeht. Durch diese Bewegung sollte der Feind genöthigt werden, seine Brückenschanzen, am Inn bis zum Ausfluße der Salzach zu verlassen, und so dem General Grenier, der mit 2 Divisionen auf Wasserburg marschirte, einen neuen Uebergang zu öffnen; General Ney sollte bey Mühldorf übersetzen, sobald der Feind es verlassen haben würde. Lecourbe brach am 10ten Morgens auf. General Gudin machte die Spitze, und die Division Montrichard folgte in verschiedenen von einander entfernten Abtheilungen (en échelons). Der Feind hielt nur schwach Stand bis Seebruck; das 8te Husaren-Regiment machte einige einzelne Angriffe auf die Dragoner von Waldeck, die den Angriff deckten, und der Brigade-Chef Marula brachte 200 Gefangene mit 80 Pferden, die bey den Angriffen genommen worden, zusammen.

Am 11ten setzten diese beyden Divisionen ihren Marsch fort, um vorwärts nach Tramstein (Traunstein) zu kommen. An der Seebrucker Brücke waren 3 Bögen abgebrochen; die Colonne ward 3 Stunden aufgehalten. Endlich entdeckte man eine Furt vorne am Chiemsee; die Artillerie gieng sogleich hinüber, so wie die Cavallerie, welche 2 oder 3 Infanteristen hinter aufnahm. Der Feind hielt sich in allen Stellungen; der Brigade-Chef Marula ließ 4 Anfälle hinter einander auf die feindliche Reiterey thun, die ungefähr 300 Gefangene eintrugen, darunter 100 Dragoner oder Husaren.

General Lecourbe stellte am Abend vor Traunstein auf; ein Bataillon von der 26gsten und 25 Pferde waren an den Chiemsee auf dessen rechte Seite beordert worden, um die Engpässe an Tyrol und Reichenhall zu beobachten; diese Colonne schloß sich wieder an, da sie auf ihrem Marsche nur einige Streifparteyen angetroffen hatte, die vor ihr flohen.

Am 12ten Morgens brachen die Colonnen unter den Generalen Gudin und Montrichard über den Traunsteiner Weg nach Salzburg auf; da der Paß eng war, so marschirten die Corps in mehreren Abtheilungen und in gewissen Entfernungen (en échelons). General Lecourbe befahl der Brigade von der Linken des Generals Montrichard, sich von Teisendorf auf Lauffen|Laufen zu wenden, um seine linke Flanke zu decken. Die Colonne des Generals Gudin neckte den Feind bis nach Altstetten (Adelstetten) und machte auf verschiedenen Puncten immer einige Gefangene. Vor Altstetten (Adelstetten) wurde das Land offener.

Die Oesterreicher, mit ihren Reserven über Laufen und Salzburg in genauer Verbindung, hatten gegen Salzburghofen eine Macht gesammelt, und standen vor diesem Dorfe in Schlachtordnung. General Gudin, auf der Rechten, rückte gegen Feldkirch an die Saal, und sollte längs dem Fluße durch den, an ihm liegenden Wald bis an ihren Zusammenfluß hinziehen. General Montrichard, auf der Linken, wandte sich auf der Laufner Straße nach Salzburg; die gesammte Cavallerie rückte im Mittelpuncte vor. General Montrichard ward einen Augenblick überflügelt; der Feind ward aber aufgehalten, angegriffen, und mit Ungestümm über die Salzach zurück geworfen; der größte Theil ertrank, indem er durchzuwaten suchte. General Gudin, bey Feldkirch, zwang Alles, was vor ihm war, über die Saal zurück zu kehren. Ein Bataillon von der 94sten rückte rasch auf Salzburghofen, und schnitt ab, was dort war. Der Feind floh in größter Unordnung, und ließ 5 Kanonen, und 600 Gefangene zurück, und mehr als 200 Todte auf dem Schlachtfelde. Capitän Lecroix von der 94sten zeichnete sich hier aus.

Während General Lecourbe, welcher den General Grouchy zur Reserve hatte, an der Saal und Salzach ankam, hatten die 2 andern Divisionen des Mittelpuncts, nachdem sie Wasserburg geräumt gefunden, eine Bewegung mit ihrer Rechten gemacht, und waren über Altenmark an der Salza (Alza *) gegen Lauffen|Laufen gerückt.

*) Dieser Fluß entspringt im Chiemsee, nimmt bey Baumburg die Traun auf, und ergießt sich oberhalb Markt in den Inn.

