Wolle.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


[1] Noch ausgebreiteter ist der Nutzen der Wolle, welche im Grunde nichts anders ist, als ein kurzes, feines und krauses Haar, das wir von den Schaafen erhalten. Ein sehr großer Theil der Menschen erwirbt sich durch die Verarbeitung derselben seinen Unterhalt, und einem noch größern Theile dient sie zur Bekleidung.

Sie ist von verschiedner Güte. Zu dieser Verschiedenheit trägt theils das Klima, theils und hauptsächlich die Fütterung der Schaafe bei. Im gemäßigten Klima ist sie am besten; denn sowohl im heißen als im kalten artet sie aus. Durch Verbesserung der Weide und den Anbau guter Futterkräuter kann unsre einheimische Wolle sehr veredelt werden. Die Peruanische oder Vigognewolle ist die allerschönste; sie wird aber mehr zum Filzen als Weben gebraucht, und ist selten zu haben. Eben dies gilt auch von der Persischen. In Europa behauptet die Spanische den ersten Rang, und die Englische den zweiten. Da die Ausfuhr der Englischen streng verboten ist, so verarbeitet man in Deutschland nur Spanische und einheimische Wolle. Der Stein von der besten Spanischen kostet zwischen dreißig und vierzig Thalern.

Die Wolle wird überhaupt entweder zum Filzen, oder zum Weben, oder zum Stricken benutzt. Von dem Filzen ist unter dem Artikel: Hutmacher, bereits gesprochen worden, daher müssen wir nun noch das Weben und Stricken kürzlich betrachten.

Verarbeitung.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Man hat in Deutschland einschürige und zweischürige Wolle; jene enthält man von den Schaafen, die jährlich nur einmal, nämlich um Pfingsten, geschoren werden; die andre aber von denen, welchen man des Jahrs zweimal, im Frühlinge und im Herbst, die Wolle nimmt. Die einschürige wird größtentheils zu wollenen Zeugen, die zweischürige aber zu Tüchern und Hüten verbraucht, weil sie ihrer Kürze wegen sich gut filzen läßt. Eben so sondert der Schäfer die Lämmerwolle von der übrigen ab, und verkauft sie dem Hutmacher, da sie zum Spinnen und Weben zu kurz, zum Filzen aber sehr bequem ist.

Ehe die Wolle von dem Weber verarbeitet werden kann, muß sie dazu auf verschiedne Art erst vorbereitet werden. Um sie von dem natürlichen Schweiße und Schmutze zu reinigen, wäscht man die Schaafe entweder vor der Schur in reinem Wasser, oder die Wolle selbst, und so wird sie an den Woll-arbeiter verkauft. Dieser lieset nun alles Unreine (Futter) sorgfältig aus, und sortirt sie nach ihrer verschiednen Güte. Denn die Wolle ist an einem und ebendemselben Pelze gar sehr verschieden, z. B. am Halse und an den Beinen ist sie gewöhnlich schlechter, als am Bauche und auf dem Rücken. So haben auch die Schaafe von einerlei Heerde nicht einerlei Wolle. Diesen Unterschied, in Absicht der Feinheit und Güte der Wolle, durchs Gefühl sicher und schnell zu finden, erfordert viel Erfahrung und Geschicklichkeit, und ist eine Haupteigenschaft eines guten Woll-arbeiters. Denn je sorgfältiger die Wolle ausgelesen ist, desto besser werden die daraus zu bereitenden Zeuge.

Durch das bloße Waschen im Wasser ist sie noch lange nicht genug von dem Fette und der Unreinlichkeit befreiet worden, daher muß man sie nun noch einmal waschen, und zwar die feine (Spanische) in einem lauwarmen Bade von Wasser und Urin, wozu auch wol noch etwas Salz oder Pot-asche kommt; die gemeine Landwolle aber in Seifenwasser, woraus man eine Lauge macht.

