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XXVI.

Der Rigasche Kriegs-Gouverneur, Marquis Paulucci hat von Sr. kaiserlichen Majestät Selbst folgende Nachrichten über die Kriegs-Operationen erhalten.

Der General von der Cavallerie, Graf Wittgenstein, berichtet Sr. kaiserlichen Majestät vom 17. November aus Staroje Borissowa Folgendes:

Gestern habe ich das Glück gehabt, Euer kaiserlichen Majestät zu berichten, daß ich nach der Überfahrt bey dem Dorfe Studenzi gehen werde, um |Napoleon anzugreifen. Ich erreichte den Feind in beträchtlicher Anzahl bey genannter Überfahrt, welche er hartnäckig vertheidigte, um seine Obosen zu retten. Allein ich warf ihn von der ersten Position zurück, und verfolgte ihn drey Werst; das Gefecht dauerte den ganzen Tag, und heute nöthigte ich ihn, bey Studenzi über den Fluß zu gehen, wo er, nach geschehenem Übergange, die Brücke abbrannte. Von dem Admiral Tschitschagow habe ich Pontons erhalten, welche ich über den Fluß legen lasse, um auf die andere Seite hinüber zu gehen, und alsdann, in Gemeinschaft mit ihm und dem General der Cavallerie, Platow, zu agiren.

Gestern ist dem Feinde eine Kanone abgenommen, und sind 1500 Mann zu Gefangenen gemacht worden, heute sind bey der Überfahrt 12 Kanonen genommen und über dieß bey der Überfahrt viele in den Fluß versenkt. Ich habe sehr viele Stabs- und Oberofficiere und viele vom untern Range gefangen, deren man alle Augenblicke zuführt, und die ich zu zählen noch nicht Zeit hatte. Die Anzahl der genommenen, so wohl Krons- als Privatleuten gehörigen Obosen ist so groß, daß dieselbe einen Raum von mehr als einer halben Werst im Quadrat einnimmt; man konnte weder durchfahren, noch durchgehen, und ich mußte drey Drujinen Landwehr abschicken, um den Weg zum Durchmarsch der Truppen zu räumen. In diesen Obosen, welche mehrentheils aus Moskwaschen Equipagen bestehen, hat man, außer einer großen Beute für die Truppen, sehr viel Silber, Kirchengeräth und andere Sachen welche vom Feinde in Moskwa geplündert worden, gefunden. Diese Sachen werde ich an den Oberbefehlshaber in Moskwa absenden. -- Ich habe das Glück, Euer kaiserlichen Majestät hierüber allerunterthänigst Bericht abzustatten, und zu Hoch-Dero Füßen eine Fahne niederzulegen.

Der Verlust von unserer Seite in diesen Tagen beläuft sich an Todten und Verwundeten auf mehr als 3000 Mann.

Riga den 30. November 1812.

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Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Actenstücke und Materialien zu der Geschichte des großen Kampfes um die Freyheit Europa's in den Jahren 1812 und 1813. Germanien, bey Peter Hammer. 1813.
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