Der Feind hatte nach und nach seine Brückenschanzen von Wasserburg, Krayburg, und Mühldorf geräumt. General Grenier war mit 2 Divisionen und der Reserve-Cavallerie bey Wasserburg, und General Ney bey Mühldorf über den Inn gegangen.

Am 13ten hatte sich General Decaen hinter Lauffen|Laufen aufgestellt; General Richepanse stand zwischen Waging und Schoznerarg (Schonram oder Scharham) Bataillon hinter Bataillon. Zwey Divisionen vom linken Flügel traffen in Troßburg ein, bereit, sich rechts oder links zu wenden, nach dem Puncte, wo der Uebergang beschlossen seyn würde. Die dritte Division unter dem Commando des Generals Ney maskirte Burghausen, das die Oestreicher stark verschanzt hatten.

Das Französische General-Commando erfuhr indessen, daß ein grosser Theil der feindlicher Macht sich über Altenmark auf Salzburg zurück begeben hatte, und sich da zusammenzöge. Der Obergeneral beschloß nun, zwischen Laufen und Salzburg über die Salzach zu gehen, und dann gleich nach dem Uebergange die Neumarkter Strasse zu bedrohen, und die Oestreicher zu einem schleunigen Rückzuge zu nöthigen, oder völlig in die Tyroler Gebirge zurück zu werfen.

Am 13ten Decemb. war General Decaen beordert, von da auf sehr ausgebreitete Recognoscirungen an der Salzach vorzunehmen. Durch eines jener glücklichen Ereignisse, die eine Reihe von Siegen nach sich zieht, wurden die Recognoscirungen und der Uebergang Eine Unternehmung. Die Gewohnheit glücklicher Erfolge, die alles wagen läßt, der Muth der Truppen, die Unerschrockenheit einiger Braven, die Geschicklichkeit der Generale Durutte und Kniazewitz, den Eifer der Soldaten zu benützen, die Thätigkeit der Stabsofficiere, bewirkten einen Uebergang, dem keine militärische Combination, als die des Augenblicks, vorangehen konnte. Der Vortrab des Generals Decaen traf gegen Mittag in Laufen ein. *) Schon hatte er durch seine Recognoscirungs-Posten erfahren, daß 4 Bögen der Brücke abgebrochen waren; daß der Feind wirklich mit 3 Bataillonen, 6 Artillerie-Stücken, und mehr als 400 Pferden auf dem rechten Ufer stand, indem er (Decaen) selbst dort ankam; der Feind hatte keine Anstalt gemacht, um das Annähern an den Fluß zu verhindern; er hatte unsere Truppen nicht einmal mit einem Kanonenschuße beehrt; er begnügte sich, die erhabene Böschung (escarpement elevé) welche die Brücke beherrscht, mit seiner Infanterie zu besetzen, und seine Artillerie auf diesen Anhöhen vortheilhaft aufzustellen.

*) Nach Privatnachrichten waren daselbst schon um 9 Uhr Vormittags Französische Truppen eingerückt.

General Durutte, der an der Salzach hinaufzog, um eine Furt zu suchen, wird eine halbe Stunde ober Laufen eine Barke gewahr. Drey Chasseurs, von der 14ten Namens Bernard, ein Tambour, Malle und Perrier, die sie ebenfalls gewahr werden, schwimmen hin, um sie zu holen. Trotz der strengen Kälte, trotz des reißenden Stroms (der Salzach) der noch reißender ist als der Inn, bemächtigen sie sich nach vieler Mühe der Barke, und bringen sie an das linke Ufer.

General Decaen ergreift diesen Zug von Hingebung mit Eifer, befiehlt dem General Durutte, augenblicklich 400 Mann auf das entgegengesetzte Ufer zu werfen, schicket den commandirenden Adjutanten Plausanne und seinen jungen Bruder Decaen, Officier von den Chasseurs, der Adjutanten-Dienste bey ihm versieht, an ihrer Spitze, und läßt, um die Aufmerksamkeit des Feindes abzuwenden, im nämlichen Augenblicke ein sehr lebhaftes Gewehr- und Kanonenfeuer gegen die Brücke machen. Zwey Compagnien von der 4ten, unter dem Commando des Capitäns Caseneuve und des Lieutenants Duvaldeur und ein Theil Chasseurs von der 14ten, unter Anführung des Capitäns Jean und des Adjutanten (Adjudant-major) Cornil gehen hinüber, und bemächtigen sich eines Dorfs auf dem rechten Ufer, das sie verrammeln, mit Zurücklassung einiger Mann, um die Beunruhigung ihrer Flanken und Rücken zu hindern; dann rücken sie in der größten Stille auf die Brückenschanze bis an den Feind, der sich nur mit unsrer Artillerie beschäftigte. Er wird überfallen, das Geschrey und die Bajonette einer Handvoll Leute bringen ihn in Unordnung, und man machet 100 Gefangene, unter denen 4 Officiere.

