Lähn.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Lähn, Lehn, Städtchen mit 810 Einwohnern im Fürstenthum Jauer, in Niederschlesien, an dem Bober. Es hieß vor diesem Birkenau, hat aber von dem dabey liegenden Schlosse Lähnhaus den jetzigen Namen bekommen. Es wird hier viel grobes Garn gesponnen.


Zeitgeschichte der Stadt.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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1806 den 13. Dez. Abends 7 Uhr brach durch Verwahrlosung Feuer aus und vernichtete 27 Häuser und 21 Scheunen nebst der Arnsberger Scholtisey. Doch größeres Unglück wiederfuhr der Stadt

1813. Zwar kam Lähn beim Einzug der Franzosen am 28. Mai glücklich weg, allein in die Demarkationslinie begriffen, mußte die Stadt den 8. Juni 2200 Italiäner von der Brigade Zucchi Einquartierung nehmen und von 1400 Pfd. Salz, welche der Kommissär Severoli forderte, kann man auf die übrigen Bedrückungen schließen. Den 10. Juni wechselten mit diesen Quälern 500 Franzosen von der Abtheilung Charpentier, blieben den Waffenstillstand hindurch und verfuhren nicht besser. Außer Lebensmitteln aller Gattung, worunter sogar Leckereien, welche die Stadt dem im Schlosse wohnenden General Meunier täglich liefern mußte, der überdieß noch 110 Rthlr. Tafelgelder erpreßte und 515 Rthlr. Kriegssteuer, wurde die Bürgerschaft von den rohen Gensd'armen unaussprechlich gehudelt, und alles mit Exekution beigetrieben.

Am 15. Aug Nachts fiel das Gefecht mit den Kosaken bei Kleppelsdorf vor, und dauerte unentschieden bis den 16. Morgens 6 Uhr, wo die Franzosen einen Theil der Boberbrücke abtrugen und die Stadt verließen. Doch die Kosaken durchschwammen den Fluß und brachten 150 gefangene Feinde zurück.

Am 17. August sehr früh rückten unter Kaisarow 8000 Russen in und um die Stadt, welche die Bürger nebst den anliegenden Dörfern beköstigen mußten.

Am 18. August, einem den Lähnern unvergeßlichen Tage, erschien 11 Uhr Mittags eine Brigade Italiäner unter General Zucchi und bald kam es zum blutigsten Treffen, welches bis in die Nacht dauerte und nebenbei alle Gräuel des Kriegs mitführte. Schon Mittags begann der Feind zu plündern. Jetzt sah man auf den Gassen nur Soldaten, welche von Haus zu Haus liefen, oder mit Beute beladen davon eilten. Hier erblickte man Bürger, welche von diesen Wüthrichen umher geschleppt wurden, ihnen verborgene Schätze zu zeigen, dort Weiber, die mit den Kindern davon flüchteten, um wenigstens das Leben zu retten. Ein Officier erstach den katholischen Cantor Hübner, einer ehrwürdigen Greis und einer Frau wurde die linke Hand durchschossen. -- Nachmittags 4 Uhr warfen die Russen Granaten auf den Thiemannschen Gasthof an der Boberbrücke, um den Feind daraus zu vertreiben. Dieses weitläuftige Gebäude loderte in Flammen auf und 200 verwundete Italiäner kamen darin ums Leben. Der Wirth rettete sich mit Lebensgefahr aus dem Keller, wo er sich versteckt hatte, durch eine in der Todesangst gemachte Oeffnung. Auch die Brücke und das benachbarte Zollhaus brannte weg. -- Um 7 Uhr Abends hatte zwar das Gefecht ein Ende, allein die erboßten Feinde steckten nun das Haus des Tischler Teschenscher und mehrere an, und in kurzer Zeit lag das ganze Städtchen in der Asche. Nur die evangelische Kirche blieb unversehrt. Selbst während der Feuersbrunst dauerte das Plündern der grimmigen Feinde fort. Die unglücklichen ihrer Habe und nun auch ihres Obdachs beraubten Einwohner sahen von den benachbarten Bergen, wohin sie geflüchtet waren, ihr Elend an.

Am 20. August Vormittags brach Zucchi mit seiner Brigade auf, welche bis dahin unermüdet gewesen war, die vom Brande noch übrigen Habseligkeiten der Bürger in den Kellern und Häusern aufzusuchen. Ein Theil der Einwohner kehrte am 22. August zurück und dankte in der Kirche Gott für das -- behaltene Leben. Nachmittags zogen 5000 von Napoleons Garden ein, durchwühlten ebenfalls den Schutt der Brandstätten und fielen zugleich über die zurück gekehrten Einwohner her, welche jetzt kaum die Kleider auf dem Leibe behielten. Fünf Tage lang blieben diese Unmenschen, verzehrten die letzten Lebensmittel der Lähner und der benachbarten Landleute und raubten beim Abzuge noch 5 Pferde und 180 Schafe.

Obgleich die Niederlage der Franzosen am Katzbach Schlesien befreite, brachte doch die dazu mit behülfliche nasse Witterung der Stadt neues Ungemach. Kaum war eine Woche vergangen, daß die Wohnungen der Bürger eingeäschert worden, da schwammen schon die Trümmer im entgegengesetzten Elemente, um uferlosen See, und die letzte Hoffnung entwich. Trostlos und zermalmt von der Gewalt dieser grauenvollen Tage seufzten und weinten die durch Feuer, Schwert und Wasser vertriebenen Flüchtlinge in den überfüllten Nachbardörfern, bis Held Blücher's Arm ihnen die frohe Aussicht verschaffte, ohne Gefahr wiederholter feindlicher Mißhandlungen heim zu gehen und mit Hülfe edler Menschenfreunde die ganz verwüstete Stadt aufzubauen.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
  2. Zeitgeschichte der Städte Schlesiens mit Abbildungen herausgegeben von D. Christ. Friedrich Emanuel Fischer und Carl Friedrich Stuckart. Schweidnitz bei Carl Friedrich Stuckart. 1819.
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