Zu den sogenannten melirten Tüchern wird die Wolle nach der Wäsche verschiedentlich gefärbt und gut unter einander gemischt. Auch zu andern Tüchern von dunkler Farbe (schwarz ausgenommen) wird die Wolle gefärbt; die übrigen färbt man nach dem Weben. Soll sie aber weiß verarbeitet werden, so schwefelt man sie, indem man sie auf Stangen hängt, in einer dichtverschloßnen Kammer, und unter den Stangen in irdnen oder eisernen Gefäßen zerstoßnen Schwefel auf Kohlen streuet. Hiedurch wird sie völlig weiß.

Hierauf flocket oder schlägt man sie auf einer Horde mit Stöcken, um sie aufzulockern, und in eben dieser Absicht bringt man sie auch in den Wolf, welches ein hölzerner Kasten ist, worinn eine Walze mit eisernen Haken liegt, so wie dergleichen Haken auch an den Seiten des Kastens angebracht sind. Durch das Herumdrehen der Walze wird die in den Kasten geworfne Wolle von den Haken zerzauset und völlig aufgelockert.

Um die Wolle milde und geschmeidig zu machen, schmalzt man sie mit Baum-öl, oder Buch- ecker- und Mohnsamen-öl ein, d. i. man besprengt sie mit diesem Oele, und läßt es recht durchziehen.

Nun wird sie endlich, je nachdem sie zu Tüchern oder Zeugen bestimmt ist, entweder gekrämpelt oder gekämmt; zu den Zeugen kann man nur die lange einschürige Wolle gebrauchen.

Das Krämpeln oder Kardätschen geschieht mit Bretern, die auf einer Seite mit Leder beschlagen sind, welches, nach Art der Hecheln, mit eisernen Haken besetzt ist. Man hat feinere und gröbere Sorten, die verschiedne Namen enthalten: Brechkämme, Schrobeln, Kardätschen und Kniestreichen. Sie werden nach der Verschiedenheit der Wolle und nach dem Zweck der Arbeit verschiedentlich gebraucht. Im Jahre 1785 wurde eine Maschine erfunden, welche in Einem Tage mehr krämpelt, als 10 Arbeiter zu liefern im Stande sind.

Die lange Wolle, die man vorzüglich zu Zeugen nimmt, wird mit Kämmen von doppelten stählernen Zähnen bearbeitet. Ein solcher Wollkamm besteht aus einem Holze, wie T gestaltet, auf dessen oberm Stücke zwei Reihen stählerner Spitzen oder Haken stehen. Der Kämmer hat zwei bis drei dergleichen Kämme, die er beim Gebrauche wechselsweise in dem Kammtopfe -- eine Art von kleinem Ofen, der mit Kohlen geheizt wird, -- erwärmt, und dann auf jeden eine Handvoll Wolle schlägt, welche er so lange kämmt, bis sie ganz rein und locker ist. Das Erwärmen der Kämme hat den Nutzen, daß das Fett in der Wolle sich mehr ausbreitet, und daß sie sich besser kämmen läßt. Durch dies Kämmen erhält man lange Flöten, die eben so, wie der Flachs, gesponnen werden. Die kurze verworrene Wolle, die in den Kämmen zurückbleibt, heißt Kämmling, und wird entweder an die Hutmacher verkauft, oder zu ganz groben Geweben verarbeitet.

Die gekrämpelte und auf dem Wollrade gesponnene Wolle gibt rauhe, wolligte Fäden zu Tüchern; von der gekämmten und auf einem Spinnrocken wie Flachs gesponnenen erhält man glatte und feine Fäden zu Zeugen. Ohne gute Spinner kann der geschickteste Weber kein gutes Gewebe machen; daher beruht auf der Wollspinnerei ein großer Theil von dem Flore der Tuchmanufakturen.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Naturgeschichte und Technologie für Lehrer und Schulen und für Liebhaber dieser Wissenschaften von E. Ph. Funke. Braunschweig, in der Schulbuchhandlung 1802.
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