Dieser Erfolg wurde durch keine Unruhe gestört. Alle Kähne vom rechten Ufer waren bald zu unserm Gebrauche; und von Ende des Tages standen 800 Mann auf dem andern Ufer. Man benützte die Nacht, um eine fliegende Brücke zum Hinübergehen der Artillerie anzulegen. Die vom Feinde zerstörte Brücke wurde wieder hergestellt, um die Infanterie und Cavallerie hinüber zu bringen.

General Decaen ließ dem Obergeneral am Abend melden, daß ein Theil seiner Truppen über die Salzach gegangen wäre. Nun trug der Obergeneral dem General Richepanse auf, nach Laufen zu marschiren; der nämliche Befehl ward den General Grenier zugeschickt, für die Divisionen Bastoul und Legrand. Die Reserve-Cavallerie wurde auf Teisendorf geführt. General Lecourbe, der am nämlichen Tage oberhalb Feldkirch, nach einem lebhaften Gefechte, über die Saal gewatet war, erhielt Befehl, den Feind zu beobachten, und unsre rechte Flanke zu decken, während die Armee mit Bewerkstelligung ihres Ueberganges beschäftigt seyn würde. Die Division Grouchy, die bis dahin seine Reserve gemacht hatte, ward gleichfalls nach Laufen beordert, mit Ausnahme der Brigade Boyer, die an dem Zusammenfluße der Saal und der Salzach bleiben sollte. Die Brücken-Geräthschaften wurden in der Nacht nach Laufen abgeführt, wo sie am 14ten Morgens ankamen. Die Pontonniers rüsteten sich hierauf, eine neue Brücke zu schlagen.

Der Obergeneral begab sich persönlich nach Laufen, und fand den General Decaen in voller Arbeit, wie er den Uebergang seiner Division über die Salzach betrieb. Während dieses Geschäftes eröffnete sich ein äusserst hitziges Treffen an der Front des Generallieutenants Lecourbe. Es hatte vom Anfange des Tages an geschienen, als ob der Feind seine Vorwachen zurückgenommen hätte. Dieser rückgängigen Bewegung, wie man sie nach gedachten Anordnungen ansehen mußte, wollte General Lecourbe, jedoch mit Vorsicht, folgen. Er ließ daher seine ganze Cavallerie und Artillerie auf der Ebene vor dem Dorfe Waal (Wals) aufmarschiren, während Montrichard mit seiner Infanterie längs den Wäldern sich hinziehen sollte, welche das rechte Ufer der Saal bis zum Einfluße derselben in die Salzach begränzen. Da sollte er sich mit der Brigade des Generals Boyer vereinigen, welche noch am linken Ufer stand; aber bereits eine Furt gefunden hatte, wo sie übergehen konnte. Er sollte hierauf die vom Feinde abgebrannte Brücke in Besitz nehmen, und sogleich ausbessern lassen. Rechts sollte General Gudin sich mit 1 Bataillon des Dorfs Golz (Gols) bemächtigen, welches auf der Reichenhaller Landstraße in einer sehr mit Gehölze bewachsenen Gegend liegt. Der übrige Theil sollte sich vor dem Dorfe Waal (Wals) Aufstellen, und sich an dasselbe anlehnen.

Diese Anordnungen werden in Vollzug gesetzt. Einer Escadron des 7ten Husaren-Regiments, das 8te und das 9te von der nämlichen Armee, das 11te der Dragoner, und das 23gste der Cavallerie brechen mit der Artillerie in die Ebene vor. Es war ein sehr dichter Nebel; unsre Tirailleurs verfolgten den Feind lebhaft, der plötzlich 6 Artillerie-Stücke enthüllt, mit denen er ein sehr unterhaltendes Feuer anfängt; das unsrige beantwortet es einige Zeit mit Ueberlegenheit; aber bald hatte der Feind mehr als 30 Kanonen aufgepflanzet. Der Nebel, der sich zertheilet, läßt in dem Augenblicke eine zahlreiche Reiterey und auf mehreren Linien entdecken. Bald bewegt sich die erste, und greift unser 7tes und 9tes Husaren-Regiment an, welche den Anfall mit Muth aushalten; aber da sie nicht so zahlreich, als der Feind, sind, so werden sie zurückgedrängt. Das 11te Dragoner-Regiment rückt vor, und verschafft den schönsten Angriff, der möglich ist. Dieses Regiment wirft alles, was ihm im Wege ist. Die Husaren sammeln sich mit Hülfe des 23gsten Cavallerie-Regiments, und in Gemeinschaft mit den Dragonern bringen sie wenigstens 2000 Pferde in Rückzug, und nehmen mehr als 150 derselben. Die zweyte Linie des Feindes bleibt ruhig, und General Lecourbe hält gleichfalls das 23gste Cavallerie-Regiment zurück, obgleich eben dieses Regiment vom Eifer, sich zu schlagen, brennt. Auf der Rechten und auf der Linken machet unsre Infanterie Vorschritte. Ein Bataillon der 38sten, und das 8te Husaren-Regiment bemächtigen sich des Dorfes Golz (Gols), und nahmen 1 Kanone. Auf der Linken hatte die 109te Halbbrigade den Feind zurück gedrückt: da sie aber auf die Kreuzwege von Laufen und Reichenhall nach Salzburg kam, traff die zahlreiche Reserven, und konnte diesen Punct nicht überwältigen, obgleich General Montrichard ihr 1 Bataillon von der 84gsten zugeschickt hatte. Hier wurde General Schinner, der es anführte, von einer Kanonen-Kugel an der Hand verwundet, und in dem Schenkel erhielt er eine Flintenkugel. Lecourbe, der sah, daß der Feind mit Macht da war, wollte sich nicht in einen ungleichen Kampf einlassen, während der übrige Theil der Armee sich mit dem Uebergang über den Fluß beschäftigte. Er ließ seine Flügel zurückziehen, seine Cavallerie hinter den Engpaß gehen, und beschränkte sich darauf, die Spitze des Dorfes Waal (Wals) mit einem Theile seiner Infanterie der 84gsten und 1 Bataillon der 36gsten zu halten. Er erhielt sich auf solche Art das Mittel, auf Salzburg zu marschiren, in dem Augenblick, wo die Armee in gleicher Höhe mit ihm an dem rechten Ufer der Salzach sich zeigen würde.

Der Feind wagte es nicht, etwas auf diese kühnr Bewegung zu unternehmen, ob er gleich beynahe seine ganze Cavallerie, etwas Iufanterie, und einen grossen Theil seiner Artillerie da hatte. Dem Obergeneral ward um 11 Uhr morgens gemeldet, was auf dem rechten Flügel vorgieng; er hatte dem General Decaen befohlen, sich mit dem Uebergange seiner Truppen zu beeilen, und rasch auf Salzburg zu marschiren, mittelst eines grossen Artillerie-Feuers gegen alles, was er vor sich finden würde. Dieser General stieß gegen 2 Uhr Nachmittags auf den Feind, und schickte sich an, auf alle seine Posten zu kanoniren, und sie wacker zu treiben.

General Lecourbe bemerkte nun eine grosse Unschlüßigkeit in den Bewegungen der Truppen, gegen die er kämpfte; aber bald ließ die Nacht nichts mehr von ihren Manöuvren wahrnehmen, und sie machte dem Feuer auf allen Puncten ein Ende.

General Decaen, nachdem er bey 100 Gefangene gemacht hatte, stellte sich 3 Stunden von Salzach auf; die Division Richepanse gieng über die Salzach, und der übrige Theil der Armee folgte ihr am andern Tage.

Die feindliche Armee, deren Rückzug auf der Neumarkter Straße durch unsern Uebergang bey Laufen bedroht war, benützte die Nacht, um sich eilig zurückzuziehen. General Decaen erfuhr am 15ten Morgens durch seine Recognoscirungsparteyen, daß die österreichischen Posten verschwunden waren. Er marschirte mit seinem Vortrabe auf Salzburg, und rückte zuerst daselbst über die Straße des rechten Ufers der Salzach ein; General Lecourbe zog gleich nachher auf dem andern Ufer ein.

Bey dieser glänzenden Operation läßt sich der Scharfsinn und die Behendigkeit des General Decaen nicht genug würdigen. Er erhasche die kleinsten Umstände, und gelang damit zu den glücklichsten Erfolgen. Am vorzüglichsten rühmet er die General Durutte, und Kniazewitz, die cammandirenden Adjutanten Plausanne und Gillot: den Brigade-Chef Mortieres, die Capitäne Vallee und Datessen, den Adjutanten Labiffe, und den Lieutenant vom Genie-Corps, Michaud. Sein junger Bruder, den er nicht nennet, hat sich bey dieser Gelegenheit ebenfalls ausgezeichnet.

General Lecourbe, der seit dem Uebergange über den Inn den Feind auf seinen Rücken keinen Augenblick verlassen hatte, hat, nachdem er ihn einen Augenblick umzukehren gezwungen, ihn trotz seiner Ueberzahl zu bekämpfen, und sich stolz vor ihm zu behaupten gewußt. Er lobt alle Generals, Officiere, Gemeine und den Majorstab seines Armee-Corps.

Wir haben den Verlust mehrerer ausgezeichneten Officiere zu beklagen, unter welchen der B. Ducheron, Oberst des 9ten Husaren-Regiments, ein Officier von grossen Verdiensten, und einer der besten Chefs von Corps bey der Französischen Armee: er ward durch eine Kanonen-Kugel an der Spitze seines Regiments getödtet. Der commandirende Adjutant Mangin, welchem in dem Treffen vom 14ten Decemb. der Arm durch eine Kanonen-Kugel zerschmettert ward, ist an den Folgen dieser Verwundung gestorben. *)

*) Er starb nach einer Woche zu Salzburg, und wurde am 25gsten Decemb. 1800 unter dem Geläute aller Glocken, und in Begleitung des Domchors, so wie unter Paradirung der Französischen Grenadiere, im Kirchhofe zu St. Sebastian mit allen kirchlichen und militärischen Ehren zur Erde bestattet.

Die Oestreichische Armee, welche uns nicht hinter dem Inn und hinter der Salzach aufzuhalten vermochte, durfte es nicht wagen, uns neue Treffen zu liefern. Sie beschleunigte als ihren Rückzug auf der Straße von Salzburg nach Linz, und schickte, um Steyermark zu decken, nur das Condeische Corps dahin ab.

Der Obergeneral, der ihr keine Zeit lassen wollte, sich wieder anfzustellen, gab Befehle, ihr mit der größten Schnelligkeit zu folgen. Er ließ zwar, was nicht zu läugnen ist, hinter sich in Tyrol ein Corps von 25,000 Mann, das sich ohne unser Wissen sammeln, und entweder über die Scharniz hervorbrechen konnte, um nach München vorzurücken, oder über Kufstein, um Salzburg zu bedrohen. Auch konnte die österreichische Armee von Italien Truppen abschicken, um über die Straße von Leoben und Rottenmann auf den nämlichen Punct zu rücken, und so, nach Vereinigung mit dem Corps von Tyrol, eine furchtbare Armee auf unserm rechten Flügel darstellen. Aber die Armee, die er vor sich hatte, war schon so seht erschüttert, daß er ohne Gefahr bis über die Enns vorrücken, und dieselbe aufreiben zu können glaubte, ehe eine Gemeinschaft der Verrichtungen zwischen den Corps, die er auf seiner rechten Flanke und auf seinem Rücken ließ, hergestellt würde. Er begnügte sich also damit, diese Engpässe durch einige Truppen zu verstecken, die sich dort aufstellten.

Um zu gleicher Zeit die Linke und unsre Verbindung mit Frankreich zu decken, trug der Obergeneral dem Generallieutenant St. Susanne auf, zwischen die Unter-Iser und den Nieder-Inn zu manövriren. Dieser General sollte Braunau berennen, und fortdauernd seine Linke gegen Ingolstadt ausdehnen, um die Donau zu schützen, und sich mit dem General Augereau zu verbinden zu suchen. In dieser Absicht unternahm er es, auf die Nachricht, das General Klenau mit einem Theile seiner Macht auf Nürnberg rückte, ihn durch einen Angriff auf Regensburg und Passau zurückzubringen. General Souham bemächtigte sich glücklich der ersten dieser beyden Städte. General Collaud marschirte auf die zweyte. Diese Bewegung hatte den doppelten Zweck, das Klenauische Corps zurückzubringen, und den Rücken unsrer Linken zu decken.

Nach diesen Anordnungen befahl der Obergeneral dem Mittelpuncte der Armee, sich auf die Linzer Chaussee zu wenden. General Richepanse machte den Vortrab; die Generale Decaen und Grouchy rückten zur Unterstützung nach. Der rechte Flügel rückte über Mondsee, längs dem See, hin nach Gmunden, um daselbst über die Traun zu gehen, und sich auf solche Art auf der Flanke des Feindes zu befinden, wenn er diese Linie, die ziemlich gut ist, hätte vertheidigen wollen. General Lecourbe erfuhr auf seinem Marsche durch die Gebirge, wo es kaum schlechten gemachten Fußweg hat, viele Schwierigkeiten, und war genöthiget, seine Artillerie von Aurach auf Schörfling zurückzuschicken, um sie die Straße von Vöcklabruck nehmen zu lassen.

Der linke Flügel marschirte auf Ried, und ließ, bis zur Ankunft der Truppen unter den Befehlen des Generallieutenants St. Susanne, die Brigade des Generals Joba zur Blokade von Braunau zurück. Dieser General warf die Garnison in die Festung, machte gegen 200 Mann Gefangene, und bemächtigte sich einer Kanone.

Den 16ten December griff die Division des Generals Richepanse, die den Tag vorher 12 Stunden gemacht hatte, um von Laufen auf Herdorf (Henndorf) zu kommen, wo sie sich auf Pistolenschuß-Nähe von den Posten des Feindes stellte, diesen mit Anbruche des Tages an. Brigade-General Drouet überstieg mit 2 Bataillonen der 27gsten, unter dem Commando des Brigade-Chefs Lefranc, und mit 1 Bataillon der 14ten leichten, die Höhe links der Straße. Die Rechte des Feindes ward in einem Augenblicke durch diesen ungestümmen Angriff geworfen, und verließ ihre Stellung.

Dieß war so schnell gelungen, daß die Brigade des Generals Sahüc, die der Heerstraße folgte, und die Brigade des Generals Lorcet, die sich rechte gewandt hatte, viele Mühe hatten, ungeachtet ihres schnellen Aufstellens und Marschirens, den Feind zu erreichen, der, als er seine Rechte geworfen sah, sich in Eile zurückzog. Gleichwohl ließen sich, da der Muth sicher mehr Füsse machet, als die Furcht, wie General Richepanse in seinem Berichte saget, alle Brigaden der Division ein. Die Brigade Lorcet, die aus der 8ten Linien-Halbbrigade, dem 5ten Husaren-Regiment und 3 Stücken leichter Artillerie bestand, welche von Escadrons-Chef Rouget commandirt wurde, fügte dem Feinde einen beträchtlichen Verlust zu; sie bemächtigte sich dreyer Kanonen: zwey waren von unsren Kanonieren demontirt worden, deren Geschicklichkeit man nicht genug rühmen, und nur ihren Muthe gleichsetzen kann. General Sahüc rückte seiner Seits, an der Spitze der 43sten und des 1ten Chasseur-Regiments, auf der Hauptstraße bis über Straßwalchen mit solcher Schnelligkeit vor, daß, was von der Linken und Rechten des Feindes entkommen war, sich nicht mehr mit diesem Armee-Corps vereinigen konnte, und in die Wälder floh. Die Frucht dieses Gefechtes waren bey 1000 Gefangene, und 3 Kanonen, die dem Feinde genommen worden waren.

Den 17ten December stieß die Division Richepanse, welche am Tage zuvor eine starke Stunde vor Straßwalchen eine Stellung genommen hatte, auf den Feind zu Untermillham (zwischen Straßwalchen und Frankenmarkt) und warf ihn lebhaft auf Frankenmarkt zurück, wo man ihm nicht Zeit ließ, sich aufzustellen. Dagegen nahm der Feind eine Stellung hinter den Gehölzen und Engpässen, welche man antrifft, nachdem man Frankenmarkt zurückgelegt hat. Die Chefs der 27gsten und 8ten Linien-Halbbrigaden, Lefranc und Sarrut, hatten alle ihre Unerschrockenheit, und die der tapfern, welche sie anführen, nöthig, um diese Stellung wegzunehmen. Es war schon eine Stunde Nacht, als man sich noch schlug. Endlich überließ uns der Feind sein Lager, seine Feuer, seine Kessel; und unsere Truppen, welche viele Gefangene zusammenbrachten, verfolgten den Feind bis über Vöcklabruck.


Quellen.Bearbeiten

  1. Beyträge zur Geschichte des Aufenthaltes der Franzosen im Salzburgischen und in den angränzenden Gegenden. Herausgegeben von Judas Thaddäus Zauner. Salzburg, in der Mayrischen Bunchhandlung 1801.
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